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Eine Forschungsreise an der Küste Togos

Aus H.Zöller: "Als Journalist und Forscher in Deutschlands großer Kolonialzeit"

Meine vielen Kreuz- und Querzüge durch das Togogebiet hatte ich nur längs der Küste in der von kräftigen Afrikanern getragenen Hängematte, im Inneren aber zu Fuß, oder wo es Wasser gab, in Kanus zurückgelegt. Pferde konnten im allgemeinen weder in Togo noch in Kamerun als Beförderungsmittel gelten, da die wenigen Exemplare, die gelegentlich aus dem fernen Savannenlande des Inneren zur Küste gebracht wurden, ebenso wie größere Hunde und meistens auch Kühe, binnen kurzem dem damals noch mörderischen Klima zu erliegen pflegten. Vor der heiligen Fetischstadt Be, die sich, wie in vielem anderen, so auch durch ihre im ganzen Lande vereinzelt dastehenden runden Hütten von den übrigen Ortschaften unterschied, bin ich aber auf dem Rücken eines der drei im Togoland damals vorhandenen Rosse erschienen.

Hätte ich die Verhältnisse näher gekannt, so würde ich das ganz gewiß nicht getan haben; denn ausgerechnet Njikpla, der in Be besonders verehrte Kriegsgott, ist unter allen Untergöttern der Ewevolkes der einzige, den die Afrikaner sich zu Pferde sitzend und in europäischer Kleidung vorstellen. Die Folge ist, daß nach Ansicht der mächtigen Fetischpriester eigentlich kein Weißer die heilige Stadt betreten dürfe, wenn aber doch, alsdann entkleidet oder wenigstens nur in der spärlichen Afrikanergewandung. Es gab also mit den uns entgegenkommenden Häuptlingen und Priestern eines jener oft mehrstündigen Palaver, wie ich sie weiterhin im Togolande noch unzählige Male erleben sollte. Das Endergebnis dieses Palavers war ein Kompromiß, demzufolge wir die Beinkleider anbehalten durften, aber Röcke, Westen und Hemden ausziehen mußten und nunmehr, die Pferde am Zügel führend, und bloß mit Schuhwerk, Hose, Helm und einem um die Schultern geschlagenen Afrikanertuch in des geehrten Herrn Njikpla etwa 3000 Einwohner zählende Stadt einziehen durften.

Mohammedaner oder Christen gab es damals im Togoland noch nicht. Aber in allen Dörfern zeugten sowohl die gleich den Gerichtsgebäuden fast immer an hübschen Aussichtspunkten angelegten Fetischtempel, wie auch an den Straßen die vielen Götzenbilder vom lebhaften Fetischdienst der im allgemeinen nichts weniger als unduldsamen Eingeborenen. Nur mußte man wegen der in diesem Teil von Afrika allgemein verbreiteten Tierverehrung der in der betreffenden Landschaft für heilig gehaltenen Tiergattung gegenüber (in Togo waren es Krokodile und besonders Leoparden) etwas vorsichtig sein.

Manche von dem, was ich an der Sklavenküste von Kultusbräuchen kennen lernte, hat mich an Altägypten, anders an Altindianische, und wieder anders an die heutigen Hindureligion Indiens erinnert. Grundverschieden schien mir dagegen das hauptsächlich auf Ahnenkultus beruhende religiöse Empfinden der im Äußeren und in der Hautfarbe und in der Hautfarbe durchaus den Afrikanern gleichenden Papuas an der anderen Erdseite zu sein, mit denen ich mich 4 oder 5 Jahre später so viel zu beschäftigen hatte.

Was den die Sklavenküsten bereisenden Fremden am meisten auffiel, war, während die Idee eines allerdings wenig beachteten guten Gottes nicht ganz unbekannt zu sein schien, eine unbändige Furcht vor bösen Geistern und Gespenstern. Ein so feines Verständnis die Afrikaner
(in auffallendem Gegensatz zu den viel ernsteren Papuas) für jedwede Art von Humor haben, so wählten sie doch vielfach für ihre Häuptlinge, Fetischpriester und Priesterinnen Bekleidungsstücke, deren unbeschreibliche Komik ihnen gar nicht zum Bewußtsein zu kommen schien. Der König, der mir mit seinem rosaroten Zylinderhut imponieren wollte, wurde noch weit übertroffen durch die Priesterin von Groß-Popo, die ebenfalls mit einem als einziges Bekleidungsstück um die Hüften geschlungenen daumenbreiten Schlips und mit Wasserstiefeln, die einem gestrandeten Schiffe entnommen worden waren, vor mir auftrat. Aber im Grunde genommen waren derartige Lächerlichkeiten doch bloß kleine Begleiterscheinungen einer sogar des Schönheitssinnes nicht ganz entbehrenden eigenartigen Kultur, welche diejenige der Bantuneger von Kamerun nicht unbeträchtlich übertraf.

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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