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China - Boxeraufstand

Die chinesischen Wirren

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Die neuesten Nachrichten aus China lauten wieder etwas günstiger, es ist wieder ein leichter Schimmer der Hoffnung aufgetaucht, daß bei dem Blutbad in Peking doch nicht alle Mitglieder der fremden Gesandtschaft niedergemetzelt wurden, sondern daß außer dem Freiherr von Ketteler nur noch der Kanzler der japanischen Gesandtschaft, Sugiyama, der Blutgier der Aufrührer zum Opfer gefallen ist.

Sugiyama

Allein, wie immer dem sei, auch sonst haben die Mordbanden genug Unheil angerichtet, das strenger Sühne harrt. Ob die Gesandten, falls sie noch am Leben sind, nach Tientsin geführt werden, ob nicht, den Zug gegen Peking müssen und werden die verbündeten Mächte unternehmen. Diese haben nun alle ihre Oberbefehlshaber ernannt — die Engländer haben zur Führung ihrer Truppen den Generalleutnant Sir Francis Grenfellund zur Führung speziell ihres indischen Kontingents den Generalleutnant Sir Alfred Gaseleeberufen — nur über die Wahl des obersten Führers der gesamten Streitmacht ist eine Einigung noch nicht zu stande gekommen.

Grenfell
Gaselee

Lange jedoch werden die Mächte damit nicht mehr warten dürfen, denn die Zeit drängt, damit die Chinesen auch mehr im Innern des Landes einen Begriff davon bekommen, das ihnen die Truppen der zivilisierten Völker doch überlegen sind, mögen sie diesen auch mancherlei abgesehen haben.

Es ist wirklich eine Ironie des Schicksals, daß sie auch auf dem "Iltis" noch ihre Studien machen durften, daß der jetzt schwerverwundete Korvettenkapitän Lans den Generalstabschef des Vizekönigs von Wutschang selbst an Bord seines Schiffes geleitete, dessen Mannschaften bei der Eroberung der Takuforts so schwere Verluste erleiden sollten.

Iltis

Die Zeit, den Vorstoß gegen Peking zu machen, drängt, weil durch die Erkenntnis der Überlegenheit der Fremden auch die Ruhe in den mittleren und südlichen Provinzen besser gewahrt wird, als durch die chinesischen Machthaber, deren guter Wille, Li-Hung-tschang eingeschlossen, auf die Dauer doch zum mindesten zweifelhaft erscheint.

Vizekönig

Bisher ist es diesem geriebenen Staatsmann freilich gelungen, den Schein zu wahren, als stünde er ganz auf seiten der Fremden, aber unbedingt verlassen kann man sich auf ihn nicht. Noch spielt sich das Leben in den Straßen der chinesischen Städte, abgesehen von Tientsin und Peking, ebenso ab, wie früher, noch können die Mandarinen und ihr großes Gefolge beispielsweise in feierlichem Zug durch Shanghai schreiten, aber selbst hier könnte sich das Bild ändern, wenn die Ausnutzung des Sieges von Tientsin allzulange auf sich warten läßt.

Quelle: Die Woche 1900, von rado jadu 2001

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