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China - Boxeraufstand

Die drei Religionen Chinas ..... und das Christentum.

von Professor Dr. Max Müller (Oxford).

 

Die Anthropologen bestehen darauf, daß die Entwicklung des Menschen und namentlich der Völker immer von unten nach oben, vom Unvollkommenen zum Vollkommenen, also vorwärts schreitet. Wenn man aber die alten Überlieferungen und namentlich die alten heiligen Schriften der Völker studiert hat und dann von diesem Studium hinweg auf den jetzigen Zustand der heutigen Vertreter der bedeutendsten Völker des Erdkreises blickt, wie anders verhält es sich da! Man traut seinen Augen kaum, wenn man uns sagt, daß dies wirklich dieselben Völker sind; so hoch erhaben steht ihre alte Zivilisation, ihre Literatur, ihre Religion und Moral über dem Niveau, das die Epigonen im jetzigen Jahrhundert einnehmen.

Man denke nur an die Griechen zur Zeit der Perserkriege und dann an die Griechen in ihrem letzten Kampf gegen die Türken. Man erinnere sich an die Römer vor den punischen Kriegen und an die unwürdigen Nachkommen des alte Cato zur Zeit des Kaiserreichs. Wenn man bedenkt, wie oft die alte Propheten diejenigen verdammen, die auf Zinsen leihen und vom Wucher leben (Hesekiel 18,8 13. 17. 22,12), so kann man wohl mit Recht bezweifeln, daß die heutigen Juden besser als ihre Väter geworden sind. Man lese die Gesetze des Mana, die epischen Gedichte der alten Inder, ja selbst ihre alte Philosophie in den indischen Upanischoden und vergleiche diese mit der jetzigen Litteratur des Landes. In China darf man vielleicht keinen Fortschritt erwarten, denn das ideal dieses Landes war selbst in seiner besten Zeit Konservatismus, Widerstand gegen alle Neuerungen und somit gegen alle Fortschritt. Aber trotzdem, daß in China so viel Altes und Gutes bewahrt worden ist, wie tief ist das heutige Volk in diesem Land gesunken im Vergleich mit den Idealen, die die großen Stifter der zwei einheimischen Religionen, Confucius und Laotze, und auch die in China mit offenen Armen aufgenommene Religion, der indische Buddhismus, predigten.

Die heiligen Schriften der verschiedenen Religionen zeigen uns fast überall, wenn nicht die Realität, so doch die Ideale, die einem Volk zur Zeit ihrer Verfasser vorschwebten. In China gibt es nun drei Religiobnen, die zwei volkstümlichen Confuciasnismus und Taoismus, und die aus Indien eingewanderte, der Bhuddismus. Confucius, oder auf chinesisch Kung-fu-tse, d.h. Kung, der heilige Meister, war aber nicht der Stifter der nach ihm benannten Religion. Er verwahrt sich gegen diese Annahme zu wiederholten Malen. Die Religion, die er in den ihm zugeschriebenen heiligen Büchern lehrte, ist die alte, von ferner Urzeit her überlieferte Religion des Landes. Er selbst will nur der Sammler und erneuerer dieser alten Religion gewesen sein. Das Wort Religion, in unserm Sinn des Worts, paßt kaum auf seine Lehre, und von seinen Kings kann man auch nicht als von heiligen Büchern sprechen.

Seine Religion ist Lebensweisheit und Moralität, von sogenannter Theologie, von Dogmen über die Existenz und die Eigenschaften des Göttlichen hält er sich absichtlich fern. So sagt er zu einem Schüler, der ihn über die Geister und die ihnen zukommende Verehrung fragte:"Wenn ihr nicht wißt, wie ihr die Menschen dienen sollt, wie könnt iht ihnen dienen." Ein anderes Mal, als man ihn über den Tod befragte, antwortete er: "Wenn ihr nicht wißt, was das Leben ist, wie könnt ihr etwas über den Tod wissen!" Oft wollte er gar nicht antworten, wie auch Bhudda und andere Agnostiker so oft taten. Da sagten seine Schüler:"Wenn ihr, Meister, nicht sprecht, was sollen wir, eure Schüler, dann berichten?" Der Meister sagte:"Spricht den der Himmel? Die vier Jahreszeiten folgen ihrem Lauf, und alle Dinge werden fortdauernd hervorgebracht. Aber spricht den der Himmel auch nur ein Wort?" Von guten moralischen Lehren und Grundsätzen sind aber seine Schriften voll von Anfang bis zu Ende.

