
Bei unsern Blaujacken
Von Konteradmiral z. D. Max Plüddemann
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Kampf ist der Zweck des Panzerschiffs, und die Ausbildung zum Kampf, das Vertrautmachen von Offizieren und Mannschaften mit allen Verhältnissen, die das Gefecht mit sich bringt, ist der letzte Zweck jeglichen Dienstes an Bord. Diesem Ziel dienen, nachdem die Detailausbildung beendet, in letzter Instanz die Schießübungen und die Gefechtsübungen, letztere häufig nur gegen einen markierten Feind, schließlich jedoch auch gegen eine ebenbürtige Schiffsabteilung. Dröhnender Kanonendonner, das Rasseln der Maschinengewehre, der den Atem versetzende Pulverdampf, das alles bringt eine Aufregung hervor, die auf die des Gefechts erinnert und dem Neuling den Kopf verwirrt. Heiß wird es an einem wirklichen Gefechtstag zugehn, heiß aber im wahren Sinn des Wortes geht es stets unten zu, wohin kein Sonnenstrahl dringt: in den Heizräumen. Nur mit dem Allernotwendigsten bekleidet, in Schweiß gebadet, schwarz wie die Schornsteinfeger, Augen und Kehle voll von Kohlestaub, der durch die Ventilationsmaschinen aufgewirbelt wird, füttern die Heizer die Dutzende Rachen des Ungeheuers mit dem schwarzen Hafer, Kohle genannt. Wie schmeckt dann aber auch die Rast nach den vier Stunden des Dienstes, nachdem in der Badekammer der Körper gereinigt und erfrischt worden, das schmutzige Arbeitszeug in seinen Verschlag gelegt und reines Zeug angezogen! Jetzt würde sicher die härteste Eisenplatte als sanftes Ruhekissen dienen können; wie viel mehr die luftigen Hängematten, die seit kurzem für den Tagesschlaf des Maschinenpersonals angeschafft worden sind. Ein viel beschaulicheres Leben fuhren die Handwerker. Der militärische Dienst nimmt sie fast nur zu Gefechtsexerzitien in Anspruch. Da fördern sie Munition und transportieren Verwundete. In den übrigen Zeiten, in denen exerziert wird, besorgen sie ihr Handwerk in geruhsamer Geschäftigkeit. Sehr wichtig sind die Schuster. Gar mancher entpuppt sich plötzlich als ihr Freund, wenn er sehnsüchtig auf die Fertigstellung seiner in Reparatur gegebenen Schuhe wartet. Mit Interesse wird auf unserem Bild das fortschreiten ihrer Arbeit verfolgt. Die Segelmacher haben an Wichtigkeit verloren. Sie sind j noch immer nötig zum Reparieren von Regensegeln und vor allem von Kojenzeug. Aber ein zerrissenes Marssegel gibt es nicht mehr, von dessen schneller Reparatur unter Umständen die Schlagfertigkeit des Schiffes abhing, häufig nur solche subalterne Arbeit wie das Flicken von Schlagputzen, d. h. Eimern aus Segeltuch. Wenn auch viele Handwerker an Bord vertreten sind, so doch so doch offiziell nicht der Barbier und Haarkünstler. Der Seemann, abgeschlossen von den Hilfsmitteln des Landes und auf sich selber angewiesen, lernt vieles, oft auch rasieren. Haare schneiden muß schließlich jeder können, wenigstens kürzen im Tropenstil. Der Haarschneider auf dem Bilde sieht allerdings ganz so aus, als wenn er seinerzeit aus der Fristenstube entflohen sei, nun aber aus Kameradschaft seine alten Künste wieder hervorgeholt und verwendet. Die Mannschaftsräume werden nur nachts mit Hängematten behängt und während der Mahlzeiten mit Tischen und Bänken besetzt. Sonst liegen die Hängematten in bestimmten Gelassen, die Tische und Bänke sind an der Decke aufgehängt. Das Signal zum Essen ist das beliebteste von allen, und dafür, daß es den Leuten schmeckt, ist gesorgt. Der machthabende Offizier oder ein höherer Vorgesetzte, falls ein solcher gerade an Deck ist, hat das Essen auf seine Schmackhaftigkeit zu prüfen. Das ist ihm keine unangenehme Verpflichtung. Er bedauert oft, daß er, der auch schon einen hungrigen Magen hat, aus Standesrücksichten nicht den ganzen Teller ausessen kann. Der Kaiser, dem als höchstem Vorgesetzten an Deck stets der Probeteller zuerst präsentiert wird, hat ihn schon manchesmal geleert. Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2002. |
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