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China - Boxeraufstand

Die Heimkehr der ersten deutschen Chinakrieger.

Ein Menschenalter ist vorübergegangen, seit zum letztenmal der männermordende Krieg Söhne Deutschlands in Feindesland gefesselt hielt, ein Menschenalter, seit unsere tapferen Krieger bei grimmer Kälte das Weihnachtsfest im Felde feiern mußten. In der Erinnerung hat auch das seine Reize, und wenn die Kämpfer von 1870 heute erzählen, wie sie bei einer nicht ohne Schwierigkeit erlangten Glas Bowle oder Grog den heiligen Abend auf französischer Erde verlebt haben, dann schließen sie wohl ihre Schilderung mit den Worten: es war doch schön. Damals aber war doch manch eins dieser wackeren Herzen von stiller Sehnsucht nach der Heimat mit allen Lieben, die sie trägt erfüllt.

Unsere Brüder in China stehen hinter den Teilnehmern am deutschfranzösischen Krieg an soldatischer Tüchtigkeit in keiner Beziehung zurück, und wenn es das Schicksal fügen sollte, daß sie gerade während der Festtage im Feuer stehen müssen, werden sie doch alle freudig und mutig ihre Pflicht erfüllen. Allein, wenn sie Ruhe haben, dann werden ihre Gedanken weit übers Meer nach Hause schweifen, wo unter dem Jubel der Kleinen, an deren Freude sich wieder die Großen erfreuen, der grünen Tannenbaum in mildem Glanz der Kerzen erstrahlt, und jeder, sei er alt oder jung, neugierig nachschaut, was ihm wohl der Weihnachtsmann gebracht habe.

Am heiligen Abend, der so recht ein deutsches Fest ist, werden viele sehnsüchtige Wünsche jenen folgen, denen es vergönnt ist, nachdem sie ihre Pflicht im Dienst des Vaterlandes getreulich erfüllt haben, die Feiertage im Schoß ihrer Familie zu verbringen.

Ungefähr tausend Chinakrieger hat der Lloyddampfer "Köln" heimgebracht, die am 11. Dezember in Wilhelmshaven gelandet wurden. Es waren viele darunter, die vor Taku und in Tientsin im Feuer gestanden haben, Leute von der oft gerühmten Besatzung des "Iltis" und solche aus der ruhmgekrönten Schutzwache, der die Bewohner der deutschen Gesandtschaft in Peking, abgesehen von dem unglücklichen Freihernn von Ketteler, ihr Leben verdanken.

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Freilich fiel, als sie das Schiff verließen, in die Begrüßungsfreude auch manch Wermutstropfen , befanden sich doch unter ihnen Invalide und Kranke, einige in so üblem Zustande, daß sie sofort ins Lazarett gebracht werden mußten. Allein, wenn sie gleich nicht die Ansprache mitanhören konnten, die Vizeadmiral Thomsen den Heimkehrenden widmete, und wenn sie dem Einzug in die Reichshauptstadt am letzten Sonntag fernbleiben mußten, so ist ihnen doch ein Trost zu teil geworden.

Der Kaiser, der oberste Kriegsherr, dem sie so gern ins Auge geblickt hätten, hat in einem Telegramm an den Vizeadmiral Thomsen auch "der wegen Verwundung oder Krankheit im Lazarett Zurückgebliebenen" gedacht. Den andern aber hat der Kaiser im Lichthof des Zeughauses persönlich für das, was sie geleistet haben, im Namen des gesamten Vaterlandes und im Namen des ganzen deutschen Volkes seinen Dank ausgesprochen. Sie können stolz sein, wenn sie sich erinnern, wie sie, umjubelt von einer vieltausendköpfigen Menge, vom Lehrter Bahnhof durch den Tiergarten in die innere Stadt marschierten und am Brandenburger Tor zunächst von den Vertretern der Stadt Berlin feierlich empfangen wurden, um schließlich noch vom Kaiserpaar begrüßt zu werden. Sie können frohe Weihnachten feiern.

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2002.

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