Die ihm zugeschriebenen Schriften sind die fünf Kings, d.h. seine Gewebe (vergl. Sûtra im Sanskrit). Sie sind: 1. der Nih-King (Wandlungen), 2. der Shoo-King (Geschichte), 3. der She-King (Gedichte), 4. der Le-ke-King (Riten und Gebräuche), 5. Tschun-Tien (Frühling und Herbst). Dann folgen die vier folgenden Bücher, die Shu: 1. Lun-Nu (die Analekten oder Tischgespräche des Confucius), 2.Ta-Hio (das große Wissen, von Tsang-Sin, einem Schüler des Confucius), 3. Tschung-NUng (die Lehre von der Mitte, von Kung-Keih, dem Enkel Confucius), 4. die Werke des Mencius.

Alle diese Werke sollen großem Veränderungen ausgesetzt gewesen sein, bis sie unter der Han Dynastie (von 201 vor bis 24 nach Chr.)kritisch hergestellt wurden und dann in dieser Rezemsion unverändert bis auf den heutigen Tag geblieben sind. Die besten englischen Übersetzungen sind die von Dr. Legge in seinem "Chinese Classics", und dann in den von mir herausgegebenen "Sacred books of the East."

Confucius soll 551 vor Chr. geboren sein, und gleichzeitig mit ihm oder noch etwas früher lebte Laotze, dessen Geburt auf 604 vor Chr. angesetzt wird. Von diesem haben wir nur das Tao-teh King, d.h. das Buch von Tao. Laotze wird geöhnlich durch "der alte Pilosoph" oder "der alte Knabe" übersetzt, weil die Sage erzählt, er sei 72 Jahre alt gewesen und habe bereits weißes Haar gehabt, als seine Mutter ihn endlich gebar. Sein System, das gewöhnlich Nationalismus genannt wird, beschäftigt sich vorzüglich mit dem Tao, d.h. dem geraden Weg, der Vernunft, vielleicht dem Logos, und ist somit nah verwandt mit dem Sanskrit Rita. Alles hängt für ein richtiges Verständnis des Systems des Laotze von der Auffassung seines Tao ab. Julien übersetzte Tao-teh King durch "Le Livre de la Voie et de la Vertu".

Dr. Cheners läßt Tao unübersetzt, da es im Europäischen kein ihm entsprechendes Wort gäbe. Manche glauben, daß Natur dem Tao am nächsten komme als der abstrakten Ursache, oder dem unverfänglichen Prinzip von Leben und Gesetz, dem seine Verehrer die Attribute der Immaterialität, der Ewigkeit, der Unendlichkeit und Unsichtbarkeit zuschreiben. Man sucht aus allen diesen Versuchen das Tao zu definieren, das Tao ursprünglich jedenfalls ein sehr metaphysischer Begriff war, und es ist leicht möglich, daß, wie Confucius so auch Laotze, diesen Begriff aus dem Altertum überkam und ihn nur weiter zu erklären und auszubilden suchte. Dr. Legge nimmt an, daß die Lehre des Tao erst seit dem Auftreten des Bhuddismus in China sich zu einem vollen System oder zu einer Religion entwickelt habe mit Klöstern für Mönche und Nonnen, mit seinen Heiligenbildern und seinem eigenen Ritual.

