zurück

China - Boxeraufstand

Die Lehre des Confucius.
von Prof. Dr. Max Müller (Oxford)

Ein Volk nach seiner Religion, wie sie in seinen Heiligen Schriften vorliegt, beurteilen zu wollen, ist eine sehr gewagte Sache. Was Christen sein sollten, was das Neue Testament als das Ideal eines christlichen Lebens hinstellt, ist oft sehr verschieden von dem, was wir in sogennanten christlichen Ländern tagtäglich sehen.

Was die Vedasund die Gesetze Manus als das Vorbild eines wahrhaft brahmanischen Lebens hinstellen, ist nie mehr als ein Ideal gewesen, ebenso wie man wohl mit Recht bezweifeln darf, ob es je Christen gegeben, die alle ihre Habe gemeinsam hatten, und die, wenn man ihnen einen Streich gibt auf den rechten Backen, sogleich den andern darbieten. Die Chinesen hatten und haben noch immer ihre drei Staatsreligionen.

Jede enthält in ihrer Art ausgezeichnete Lehren, deren Erfüllung ein jedes Volk gesittet und religiös gesinnt machen könnte. Jede von ihnen hat auch gewiß in China und in benachbarten Ländern viel gutes gestiftet und viel schlechtes verhindert. Aber ist China, wie es jetzt ist, ein Land, wie es Confucius geträumt hatte?

Die Religion des Confucius ist nämlich, trotzdem daß der Kaiser Oberhaupt von allen drei Religionen ist und wenigstens einmal im Jahr dem Gottesdienst der Taosse, der Nachfolger von Laotze, und den Bhuddisten, der Verehrer des Bhudda, oder wie er auf chinesisch heißt, des Fo, beiwohnen muß, doch noch immer die wahrhaft volkstümliche Religion in China, obgleich sie kaum das ist, wa wir unter Religion verstehen. Noch macht Confucius irgendwelche Ansprüche, als Gründer dieser Religion zu gelten. Im Gegenteil, er wehrt sich entschieden dagegen, als Stifter der nach ihm benannten Religion betrachtet zu werden. Er nennt sich selbst nur einen Überlieferer, der die Alten kannte und liebte. Wo er von sich selbst spricht, sagt er: "Als ich fünfzehn Jahr alt war, richtete ich meinen Geist auf Lernen; als ich dreißig war, stand ich fest; als ich vierzig war, hatte ich keine Zweifel mehr; bei fünfzig Jahren kannte ich die Beschlüsse des Himmels; bei sechzig war mein Ohr ein williges Organ für die Empfängnis der Wahrheit, bei siebzig konnte ich tun, was mein Herz begehrte, ohne je das Rechte zu verfehlen."

Confucius war im Jahr 551 vor Christi Geburt geboren und starb 478 im Alter von 73 Jahren. Bei seinem Tode klagte er, daß seine Prinzipien von keinem Prinzen des Reichs angenommen seien. Man sieht aus seinem Leben, daß er nie ein Agitator oder Streber gewesen, und daß er immer auf den Sieg der Wahrheit und derVernunft durch sich selbst, ohne alle äußere Beihilfe hoffte. Er muß aber schon während seines Lebens viele Anhänger gehabt haben, und nach seinem Tode entwickelte sich sein Ansehen, ja seine Verehrung, in merkwürdig schneller Weise. Sein Enkel spricht von ihm als dem Ideal eines Weisen, und der weise oder der höhere Mann ist bei ihm das Ideal der Menschheit überhaupt.

Aber selbst sein Enkel ist weit entfernt, seinem Ahnen göttliche Ehre zu erweisen, wenn er auch seine Weisheit und Tugend als die Grenzen der menschlichen Natur weit überragend darstellt. "Man kann ihn vergleichen," sagt er, "mit Himmel und Erde, insoweit sie alle Dinge stützen und umfassen, beschatten und beschirmen. Man kann ihn mit vier Jahreszeiten vergleichen, wie sie abwechselnd vorwärts schreiten; it Sonne und Mond, wie sie aufeinander folgen und Licht verbreiten... Schnell im Auffassen, klar im Unterscheiden, durchdringend im Geist und allumfassend im Wissen, war er es, der befähigt war, überall Nachsicht zu üben. Eifrig, energisch, fest und aushaltend, konnte er stets festen Halt behaupten; sicher in sich, ernst, nie von der Mitte weichend und stets korrekt, verstand er es, sich Verehrung zu verschaffen; tüchtig, klar, nie zerstreut und immer forschend, war es ihm möglich, richtig zu urteilen. Weit und allumfassend war er wie der Himmel; tief und lebendig war er wie einen Quelle; wie ein Abgrund unergründlich*)... (Viele dieser Adjektive konnten nur annährend wiedergegeben werden, manche hatten nichts Entsprechendes im Deutschen). Deshalb breitete sich sein Ruhm über das Königreich der Mitte aus und drang selbst zu barbarischen Stämmen. Soweit als Schiffe und Wagen führen, soweit die Kraft des Menschen vorwärtsdringt, soweit der Himmel gebreitet ist und die Erde trägt, wo immer Sonne und Mond scheinen, Frost und Tau herabsinken, überall wird er aufrichtig geliebt von allen, die Blut und Odem haben. Deshalb sagt man: "Er ist gleich dem Himmel."

