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China - Boxeraufstand

Der Oberbefehlshaber für China.

Der Oberbefehlshaber für China ist ernannt, alle Mächte haben mehr oder weniger schnell und freudig ihre Zustimmung zu der Entsendung des Generalfeldmarschalls Grafen Waldersee auf den verantwortungsvollen Posten erteilt. Deutschland hat sich in der Frage klug zurückgehalten, es hat von vornherein erklärt, es werde jeden von den übrigen Mächten vorgeschlagenen Führer annehmen, aber jene fanden keine geeignete Persönlichkeit, und so viel dem Deutschen Reich schließlich die Aufgabe, den Oberbefehlshaber zu stellen, als reife Frucht seiner besonnenen Haltung in den Schoß.

Dazu kommt noch, daß tatsächlich unter den zeitgenössischen Heerführern, deren es zweifellos in den verschiedenen Heeren eine ganze Anzahl durch Tüchtigkeit und Erfolge ausgezeichnete gibt, keiner sich einer so allgemeinen Autorität wie gerade Graf Waldersee erfreut. Sein Name wurde sofort genannt, als die Notwendigkeit zu Tage trat, eine größere internationale Truppenmacht unter einen einheitlichen Oberbefehl zu stellen, allein wäre Deutschland gleich sozusagen mit seiner Kandidatur hervorgetreten, so hätte leicht die Eifersucht anderer Staaten an der Wahl dieser an sich geeignetsten Persönlichkeit Anstoß nehmen können.

Nun geht er hinaus, ohne mit dem Mißtrauen irgend einer Stelle rechnen zu müssen. Und der Achtundsechzigjährige geht gern hinaus; ohne Zögern, nein mehr, innerlich jubelnd erteilte er dem Kaiser auf die Frage, ob er bereit sei, die bejahende Antwort.

Er steht als echter Kriegsheld nicht die Gefahren, nicht die Mühen und Anstrengungen, die seiner draußen harren, er empfindet nur die Genugtuung, daß es ihm vergönnt sein soll, zu Deutschlands Ehre und Ruhm nun vor dem Feind die glänzenden Eigenschaften zu bewähren, die er in langer Dienstzeit mit seiner außergewöhnlichen natürlichen Begabung auf Grund ernster, unablässiger Studien erworben.

Wenn unser Bild die Gräfin Waldersee am Arm des Marschalls in seiner schmucken Tropenuniform zeigt, so spiegelt sich darin das ideale Verhältnis wieder, in dem die beiden Gatten zu einander stehen. Amerikanerin von Geburt, die Tochter des Neuyorker Rentiers David Lee, die als verwitwete Fürstin Noër dem Grafen Waldersee die Hand zum Ehebunde reichte, fühlt sie sich mit dem deutschen Feldherrn so unzertrennlich verbunden, daß sie ihn jetzt sogar in den Krieg nach dem fernen China begleiten will.

Die Abreise des Grafen Waldersee ist am letzten Montag vom Anhalter Bahnhof in Berlin erfolgt; die Optimisten, die da glaubten, das seine Entsendung mit der Einnahme von Peking hinfällig geworden sei, sind durch die Tatsache belehrt, daß sie sich geirrt haben. Vor der Abfahrt des Zuges, der den deutschen Feldmarschall mit dem ganzen Oberkommando nach Italien geführt hat, von wo die Reise zu Wasser weiter geht, ereignete sich ein kleiner Zwischenfall.

Die Behörde hatte die Anordnung getroffen, daß außer Offiziere nur solche Personen zum Bahnhof Eintritt erhielten, die eine vom Generalstab ausgestellte Erlaubniskarte vorwiesen konnten. Auf diese Weise wären beinahe die Mütter, Schwestern, Bräute der Ausreisenden verhindert worden, diese bis zum Wagen zu geleiten.

Allein ein Generalstabsoffizier, der die betrübten Mienen der Abgewiesenen sah, griff ein und verschaffte ihnen den ersehnten Zutritt. So konnten die Offiziere des Oberkommandos doch wenigstens noch einige Minuten länger die Gesellschaft ihrer weiblichen Angehörigen genießen.

Unser Bild zeigt den Feldherrn auf dem Trittbrett des Eisenbahnwagens, den Marschallstab in der Hand, den ihm der Kaiser am 18. August beim Abschied in Kassel geschenkt hat; zu seiner Linken die treue Gattin, die ihn bis Neapel begleitet, solange er festes Land unter des Füßen hat; dahinter das Publikum, das trotz der notwendigen Absperrungsmaßregeln doch zu mehreren Hunderten Einlaß in die Halle des Bahnhofs gefunden hatte und das in brausende Hurrarufe ausbrach, als sich schließlich der Zug in Bewegung setzte. Graf Waldersee zieht frohen Mutes und voll Vertrauen in seine Mission hinaus, die Segenswünsche der deutschen Nation begleiten ihn über Land und Meer.

Quelle: Die Woche, 1900, von rado jadu 2001.

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