Und wie alle Religionen, die mit sehr abstrakten metaphysischen Grundsätzen beginnen, sich meistens im Volk vergröbern und bald zu bloßem Götzendienst, Wunderglauben und Mirakelwirtschaft herabsinken, so geschah es auch mit dem Taoismus in China. Zuerst stand er in Opposition zu der Lehre des Confucius, dann schloß er sich immer mehr an den Bhuddismus an, und beide wurden zuletzt zu einem Aberglauben, der sich namentlich in den tieftsen Schichten der Bevölkerung der größten Popularität erfreute.

Während nun diese beiden Systeme entschieden auf chinesischem Boden erwachsen waren, drang der Bhuddismus als eine fremde Religion im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt aus Indien in China ein. Die Umstände, unter denen diese Einführung stattfand, sind rein historisch und oft beschrieben worden. Es ist bei der geographischen Nähe von Indien und China leicht möglich, daß schon in früheren Jahrhunderten eine Kunde vom Bhuddismus nach China gedrungen war, jedenfalls war es aber der Kaiser Ming-ti, der im Jahre 65 ausdrücklich den Bhuddismus als die dritte Staatsreligion in seinem Reich anerkannte. Er schickte nicht nur einheimische Gelehrte nach Indien, um dort Sanskrit zu studieren und bhuddistische Texte ins Chinesische ui übersetzen, er lud auch bhuddistische Gelehrte nach China, die ihre Handschriften mitbrachten und durch Übersetzungen den einheimischen Gelehrten zugänglich zu machen suchten. Wir haben eine lange Reihe von bhuddistischen Pilgern, die aus China nach Indien wanderten, dort Sanskrit lernten, Sanskritschriften in das Chinesische übersetzten und uns auch sonst interessante Reisebeschreibungen hinterließen, wie namentlich Fa-Kian 400, Hirneattraag
( † 664) und I-tsing ( † 713). Ebenso haben wir die Namen von Bhuddisten, die nach China übersiedelten, ja wir kennen sogar die Handschriften und heiligen Reliquien, die sie mit sich nach China nahmen, wovon aber die meisten in China selbst verloren gegangen zu sein scheinen.

Es wird oft als religiöser Indifferentismus bezeichnet, daß man in China drei Staatsreligionen duldete, ja daß der Kaiser einmal im Jahr die Tempel der Confucianer, der Taoisten und Bhuddisten mit seiner Gegenwart beehren mußte. Man kann aber diesen Indifferentismus ebensogut als religiöse Toleranz auffassen und dem Kaiser oder vielmehr seinen Mandarinen die Einsicht zuschreiben, daß alle Religionen denselben Ursprung haben und dasselbe Ziel verfolgen. Dies war besonders in China ganz begreiflich, da alle drei Staatsreligionen nur wenig Dogmen enthielten, sich durchaus nicht als auf geoffnbarten Büchern begründet ausgaben und sich vorwiegend mit Lebensweisheit und Moral beschäftigten.

Es ist daher auch begreiflich, daß man in China das Christentum zu Anfang als eine neue Lehre nicht nur bereitwillig aufnahm, sondern es eine Zeitlang mit derselben Toleranz wie den Bhuddismus behandelte. Dies war der Fall mit den nestorianischen Christen, die im siebenten Jahrhundert ihren Sitz in China nahmen und von deren Bemühung wir bisher nur durch das gleichzeitige Monument von Ksian-Fu (auch Sigan-Fu) wußten, das im Jahr 781 errichtet worden war und im Jahre 1866 von Dr. Williamson unter Schutt vergraben wieder entdeckt wurde. Es ist Chinesisch, enthält aber auch einige Zeilen in Syrisch. Man hat es eine Zeitlang als rein apokryphisch behandelt. Aber schon Gibbon, keine geringe historische Autorität, bemerkte im siebenundvierzigste Kapitel seines großen Geschichtswerks: "Das Christentum ist zwischen dem siebenten und dreizehnten Jahrhundert in China unabweisbar durch die Übereinstimmung chinesischer, arabischer, syrischer und lateinischer Urkunden bezeugt. Die Inschrift von Sigan-Fu, die die Schicksale der nestorianischen Kirche von der ersten Mission im Jahr 636 bis zum Jahr 781 beschreibt, ist vo La Crose, Voltaire und andern als Fälschung behandelt worden. Diese Männer haben sich aber durch ihre eigene Schlauheit betrügen lassen, während sie sich vor einem jesuitischen Betrug fürchteten."