Bedenkt man, daß alles dies und noch mehr von einem Mann gesgt ward, der erst vor kurzem als ein einfacher Beamter in einer Provinzzialstadt Chinas gestorben war, bedenkt man außerdem, daß im Chinesischen gleich dem Himmel weit mehr bedeutet als bei uns, da Tien (Himmel) so oft als gleichbedeutend mit Gott gebraucht wird, so sieht man, wie schnell sich das Vertrauen des Confucius auf der Wahrheit und Lebenskraft seiner Lehre bewährte. Seine Lehre war enthalten in den fünf Kings und den vier Shoos. Die Transkription des Chinesischen wechselt so sehr, teils wegen der unbestimmten Aussprache des Chinesischen selbst, teils wegen der verschiedenen Aussprachen derselben Buchstaben im Englischen, Deutschen und Französischen, daß wir dasselbe chinesische Wort oft ganz verschieden von deutschen, französischen und englischen Gelehrten finden.

Ich folge meist der Umschreibung von Legge in seinen Chinese Classics und in seinen Übersetzungen, wie sie in meinem Sacred Books of the East enthalten sind. Meist werden diese neue Bücher zusammen als die Heiligen Bücher Chinas, oder als die Werke des Confucius behandelt. Heilig sind sie aber durchaus nicht, wenigstens nicht in dem Sinn, daß sie von der Gottheit geoffenbart, oder von inspirierten Männern niedergeschrieben sein sollten. Legge nennt sie daher einfach Chinese Classics, und Confucius selbst betont immer von neuem, daß sie aus dem Altertum überkommen und von ihm nur zusammengestellt sind. Dies haben wir auch durchaus kein Recht zu bezweifeln, und es eröffnet sich so für uns ein Einblick in die ferne Vergangenheit Chinas und die schon weit fortgeschrittene Lebensweisheit, wie sie sich deutlich in diesen alten Schriften zeigt. Man mag sagen, was man will, man mag der Lehre des Confucius jedes Recht auf den Namen von Religion absprechen.

Tatsache bleibt es stets, daß diese alten Überlieferungen uns das Bild eines reich entwickelten Systems der Moralität und eines wohlgeregelten Staatslebens entgegenhalten. Confucius lebte allerdings erst im sechsten Jahrhundert v. Ch. G., aber er selbst hatte offenbar keinen Zweifel an das hohe Alter seiner Gewährsmänner. Bei uns ist es so lange Mode gewesen, alle Daten, die über das erste Jahrtausend v. Chr. G. hinausgehen, anzuzweifeln, oder einfach abzuweisen, daß die chinesischen Daten wie 2707 v. Ch. für den Kaiser Hwang-Ti einfach belächelt wurden.

Ebenso ging es mit der indischen, noch mehr mit der bhuddistischen Chronologie. Jetzt aber, wo zuerst die ägyptische, dann die babylonische Chronologie uns an solche in das Graue hinausgehende Daten gewöhnt hat, fangen wir an, auch die chinesische und indischen Daten mit größerem Ernst zu betrachten und zu fragen, ob die Welt denn wirklich so jung ist, wie wir es so lange geglaubt. Die Sprachwissenschaft hat uns schon mit Tausenden und Hunderttausenden von Jahren versöhnt, die Geologie führt uns noch weiter zurück, und wenn die Geschichtsforschung sich auch in engeren Schranken halten muß, so sind diese Schranken doch weit über ihre frühere Lage hinausgerückt.

