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Der Togosee

(Aus H. Zöller: "Als Journalist und Forscher in Deutschlands großer Zeit")

Das in langgestreckten, zunächst ganz niedrigen, aber je weiter landwärts desto höheren Terrainwellen ansteigende Gelände umrahmte nordöstlich von Bagida einen mit Küstenlagunen in Verbindung stehenden, von den Kaufleuten noch nicht befahrenen großen See, dessen in Süden etwas brackiges, im Norden dagegen ganz salzfreies Wasser mich darauf schließen ließ, daß hier irgendwo hinter den von Krokodilen wimmelnden ungeheuren Schilfdickichten ein größerer Fluß einmünden müsse. Dieser Fluß, den ersten und wie sich später herausstellen sollte, den die ganze Kolonie durchströmenden einzigen des Togolandes zu entdecken, was mir denn auch schließlich glückte, ist das Ziel meiner nächsten Forschungen gewesen, die mit ziemlich viel Leiden und Strapazen verknüpft waren.

Im Boote vom Küstenorte Porto Seguro aus zu den Togodörfern und dann über den See hinüber nach Gbome führend, versuchten wir oft und lange vergeblich behufs Auslugens nach der gesuchten Flußmündung das breite Schilfdickicht zu durchbrechen. Es ist uns trotz aller Aufmunterung unserer ihre ganzen Kräfte einsetzenden Afrikaner nicht gelungen. Schließlich wurde der Kampf mit dem Milliardenheer der Moskitos, die ich nirgendwo in größerer Anzahl und Bosheit als hier angetroffen habe, unerträglich. Dazu kam bei unseren verschiedenen Nachtquartieren am Ufer eine von mir noch niemals erlebte Belästigung durch Krokodile. Damit hatte es seine eigene Bewandtnis.

Ich mag auf meinen langjährigen vielen Reisen, besonders in Afrika und Südamerika, sicher Tausende von Krokodilen oder Alligatoren gesichert haben. Sie alle lagen, bis eine Gewehrkugel sie zum Hereinrutschen ermunterte, stumm und steif gleich Baumstämmen an der Oberfläche und rührten sich auch nicht, als ich einmal in Kamerun, ohne zu wissen, daß viele Krokodile ganz in der Nähe waren, einen breite Fluß durchschwamm. Grundverschieden und wie ich es sonst niemals beobachtet habe, war das aggressive Verhalten am Togosee. Ob das mit der Jahreszeit oder mit irgendwelchen sonstigen Verhältnissen zusammenhing, ist mir nicht bekannt. Wenn wir uns bei stockdunkler Nacht in irgendeiner armseligen Hütte des Strandes einquartiert hatten, pflegte öfters einer der die Boote bewachenden Afrikaner mit der Nachricht gelaufen zu kommen, daß Krokodile in die natürlich auch mit Lebensmitteln befrachteten Boote hineinzuklettern versuchten. Eine Salve aus unseren Gewehren vermochten die Tiere immer bloß auf kürzere Zeit zu vertreiben. Mehrfach habe ich auch beobachtet, wie vom Lande kommende riesige Krokodile sich die 3 bis 4 m hohe Uferböschung hinabwälzten.

Das das Nordende des Sees mit Booten nicht hatte erreicht werden können, so wurde vom Ostufer aus über Groß-Sewa in nördlicher Richtung der Vormarsch zu Lande aufgenommen. Wir gelangten zu ausgedehnten Ölpalmwaldungen und weiterhin, wo das Gelände sich abwärts zu senken begann, in regelrechten von Menschenhand unberührten Urwald. Welche Freunde, als schließlich das blinkende Gewässer des so lange gesuchten Flusses vor uns auftauchte. Mit einer Salve aus allen Gewehren, die donnernd vom jenseitigen Ufer widerhallte, ließ ich seine Entdeckung begrüßen. Es würde zu weit führen, hier zu schildern, wie wir dann doch schließlich unsere Boote in den etwas über 40 m breiten und durchschnittlich 4 m tiefen Fluß gebracht haben, den wir aufwärts befuhren, so weit die schwer zu überwindenden Fischwehre der Eingeborenen dies gestatteten, und dessen Verlauf wir dann auch noch auf einem Fußmarsch gefolgt sind.

Nach der Rückkehr zur Küste stimmten alle beteiligten Deutschen dahin überein, daß die neue Kolonie, von den damals gewöhnlich als "Bagida" und "Bey-beach" geredet wurde, den Namen "Togoland", daß der große See den Namen "Togosee", und daß der entdeckte Fluß den Namen "Hahofluß" erhalten solle.

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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