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Zwischen der Goldküste und Französischdahome liegt in der Bucht von Benin das kleinste deutsche afrikanische Schutzgebiet Togo. In seiner Entwicklung ist es am weitesten fortgeschritten; es erhält sich selber und bedarf keines Reichszuschusses.
Die Gesamtgröße beträgt nach den Abgrenzungsverträgen mit Frankreich und England 87 2000 qkm. Bewohnt wird das Gebiet von ungefähr 2 500 000 Einwohnern, wovon 159 Europäer und 149 Deutsche sind. An der nur 50 km langen Küste herrscht eine starke Brandung; erst die bei der Stadt Lome errichtete Landungsbrücke hat die außerordentlichen Schwierigkeiten der Landung gemildert. Die Mündung des weithin schiffbaren Volta befindet sich im englischen Gebiet; der Talweg des Mono bildet die Grenze gegen Dahome. Im Innern des Landes befindet sich ein stark gegliedertes und reich bewaldetes Gebirge; einige Gipfel sind über 900 m hoch.

Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26° C. an der Küste, 23° C., im Innern; im Dezember und Januar weht der Harmattan, ein heißer, trockener Landwind. Die Gesundheitsverhältnisse sind daher im Innern für Europäer ziemlich günstig. Ziemlich dicht sitzen an der Küste die Eohestämme, bei denen das Christentum noch nicht den Fetischismus zu verdrängen vermocht hat. Im Innern wohnen verschiedene Stämme, die bisher unter der Herrschaft mohammedanischer Fulbes und Haussas standen. Das Togogebiet wurde im Jahre 1884 durch den Generalkonsul Dr. Nachtigal unter deutschen Schutz gestellt. In Bagida, Lome, Porto Seguro wurde die deutsche Flagge gehißt, und weitere Landerwerbungen im Innern wurden durch die Hauptleute Kling, Herold, François und Stabsarzt Dr. Wolf unternommen. Durch die Togohinterlandexpedition des Dr. Gruner, der mit wenig Mitteln in kühnem Zuge bis zum Niger vordrang und mit dem mächtigen Sultan von Gando einen Schutzvertrag abschloß, wurden dem feindseligen Vordringen der Engländer und Franzosen gegenüber wenigstens unsere Ansprüche aus Sansannemangu durchgesetzt; Pama und Gurma mußten wir den Franzosen überlassen.

An der Spitze der Verwaltung steht der Gouverneur Waldemar Horn mit dem Sitz in Lome, woselbst sich auch ein Bezirksgericht befindet; das Obergericht 2. Instanz ist in Duala Kamerun. Zwei Bezirksämter liegen an der Küste: Lome mit 4 000 und Kleinpopo mit 6 600 Einwohnern; das Innere wird von den Stationen Misahöhe, Kpando, Kettekratni, Yendi, Sansannemangu, Bafari, Bismarckburg, Atakpame und Sokode aus verwaltet; eine Polizeitruppe von 150 Farbigen dient zur Aufrechthaltung der Ordnung.

Der Schiffsverkehr belief sich im Jahre 1901 auf 266 Schiffe mit 374 377 Registertons. Bei dem hochentwickelten Verkehr plant man den Bau einer Küstenbahn von Kleinpopo nach Lome und einer solchen von Lome nach Misahöhe bezw. Palime. Ausgeführt wurden 1901 für 3 690 550 Mark, eingeführt für 4 722 899 Mark Waren.

Den Hauptartikel der Ausfuhr bilden Palmöl und Palmkerne; Gummi, Elfenbein und lebende Tiere folgen darnach. Zahlreiche europäischen Firmen und Pflanzungsgesellschaften sind im Lande tätig. Neuerdings versucht man, den Anbau von Baumwolle in großem Umfange bei den Eingeborenen zu veranlassen; man hofft dadurch, sich allmählich von den Preistreibereien der amerikanischen Baumwollspekulanten unabhängig zu machen, die in 3 Monaten des Jahres 1903 den Preis um 60 Millionen Mark erhöhten, so daß die heimische Textilindustrie sich zu einer Einschränkung der Arbeit veranlaßt sah; da Baumwolle, die wir jährlich für 300 Millionen Mark aus Amerika einführen, nicht nur in Togo, sondern auch im Hinterland von Kamerun, im nördlichen und mittleren Teil von Südwestafrika, in Ostafrika und Neuguinea gebaut werden kann und vielfach von den Eingeborenen für ihren Bedarf schon heute gebaut wird, so ist es uns möglich, bei einer Ausdehnung dieser Kulturen unsern ganzen Bedarf an Baumwolle in unsern Schutzgebieten decken und den amerikanischen Markt völlig ausschalten können.

