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China - Boxeraufstand

Deutsches Militär in China

 

Die Kolonialkriege der letzten Jahre zeigen eine ganz eigenartige Physiognomie. Der immer weiter sich ausbreitende Handel der europäischen Staaten hat besonders den Export moderner Feuerwaffen in hohem Grad entwickelt, und die Erfindungen europäischer Kultur sind jetzt eifrig am Werk, die Unterschiede, die den hochstehenden Kulturmenschen von dem in andern Verhältnissen lebenden Bürger weniger entwickelter Länder trennt, wenigstens im Krieg verschwinden zu lassen.

Das deutsche 7mm- Mausergewehr spielte in Südafrika eine entscheidende Rolle und ermöglichte es dem Volksheer der Buren, die überlegene Armee des britischen Weltreichs in verschiedenen Schlachten zu schlagen. Ein ebenso lehrreiches Beispiel bieten die jüngsten kriegerischen Vorgänge in China, dem gewaltigen Reich der Mitte, auf das jetzt die Augen aller Welt gerichtet sind.

Der Kampf um die Takuforts hat der erstaunten Welt auf das schlagendste gezeigt, daß ein modernes Riesengeschütz auch unter der Hand der Zopfträger Tod und Verderben streuen kann. Es geht dem Europäer wie dem Zauberlehrling: die Geister, die er rief, wird er nicht wieder los. Waren es doch zum großen Teil fremde Instrukteure, die dem Chinesen die Handhabung der modernen Geschütze beibrachten.

Gruppe
 
Übung

 

So wenig man die grausame Ironie des Ereignisses verkennen darf, daß beim Kampf um die Takuforts eigentlich Schüler gegen Meister gekämpft haben, so hat auch diese Waffentat auf das klarste wieder bewiesen, daß in letzter Linie eben der moralische Mut und die entwickelte Intelligenz auch bei gleicher technischer Entwicklung den Ausschlag geben.

Deutschland ist in der eigentümlichen Lage, mit den Erfolgen hüben und drüben zufrieden zu sein. Das Kanonenboot "Iltis" unter seinem tapferen Kommandanten, Korvettenkapitän Lans, war die Seele des ganzen Unternehmens, und mittlerweile haben auch die deutschen Seesoldaten in den Kampf eingegriffen.

Die deutsche Kolonie Tsingtau ist zugleich die harte Schule des deutschen Soldaten für den Kolonialdienst. Die vielseitige Ausbildung, die der Truppendienst unter so eigenen Verhältnissen fordert, ist unendlich viel schwieriger als der heimische Garnisondienst. Sogar eine Feldbatterie hat die dortige Militärverwaltung ins leben gerufen, und schneidig nimmt sich der Matrose als Maultierreiter aus. Deutschland kann stolz sein auf seine Wacht im fernen Osten.

Batterie
Postamt
Artillerie

M.W.

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2001.

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