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In einem Negerdorf der Eweneger

(Aus H. Klose: "Togo unter deutscher Flagge" Verlag Dietrich Reimer)

 

In dem kleinen Orte Modunu hat man so recht Einblick in das Treiben der genügsamen Afrikaner. Ein Antilopenbraten ist natürlich für sie ein ganz besonderer Leckerbissen, da er nur selten vorkommt. Meist können nur die Reicheren ihn sich leisten, während der Jäger ihn so vorteilhaft wie nur irgend möglich zu verkaufen suchen. Sie räuchern das Fleisch etwas und lassen es dann in der Sonne trocknen. In dieser Form kommt es in kleinen Partien zum Verkauf und bringt einen schönen Erlös. Von einer Antilope ist binnen kurzer Zeit auch nicht mehr die Spur vorhanden. Eingeweide und Geschlinge werden von den Bewohnern selbst sofort zu einer Art von Frikassee gemacht, und sogar die Knochen werden verwertet, indem sie teilweise zerstampft und zu Suppe gekocht oder zu einer Soße für den Fufu (eine Art Brot aus Mais- und Hirsemehl) verwendet werden. Das Gehörn wird verkauft oder dem Fetisch geweiht; selbst die Zähne und Klauen werden häufig als Amulett getragen und sollen dem Jäger Glück bringen. Das Fell wird auf dem Rasen ausgespannt und in der Sonne getrocknet und kommt alsdann entweder zum Verkauf an die Küste, oder es wird von den reichen Afrikanern als Lagerstätte oder Teppich benutzt.

So ausgestorben der Ort am Tage erscheint, um so mehr Leben herrscht des Abends in den einzelnen Haushaltungen. Die Mädchen und Frauen tragen in großen Töpfen das Wasser herbei, während die alten Weiber tagsüber Feuerholz gesammelt haben und dieses für die Bereitung der Hauptmahlzeit, die bei unseren Afrikanern nach Sonnenuntergang eingenommen wird, heranbringen. Es beginnen nun die kleinen Herdfeuer zu rauchen, welche sich in der Trockenzeit meistens vor der Hütte, in der Regenzeit aber in derem Inneren befinden. Der Transport des primitiven Herdes ist leicht zu bewirken, da er häufig nur aus drei großen Steinen besteht oder auch aus einem kleinen Tonkegel hergestellt ist, welcher den großen Kochtopf stützt. Einen traulichen Eindruck macht der Feuerschein vor sämtlichen Hütten.

An dem Herdfeuer sitzen die Familien und plaudern über die Ereignisse des Tages, während die Frau emsig das Feuer schürt und in einem großen primitiven Tontopf das Wasser siedet. Die Mädchen schälen die Yams und schneiden ihn in Stücke, dann wird er in großen Töpfen gekocht, und von da aus wandert er in die großen Holzmörser, in denen er von den Frauen zu Brei zerstampft wird. Über einem anderen kleinen Feuer wird eine Soße von Kräutern und Palmöl bereitet, und bald ist das frugale Mahl für die Familie hergerichtet.

In einer großen flachen Schüssel aus Ton wird nun der allbeliebte Fufu aufgetragen, daneben steht eine kleinere mit Kräutersoße; mitunter wird das Mahl noch durch ein Huhn oder einige Stinkfische von der Küste vervollständigt. Alle hocken im Kreise auf der erde, die Knie hoch angezogen bis an das Kinn, um die Tafel, und jeder greift dezent mit den Fingerspitzen der rechten Hand nach dem Fufu, formt ihn geschickt zu einer Kugel und fährt damit in die meistens sehr stark gepfefferte Kräutersoße, um der Speise die nötige Würze zu verleihen. Der Bissen wird nun mit Andacht und Verständnis verzehrt; zu bewundern ist, wie jeder bei dem Mahl zu seinem Rechte gelangt. Keiner sucht dem anderen zuvorzukommen oder ihn in irgendeiner Weise zu schmälern. Die Finger werden nach dem Mahle sauber gewaschen und gereinigt. Häufig läßt man die Feuer noch weiter brennen, um sich nach dem Mahle am Herde zu erwärmen.

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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