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China - Boxeraufstand

Die Lage in China II

Bilder vom Tage

Die Lage in China bietet trotz mancher Veränderung in einzelnen Punkten im ganzen immer noch das Bild der Verworrenheit. Der Einigungüber die Grundlagen, auf denen möglicherweise der Frieden zu Stande kommen könnte, sind die Mächte untereinander wohl nähergekommen, die Einigkeit im Vorgehen gegen den Feind bis zum Abschluß des Friedens ist völlig in die Brüche gegangen.

Amerikaner, Russen und auch Japaner haben ihre Truppen tatsächlich aus Peking zum großen Teil zurückgezogen, und der gleichzeitig an Wahl- und Philippinenschmerzen leidende Uncle Sam hat nach der Einnahme von Shan-Hai-Kwan erklärt, daß er überhaupt militärisch nicht mehr mitmachen wolle.

Die Truppenmacht, über die der deutsche Feldmarschall Graf Waldersee den Oberbefehl zu führen hat, wird also wahrscheinlich - denn daß abermals eine Änderung der Verhältnisse eintritt, ist keineswegs ausgeschlossen - geringer sein, als man zur Zeit seiner Abreise nach dem Kriegsschauplatz annehmen mußte. Aber seine Mission ist darum nicht überflüssig geworden, selbst bei den gegenwärtigen Zustand der Dinge gibt es für den Strategen genug zu denken und zu tun, und ob nicht der Taktiker auch noch Gelegenheit bekommen wird, in offener Schlacht sich zu betätigen, muß man abwarten.

Schon tauchen neue Zweifel auf, ob das scheinbare Entgegenkommen der chinesischen Machthaber trotz des kaiserlichen Schreibens an Kaiser Wilhelm wirklich ernst gemeint sei, und auf Angriffe von seiten der Boxer muß man stets gefaßt sein. Graf Waldersee ist nun auf dem Kriegsschauplatz eingetroffen, und die neuesten militärischen Bewegungen sind wohl bereits auf seine Rechnung zu schreiben. Das letzte Bild von seiner Fahrt haben wir aus Colombo erhalten, es stellt den Marschall mit seiner dortigen Umgebung dar, zu der außer seinen Stabsoffizieren auch der deutsche Konsul Freudenberg zu rechnen ist.

Er erschien an dem Tage, da die "Sachsen" im Hafen von Colombo einlief, bereits um sechs Uhr früh an Bord und übernahm die Führung bei der Rundfahrt, die Graf Waldersee mit seinem Gefolge später zur Besichtigung der Stadt unternahm, in der er auch einige Einkäufe machte.

Ferner bringen wir noch zahlreiche Momentaufnahmen von Tientsin nach der Erstürmung durch die Verbündeten, von den Russen auf dem chinesischen Kriegsschauplatz und aus dem Lager der Engländer bei Shanghai. Die Landung der englischindischen Truppen in Shanghai bildete bekanntlich seiner Zeit einen Stein des Anstoßes für verschiedene unter den verbündeten Mächten. Die Ankömmlinge machten, als sie sozusagen im Reisenegligé ihr Lager einrichteten, einen nichts weniger als imposanten Eindruck, die Chinesen hätten sich wegen der unter ihnen herrschenden Unordnung und Unsauberkeit beinahe für Landsleute halten könne, später aber nahmen sie sich in der vollen Khakiuniform erheblich besser aus, und eine Parade dieser aus Beludschis und Gurkas zusammengesetzten Truppen bot ein höchst interessantes Schauspiel, bei dem übrigens die im Durchschnitt kleineren Nepaler Gurkas beinahe kriegerischer erschienen als die größeren Beludschistaner.

 

Quelle: Die Woche 1900, von rado jadu 2001

 

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