Die Ägypter haben ihre Dynastien und ebenso die Babylonier, und diese werden mehr oder weniger durch die Monumente beglaubigt. Die Chinesen haben leider keinen alten Monumente, aber sie haben ihre Dynastien. Jede Dynastie hatte die Pflicht, die Geschichte der vorausgehenden Dynastie von Staats wegen aufschreiben zu lassen. Diese Geschichten existieren in 3264 Büchern und liegen jetzt gedruckt vor. Sie gehen bis auf das Jahr 2707 v. Ch.G. zurück, d.h. bis zum Kaiser Hwang.Ti. Legge hat seine Gründe angegeben, weshalb er den Kaiser Hwang.Ti und sein Datum für historisch hält, die Chinesen selbst aber gehen noch weit über dieses Datum hinaus. Hier wollen chinesische Gelehrte wenigstens die Möglichkeiten offenhalten, daß auch diese, sonst prähistorisch genannte Zeiten durch spätere Forschung einen historischen Charakter annhemen können, obgleich natürlich in China wie in Ägypten und Babylon diese fernen Daten ganz steril bleiben, wenn wir nur Zahlen und keine parallel laufenden Ereignisse kennen.

Ein alter Gedanke ist besser als eine alte Zahl, ja selbst als eine Schlacht oder der Bau eines Palastes. Nur eins besitzen wir, was älter als alle Paläste, alle Inschriften und alle Daten ist, und das ist die Sprache. Aus der Sprache von China hat nun Professor Legge Resultate gezogen, die von größter Bedeutung auch für chinesische Religion und Mythologie sind. Früher hat man gemeint, daß die chinesische Religion nicht, wie die arischen Religionen, von einer Verehrung der Natur ausgegangen sei, daher auch keine wahre Mythologie besitze, sondern nur aus dem Verstand entsprungen sei und nichts als gute Lehren enthalte.

Im Gegensatz hierzu hat nun Professor Legge, mein alter Kollege in Oxford, nachgewiesen, daß wir den Unterbau der chinesischen Religion in der gesprochenen und geschriebenen Sprache des Landes finden müssen. Es ist ganz wahr, daß Confucius nur wenig von Gott zu sagen hat und sich von allen überirdischen Dingen sorgsam entfernt hält. Trotzdem lassen sich Spuren einer Naturverehrung auch im Chinesischen entdecken. Es ist bekannt z.B., daß in Sanskrit Dyam-sen Himmel bedeutet, als Masculinum aber nicht nur der aktive Himmel ist, sondern der älteste der vedischen und arischen Götter, derselbe als Zeus im griechischen, Jovis und Jupiter im Lateinischen, und daß in Ausdrücken wie sub Jove frigido deutliche Spuren der ursprünglichen Bedeutung von Jovis übrig geblieben sind.

Im Chinesischen ist nun Tien das Wort für Himmel und Tag, aber auch für die Gottheit. Und wenn wir die alte Schrift zu Hilfe nehmen, so sehen wir, wie das Zeichen für Tien X aus - (yï, ein) und X (ta,groß) zusammengesetzt ist, so daß es ursprünglich den großen Einen, sei es Himmel oder Gott, darstellte. Die chinesische Schrift, sei sie nun unter Hwang-Ti, 2697 vor Christi Geburt, oder unter Fü-hsi , 3697 vor Christi Geburt, erfunden, beansprucht ein so hohes Alter, daß wir kaum glauben können, daß das Zeichen für Tien ursprünglich den großen Einen als die Gottheit bezeichnen sollte. Dieses ist zu philosophisch gedacht. Alle wird klar, wenn wir annehmen, daß es zuerst für Himmel galt, und daß erst später Himmel für Gott gebraucht wurde. Bei Confucius ist das Zeichen für Tien, Himmel, einfach das Zeichen für Gott und wird abwechselnd mit Ti, Herr, und Shang Ti, höchster Herr, gebraucht. Der Abstand zwischen Tien, Himmel, und Tien, Gott, mag so groß sein wie der zwischen Dyans, Himmel, Dyaus, Gott, jedenfalls ist es klar, daß lange vor Confucius die Vorstellung von Gott von etwas sinnlich Wahrnehmbaren, hier also vom sichtbaren Himmel, angeregt war.

