![]() |
|
![]() |
|
Dicht am Wege, der sich schmal nur
|
Wenn im Laufe der Jahrzehnte
|
|
Durch des Urwalds Pracht hinwindet,
|
Einst des Urwalds Bäume fallen,
|
|
Eine kleine Lichtung bildend,
|
Und Gehöft sich an Gehöft reiht,
|
|
Liegt der Friedhof, wo die Männer,
|
Wo nur heute still vereinzelt
|
|
Wo die deutschen Frauen schlummern,
|
Da und dort steht eine Hütte,
|
|
Die hier in dem fremden Lande
|
Wird der wackern Kämpfer alle,
|
|
Eine neue Heimat fanden -
|
Der Kultur Vorposten niemand
|
|
|
Mehr gedenken; -- selbst die Stätte,
|
|
Auf den grasbewachs'nen Hügeln
|
Wo sie schlafen nach der harten
|
|
Steht kein Stein mit gold'ner Inschrift.
|
Arbeit unter heißer Sonne
|
|
Kleine, schwarze Kreuze ragen
|
Wird villeicht vergessen sein . --
|
|
Nur darauf, schon halbverwittert,
|
|
|
Und von dunkelgrünem Moose
|
Kleine, schwarze Kreuze stehen
|
|
Dicht umsponnen; Unkrautsblumen
|
In dem kleinen Urwaldfriedhof
|
|
Blicken leuchtend auf zum Himmel
|
Halbverwittert au den Gräbern.
|
|
|
Ausgewaschen hat der Regen
|
|
Wackre Männer, wackre Frauen
|
Lange schon die meisten Namen.
|
|
Schlafen hier den ew'gen Schlummer
|
Und doch hätten, die da schlafen,
|
|
Liegen hier nach heißer Arbeit
|
Wohl verdient ein Marmordenkmal,
|
|
Fern vom alten Vaterlande. -
|
Drauf mit goldenen Lettern ständen
|
|
Hartes Mühen, hartes Schaffen,
|
Alle Namen dieser Wackern
|
|
Harte Arbeit war ihr Los.
|
Und darunter zum Gedächtnis: |
|
Jeden Flußbreit Landes mußten
|
"Treu dem alten Vaterlande,
|
|
Sie dem Urwald abgewinnen
|
"Das kein Brot mehr für sie hatte,
|
|
Mit der schweren Axt, dem Sichel
|
"Haben sie auf fremder Erde,
|
|
In den nimmermüden Händen. --
|
"In der Wildnis ferner Mitte
|
|
|
"Aufgerichtet deutscher Sitte,
|
|
Wo einst wilde Herden jagend
|
"Deutscher Art und deutschem Wesen
|
|
Zogen ruhlos ihre Pfade,
|
"Eine gute, neue Stätte
|
|
Richteten Sie auf die Hütte,
|
"Nicht nur dienend eigenen Nutzen,
|
|
Schufen ringsum grüne Weide, |
"Nein, dem Wohl der ganzen Menschheit."
--
|
|
Fruchtbar Land und Blumengärten.
|
|
|
|
Kleine, schwarze Kreuze stehen
|
|
Und in diesem fremden Lande,
|
Halbverwittert auf den Gräbern
|
|
Unter dieser fremden Sonne
|
In dem kleinen Urwaldfriedhof.
|
|
Hielten fest sie an den Sitten,
|
Unter ihnen schlummern friedlich
|
|
Die sie aus der alten Heimat
|
Deutsche Männer, deutsche Frauen. --
|
|
Treulich mit herüber brachten,
|
Kommt der Abend, rauschen leise
|
|
Hielten fest sie an der Sprache,
|
In dem Winde schlanke Palmen
|
|
Die sie von der Mutter lernten,
|
Und die Grillen zirpen kreischend.
|
|
Hielten fest sie an den Liedern,
|
Aus dem Walde klingt Gezwitscher
|
|
Die sie drüben einst gesungen;
|
Und der Tigerkatze Fauchen
|
|
Lehrten wieder ihren Kindern
|
Aber die, die drunter schlummern,
|
|
Deutsches Fühlen, deutsches Denken,
|
Träumen von den deutschen Eichen,
|
|
Deutsch nur redend stets mit ihnen.--
|
Träumen von der Lerche Trillern.
|
|
Wackre Männer, wackre Frauen
|
Träumen von des Kornfelds Wogen,
|
|
Waren sie, treu bis zum Tode,
|
Wo die blauen Blumen blühen,
|
|
Treu im Herz der alten Heimat,
|
Von der Linde auf dem Dorfplatz,
|
|
Bis man sie hier kühl gebettet
|
Wo sie einst als Kinder spielten.
|
|
In dem kleinen Urwaldfriedhof.--
|
|
| (Aus: "Kolonie und Heimat.") | |
|
Quelle: Köhlers Kolonial-Kalender 1912 |
von rado jadu 2000 |