Darin liegt der große Wert unserer Kolonien; sie dahin zu bringen, daß sie uns vom Auslande hinsichtlich des Bezuges kolonialer Rohprodukte unabhängig machen, ist das Ziel unserer Kolonialpolitik. Daß wir sie dahin bringen können und werden, beweist die vorstehende Schilderung unserer wertvollen afrikanischen Schutzgebiete. Es ist klar, daß wir Deutschen in der kurzen Zeit unserer kolonialen Entwicklung noch keine hervorragende finanziellen Erfolge erzielen konnten. Immerhin läßt sich die Entwicklung sehr günstig an. Frieden und Ruhe sind fast überall eingezogen; der Sklavenraub und der Sklavenhandel ist unterdrückt, die Sklaverei selbst wird allmählich beseitigt. Durch zahlreiche Missionsstationen wird die Sittlichkeit der Eingeborenen gefördert, ihr Verstand befähigt, die Segnungen der Kultur und des Friedens zu begreifen, wird ihr Wissen gehoben. Auch die Regierung unterstützt durch Einrichtung von Schulen diese Bestrebungen der Missionen.

Weiterhin ist die wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete außerordentlich fortgeschritten. Der Eingeborene hält es bereits für vorteilhaft, nicht nur für seine und seiner Familie unmittelbare Bedürfnisse zu arbeiten, sondern sich die Mittel zu einer höheren Lebenshaltung durch Mehrarbeit zu verschaffen. Seine Bedürfnisse sind gewachsen, und damit werden für unsere heimische Industrie neue Absatzgebiete, neue Märkte geschaffen. Der Industrielle in der Heimat kann immer mehr produzieren; mehr Arbeiter können dadurch verdienen; der Kaufmann setzt diese Erzeugnisse in den neuerschlossenen Märkten ab; er kann mehr Angestellte beschäftigen. Das Transportgewerbe verdient, ebenso die Reedereien; die Schiffsbauanstalten erhalten dadurch neue Arbeit. Tausende von neuen Existenzen können in den Schutzgebieten gegründet werden, wodurch der Konkurrenzkampf in allen Berufen in der Heimat gemildert werden. Alles dies sind Vorteile, denen gegenüber die staatlichen Aufwendungen für die Schutzgebiete nicht ins Gewicht fallen.

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Der Gesamthandel der Schutzgebiete belief sich im Jahre 1900 auf etwa 60 000 000 Mk. Das ist im Verhältnis zu unserem Milliarden zählenden Gesamthandel noch wenig. Aber er steigt in jedem Jahre, und mit jedem Jahre wächst die wirtschaftliche Bedeutung der Schutzgebiete für das deutsche Volk. Dabei betragen die Ausgaben des reiches für die afrikanischen Schutzgebiete in jedem Jahre etwa
12 000 000 Mk. Dieser Reichszuschuß wird in jedem Jahre geringer, weil die Einnahmen der Schutzgebiete an Zöllen, Steuern und Abgaben jährlich wachsen.

Nicht darin beruht der Vorteil unserer Schutzgebiete, daß sie uns jährlich aus den etwaigen Überschüssen Millionen für die Staatskasse einbringen, sondern darin, daß die Bürger des Reiches in den Schutzgebieten ein neues gewaltiges Arbeitsfeld vorfinden, daß der Bürger durch seine Arbeit dort reich wird und die Erzeugnisse des Landes und der Arbeitskraft der Eingeborenen sich zu nutze macht. Dadurch wird der Wohlstand des deutschen Volkes vermehrt und der einzelne in den Stand gesetzt, mehr zu verdienen und mehr auszugeben, kurz, dem einzelnen wird eine höhere Lebenshaltung ermöglicht.

Daß die afrikanischen Kolonien im Stande sind, alle diese Hoffnungen zu erfüllen, glauben wir, durch die Beschreibung derselben dargetan zu haben.

Quelle: Illustrierte Länder- und Völkerkunde, von M Reymond, Deutsche Volksbibliothek, von rado jadu 2000

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