Möglich, daß die ursprüngliche Bedeutung von Tien, dem Himmel, als dem großen Einen und der Gebrauch von Tien, Tî (Herr) und Shang-Tî (höchster Herr) die Chinesen von einem Glauben an viele Götter bewahrte. Viele Tiens oder Tîs gab es für sie nicht, und selbst wo große Gefahr bestand, Himmel und Erde und mancherlei Geister von Bergen und Flüssen göttlich zu verehren , blieb die Grenze zwischen diesen und Tien, dem einen Gott, immer scharf gezogen. Wir sehen z.B., daß Himmel und Erde oft zusammen angerufen werden, aber selbst in diesem Fall gelten beide nur als ein Name, als der Name für Tî, den höchsten Herr; den Veda sehen wir im Gegenteil wie Dyâvâ-prithivyan einen dualen und nicht einen singularen Begriff bilden. Auch an andern Geistern oder wie man sie sonst noch nennen will, fehlt es in China nicht — aber ihr Name ist eben ein anderer. Die Geister in der Luft und am Himmel heißen Shan, die, deren Macht sich meist auf Erden zeigt, heißen Shî, die wir sehr frei oder fälschlich durch Geister übersetzen, sind einfach Sonne, Mond, Sterne, die Wolken, Regen, Wind, Donner, die fünf großen Berge, die fünf beschützenden Hügel, die vier Meere, die vier großen Flüsse, die Jahren, Monate und Tage, und alle diese als subjektiv, nicht einfach als objektiv gedacht, als Agenten, nicht als bloße Dinge vorgestellt. Eine andere Klasse, die Kwei , könnte man schon eher durch Geister übersetzen. Sie sind die Manes, die Geister der Ahnen und aller Verstorbenen, d.h. wiederum die Menschen als subjektiv betrachtet, mit Abzug von allem, was bloß objektiv an ihnen ist, dem Körper mit allen seinen Sinnen und Gefühlen. Diese Geister wurden sehr bald mit den geforderten Agenten der Naturerscheinungen vermischt, sie wurden auch Schutzgeister, blieben aber stets von Tien, dem Einen und Höchsten, streng geschieden.

Hier sehen wir also, wie Professor Legge geteigt hat, das erste Stadium des Gottesbewußtseins, wie es sich in China ebenso wie in Indien an den Erscheinungen der Natur emporgerankt hat, ohne durch die Vielheit die Einheit der Gottesnatur, die der eine und höchste Himmel hervorgerufen hatte, überwuchern zu lassen.

Diese ganze Schöpfung von sogenannten Geistern und von dem höchsten Geist liegt nun offenbar jenseits des Confucius, aber er lebt in dieser Schöpfung und vergißt sie nie. Was er im Namen der alten Weisen predigt, ist teilweise das naturae convenienter vivere, d.h. dem Willen des Höchsten, wie er sich in der Natur ausspricht, zu folgen und in allen Dingen ein gemessenes und richtiges Verfahren zu beobachten. Auch die goldene Regel des Christentums, "alles nur, das ihr wolletm daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen", findet sich mehrmals in den Schriften des Confucius. Als man ihn fragte, ob es denn kein Wort gebe, das als Lebensregel alle andern Regeln umfasse, sagte Confucius: "Ist nicht Reziprozität ein solches Wort? Was ihr nicht wünscht, daß man gegen euch tue, tut das nicht gegen andere."

Das ist der jetzt sogenannte Altruismus, und es ist bekannt, in wie vielen Religionen eine ähnliche Vorschrift zu finden ist. Wenn Dr. Legge meint, daß die chinesische Vorschrift nur negativ sei, die christliche aber positiv, so bemerkt man hier die Kasuistik des Missionars, von der Dr. Legge sonst sehr frei ist. Wenn es durchaus einen Unterschied zwischen Confucius und Christus in solchen Dingen geben muß, so könnte man ihn weit eher darin finden, daß Christus seine Autorität angibt, "das ist das Gesetz und die Propheten", während Confucius die Vernunft selbst als Beweis für die Richtigkeit seines Lehrsatzes betrachtete und sich einfach auf die alten Weisen berufen haben würde.

Sobald Confucius seine ethischen und politischen Grundsätze weiter entwickelt, so beginnt er mit dem Individium und verlangt, das jeder Einzelne sich zunächst selbst zu vervollkommnen suche und dann erst die Familie, die Stadt und den Staat, zu dem er gehört. Kindliche Pietät ist nach ihm die Basis der Familie wie des staats. Man hat oft gemeint, daß die Verehrung der Eltern ihren Ursprung in der Verehrung der Vorfahren gehabt habe. Ich glaube, es ist eher umgekehrt, und Confucius sagt selbst: "Die Leibesdienste und die Verehrung, die man den Eltern beweist, während sie noch am Leben sind, und die aus Gram und Kummer entstehenden Opfer, die man ihnen nach ihrem Tod darbringt, diese bilden die Grundlage für alle Pflichten der Menschen." Diese kindische Pietät hieß Hsiao, und es gab sogar ein Buch, das Hsiao-King, das sich ganz mit dieser Tugend aller Tugenden beschäftigte. Das alte Schriftzeichen für Hsiao bestand aus einem alten Mann, der von seinem Sohn gestützt wird.