Wenn man die Echtheit dieser Inschrift und das Verstehen nestorianischen Missionen vom siebenten Jahrhundert noch immer bezweifelte, so haben wir jetzt eine Beglaubigung für sie, die uns von ganz unerwarteter Seite kommt. Die Inschrift sagt uns, daß der erste christliche Missionar, der im Jahre 635 nach china kam, Olopun hieß. Er wurde vom Kaiser freundlich aufgenommen und erhielt die Erlaubnis, seine Religion zu lehren, so wie man die andern drei Religionen lehrte. Die Idee einer Rivalität oder feindschaft zwischen verschiedenen Religionen scheint noch nicht bestanden zu haben. Die christliche Religion wurde die Religion von Ta-tsia genannt, und auch das Kloster der nestorianischen Priester hieß das Kloster von Tatsia. Dieses Wort Tatsia bedeutete Syrien, erstreckte sich aber bald auf alles, was aus Rom kam und auf das Christentum Bezug hatte.

Zuweilen hieß die christliche Religion auch die ruhmvolle Lehre, während Confucianismus einfach "die Lehre", Taoismus "der Weg", Bhuddismus "das Gesetz" (Dharma) genannt wurde. Diese vier Religionen lebten einträchtig nebeneinander, man betrachtete nur das Gute, was sie lehrten und taten, die Idee von Neid und gegenseitigem Haß zwischen den verschiedenen Religionen scheint damals noch nicht bestanden zu haben. man ließ eine jede ihr Gutes tun, jede nach ihrer Weise, und berachtete sie, wie man Ärzte betrachtet, die dem Volk unentgeltlich ihre Wohltaten erzeigen. Das Christentum scheint sich schnell ausgebreitet zu haben, denn wir lesen von Kirchen und Klöstern in Hunderten von Städten, ja von hochgestellten chinesischen Beamten, die vom Bhuddismus zum Christentum übertraten und sich als große Wohltäter der Christen in Tschangan und namentlich der Mönche des Catsiaklosters daselbst bewiesen. Dieser glücklicher Zustand dauerte so fort bis zum Jahre 781, in welchem Jahr das Monument von Hsian-fu errichtet wurde. Im nächsten Jahrhundert jedoch scheinen die Kaiser, die damals oft in Tschangan residierten, eine andere Politik befolgt zu haben. Der Kaiser Wütung erließ im Jahr 841 sein berüchtigtes Edikt, das alle bhuddistischen Klöster aufhob und eine Verfolgung aller fremden Religionen mit sich brachte. Die Christen wurden wie die Bhuddisten behandelt, und die Religion von Catsia scheint seit jener Zeit in China vollkommen ausgerottet zu sein. Während die Bhuddisten sich langsam wieder erholten, fand Marco Polo auf seiner Reise in China, daß es in Hsian-fu nicht einen Christen, sondern nur Götzendiener gab.

Ein merkwürdiger Koincidenzfall, der hier erwähnt zu werden verdient, ist, daß auf dem Monument von Hsian-fu ein Chorepiscopus, Namens Adam, erwähnt wird. Dieser Adam, auf chinesisch King-Tsching (King Ching) genannt, soll nach einem chinesischen Bericht einen Bhuddisten aus Kapisa im nördlichen Indien bei sich in Tatsiakloster beherbergt haben, Namens Prâjna. Dieser im Chinesischen wohlbekannte Bhuddist übersetzte ein bhuddistisches Werk, das Statparamiti-Sutra, aus dem Sanskrit in das Chinesische, war aber damals noch so wenig zu dieser Arbeit durch seine geringe Kenntnis des Chinesischen befähigt, daß er einen Mitarbeiter annehmen mußte; dies war nun kein anderer als Adam im Kloster von Tatsia. Da aber auch King-Tsching nur schwach in seiner Kenntnis des Sanskrits war, so benutzten sie eine mongolische Übersetzung und brachten in dieser Weise ihre Arbeit zu Ende.

