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China - Boxeraufstand

Unsere Truppen auf dem Wege nach China.

Die beiden Seebataillone, die am 2. Juli von Wilhelmshaven aus an Bord des "Wittekind" und der "Frankfurt" die Reise nach dem Kriegsschauplatz angetreten haben, sind nun bereits in Tientsin eingetroffen. Brieflich Mitteilungen "von unterwegs" über die Fahrt sind bereits in der Heimat angelangt und erzählen von der guten Stimmung, die unter Offiziere und Mannschaften herrschte, mochte sie nun das ruhige Wasser des Suezkanals durchqueren, oder auf dem stürmischen Indischen Ozean zwischen Aden und Colombo ordentlich durcheinander gerüttelt werden.

Der Appetit war gut, und mit Freuden wurde es begrüßt, wenn die reichlichen Vorräte an Bord noch durch einen guten Bissen vermehrt wurden; nach einem "kommenden Rinderbraten" schauten die Kämpfer für Deutschlands Ehre in der Ferne ebenso gespannt aus, wie so oft die eingefleischten Politiker zu Hause nach dem "kommenden Mann". Angenehm war's ja freilich nicht immer, selbst eine Siesta ist nicht gerade sehr erquickend, wenn das Thermometer 32° Reamur zeigt.

Noch ungemütlicher aber wird's, wenn nicht die Hitze, sondern die Seekrankheit sich auf den Schiffen breit macht. Allein vorübergehende Erschöpfung oder Unpäßlichkeit konnten dem guten Mut unserer Chinafahrer nichts anhaben. Alle taten ihre Pflicht und fanden nicht nur die Zeit, die Obliegenheiten ihres Berufs zu erfüllen, sondern auch die Muße, schriftliche und andere Lebenszeichen herzustellen und nach Hause zu senden.

Die Momentaufnahmen des Leutnants von Meerscheidt-Hüllessem und des Schiffsarztes Dr. Karl Dischler von Lloyddampfer "Prinz Heinrich", die uns die wohlgelungenen Erzeugnisse ihrer Kunstfertigkeit in liebenswürdiger Weise überlassen haben, veranschaulichen das Leben an Bord. Übrigens erlebten die Chinafahrer neben den mannigfachen Beschwerden der Reise auch manchen erhebenden Moment, als deren bedeutsamsten sie wohl die Begegnung mit dem französischen Transportdampfer "Aquitaine" und die unerwartet herzliche Begrüßung durch dessen Besatzung in Erinnerung behalten werden.

Ein Augenzeuge schreibt uns über der Vorgang: "Es war in Port Said. Während die Post von dem "Prinzen Heinrich von Preußen" auf die "Wittekind" gebracht wurde, fuhr langsam das französische Truppentransportschiff heran und ging unweit der beiden deutschen Schiffe vor Anker. Unvergeßlich werden uns die nun folgenden Augenblicke sein. Laute Hurras, Händeklatschen und die Klänge der Marseillaise drangen vom Franzosen zu uns herüber, die ebenso herzlich von den unseren erwidert wurden.

Die Decke beider Truppenschiffe waren dicht besetzt mit weißen Gestalten. Die Söhne der Gegner von 1870/71, ja auch noch einige Kämpfer von damals selbst standen sich gegenüber, aber nicht Haß, sondern von Herzen kommende natürliche Freude gab sich kund, im fernen Osten Schulter an Schulter gegen den gemeinsamen Feind kämpfen zu können. Nach Übernahme der Post fuhr "Wittekind" weiter, um den in Suez auf ihn wartenden Dampfer "Frankfurt" zu treffen. "Prinz Heinrich von Preußen" verließ Port Said nachmittags, gefolgt von der "Aquitaine". In Suez trafen wir uns wieder, und wieder erfolgte die gleiche freudige Begrüßung; die Franzosen wurden nicht müde in ihren Kundgebung, während ein großer englischer Kreuzer schweigend die Flagge hißte."

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2001.

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