Ein paar Auszüge aus dem Hsiao-King werden die Ideen des Confucius vom Staat und dessen Grundprinzip in ihr richtiges Licht stellen.

Confucius war eines Tags unbeschäftigt, und ein Schüler saß bei ihm. Da sagte der Meister: "Die alten Könige besaßen vollendete Tugend und eine allumfassende Regel für ihr Betragen , wodurch sie mit allem, was unter dem Himmel besteht, in Einklang waren. Ducrh Beobachtung dieser Regel wurden die Menschen vermocht, in Frieden und Harmonie zu leben, und es gab keine Feindschaft zwischen Höheren und Niederen. Weißt du, was diese Regel war?"

Der Schüler erhob sich von seiner Matte und sagte:"Wie sollte ich dies wissen, ich, der ich so ohne alle Einsicht bin?

Der Meister sagte:"Es war kindliche Pietät. Kindliche Pietät ist die Wurzel aller Tugend und der Stamm, aus dem alle moralischen Lehren hervorwachsen. Setze dich, und ich will es die erklären. Unsere Körper, mit jedem Haar und jedem Stück Haut, empfingen wir von unsern Eltern, und wir mpüssen nie daran denken, sie zu verwunden oder zu verletzen. Das ist der Anfang der kindklichen Pietät. Sie fängt mit dem Dienst an, den wir den Eltern erweisen, geht dann weiter in den Dienst, den wir dem Herrscher erweisen, und ist vollendet, wenn unser Charakter fest ausgebildet ist!"
"Wer seine Eltern liebt, wird nie wagen, etwas zu tun, weshalb er von irgendjemand gehaßt werde, und wer seine Eltern liebt, wird nie wagen, etwas zu tun, weshalb andere ihn verachten. Wenn die Liebe und Verehrung des Sohnes des Himmels, des Kaisers, so weit im Dienst der Eltern vorgeschritten sind, dann werden die Lehren seiner Tugend alles Volk erfüllen, und er wird ein Vorbild werden für alle, die zwischen den vier Meeren wohnen. Die ist die kindliche Pietät des Sohnes des Himmels.
"Dann folgt die kindliche Pietät der Prinzen des Staates, dann die der Minister und hohen Beamten, dann die der niederen Beamten, endlich die des ganzen Volks."

Dann fährt Confucius fort:"Ja, kindliche Pietät ist die ewige Weise des Himmels, die Gerechtigkeit der Erde und die Pflicht des Menschen. Himmel und Erde folgen stets diesem Lauf, und die Menschen nehmen ihn als Vorbild. Die alten Könige ahmten den hellen Lichtern des Himmels nach und handelten je nach den Vorteilen, die die Erde bot, so daß die in Übereinstimmung blieben mit allem, was unter der Sonne ist. Als Folge davon war, was sie lehrten, erfolgreich, ohne hart zu sein, und ihre Regierung, ohne streng zu sein, versicherte vollkommene Ordnung. Bei einem solchen Stand der Dinge ruheten die Eltern, während sie lebten, im Ruhm ihrer Söhne, und wenn man später ihnen opferte, so erfreuten sich ihre entkörperten Geister an den Spenden, die sie erhielten. Unter dem weiten Himmel herrschten Friede und Harmonie; Mißgeschick und Unheil traten nicht ein, noch zeigten sich Unglück und Aufstände.

"Die kindliche Pietät, mit der ein edler Mann seinen Eltern dient, kann zur Loyalität für den Herrscher werden; die brüderliche Pflichttreue, mit der er seinem älteren Bruder dient, kann zur ehrfurchtsvollen Ergebenheit für seine Vorgesetzten werden; das gute Regiment in seiner eigenen Familie kann zum guten Regiment in jeder amtlichen Stellung werden."

Man sieht hier, daß die Chinesen einen hohen Grad politischer Bildung erreicht hatten, als andere Nationen Asiens und Europas noch Barbaren waren oder jedenfalls auf einer sehr niederen Stufe der Zivilisation standen. Man beurteile aber die Chinesen von heute nicht falsch. Seit der Eroberung durch die Mongolen, namentlich der Mandschus, sind die wahren Chinesen, die Söhne des Landes (Mian-tzo) sehr zurückgekommen und verwildert. Der Mittelstand aber und die Bauern auf dem Lande sind noch immer von gutem Schlag. Kanaille gibt es überall, aber die Kanaille ist nicht das Volk, auch nicht in China.

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2001.

Das Leben des Konfuzius

Bambushain

Confucius Museum

Die Gespräche des Konfuzius (Lunyu)

Konfuzius im Internet

Mail



© Copyright 2001 - 2002 by JADU


Webmaster