Ihre gemeinschaftliche Übersetzung des bhuddistischen Textes war aber so ungenau, daß Klagen darüber an den Kaiser Tê-tsung kamen und dieser die Übersetzung ernst tadelte,namentlich weil darin bhuddistische und christliche Ideen vermengt seien. Dies sollte nicht sein, fügte der Kaiser hinzu; das Kloster von Tatsia und die bhuddistischen Klöster seien verschieden und oft sich widersprechend.
King-Tsching (Adam) solle die Lehre des Messias (Michiho), die Bhuddisten die Lehre Bhuddas verbreiten, aber die beiden Lehren sollten nicht vermengt werden. Das Wahre soll vom Unwahren geschieden bleiben, ebenso wie die Flüsse Tsching und Wei in ihren verschiedenen Betten dahinfließen. Diese Befehle des Kaisers Tê-tsung sind jedenfalls von großer historischer Bedeutung. Sie beweisen, daß Christen und Bhuddisten unter demselben Dach in ihren Klöstern lebten, daß sie vielleicht die Ähnlichkeiten zwischen ihren bezüglichen Lehren erkannt hatten, und daß King-Tsching, derselbe, der das Monument von Hsian-fu mitunterzeichnete, jedenfalls im Kloster von Tasia gleichzeitig mit dembekannten indischen Mönch und Übersetzer Prâjna lebte und arbeitete.

Jedenfalls ist diese Niederlassung weströmischer Mönche im Tatsiakloster zu Tschangan der erste Versuch, das Christentum oder wenigstens seine wichtigsten moralischen Lehren in China zu verbreiten, und es ist begreiflich, daß, solange die vier damaligen Religionen in China sich mit ihren moralischen Lehren begnügten, sie in Ruhe und Frieden miteinander leben konnten, so daß selbst die kaiserliche Regierung sie in jeder Weise begünstigte. Dann folgten vom neunten Jahrhundert an die Verfolgung der Bhuddisten und Christen, die mit gänzlicher Vernichtung aller Christen und ihrer Niederlassungen in China endigten.

Die römische Kirche machte später neue Versuche, das Christentum in China zu verbreiten, einmal im dreizehnten Jahrhundert und in größerem Maßstab gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts, während die protestantische Kirche ihre Missionen in China erst seit 1807 mit Eifer betrieb. Doch nie hat die christliche Religion wieder so schnelle Fortschritte in China gemacht, wie dies im siebenten und achten Jahrhundert der Fall war, wenn wir nach der Zahl der Tempel und Klöster der damaligen Zeit urteilen dürfen.

In neuster Zeit haben zwar die christlichen Missionare große Freiheit in China genossen, aber doch nur weil sie von den Großmächten in Europa in Schutz genommen waren. Im Volk hat sich der Haß gegen die christliche Religion, nicht sowohl wegen ihrer Irrtümer, als wegen ihres fremden Ursprungs, mehr und mehr verbreitet und ist endlich bei dem jetzigen furchtbaren Aufruhr klar zu Tage gekommen. Der Chinese, folgt er nun der Lehre des Confucius, des Laotze oder der Lehre Bhuddas, läßt sich viel gefallen, wenn man ihn in Ruhe läßt, aber er haßt alles Fremde, wenn man es ihm aufdrängen will.

Die jüngsten Greueltaten würden von Männern wie Confucius, Laotze und Bhudda die schärfste Verurteilung erfahren haben, aber mit einem Volk, das politisch aufgewiegelt und namentlich von Fremdenhaß entflammt ist, kann man nicht rechten. Sie wollen lieber Tod als Vernunft annehmen, und ihr Patriotismus ist stärker als ihre Religion. So ist es überall, und man sieht wieder in China und anderwärts, was Dr. Samuel Johnson im Sinn hatte, als er Patriotismus die letzte Zuflucht der Schurken nannte (the last refuge of scoundrels).

 

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2001.


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