Manila Inhalt Shanghai

Reisen S.M.S. "Gneisenau"

Putu

Die Insel Putu liegt im Tschusan-Archipel und ist eins der vier Heiligtümer Chinas. Sie ist der Göttin Kuan-Yin geweiht und darf nur von Priestern bewohnt werden, während den Frauen der Aufenthalt während der Nacht verboten ist. Die Sage erzählt, dass Kuan-Yin dort neun Jahre gelebt haben soll. Sie war die dritte Tochter eines Königs, mit allen körperlichen Reizen ausgestattet und hochbegabt. Schon in früher Jugend sprach sie den Wunsch aus Nonne zu werden. Eltern und Geschwister versuchten sie davon zurückzuhalten, ja ihr Vater versprach ihr sogar, den Mann, welchen sie wählen würde, zu seinem Nachfolger zu bestimmen. Doch alles war vergeblich, sie ging ins Kloster, um sich als Novize für ihren Lebensberuf vorzubereiten. Als ihr königlicher Vater dieses erfuhr, geriet er darüber so in Zorn, dass er Truppen entsandte mit dem Befehl das Kloster, in weichern Kuan-Yin sich befand, niederzubrennen. Doch als die Flammen emporzüngeln sinkt Kuan-Yin auf ihre Knie und betet und siehe, Regen strömt hernieder, das Feuer erlischt.

Sie wurde nun in Ketten geschlagen und nach dem Palaste des Vaters zurückgebracht. Vor die Wahl Ehe oder Tod gestellt, zog sie den letzteren vor. Als Geist stieg sie in die Unterwelt hinab, doch verwandelte sich das Schattenreich bei ihrer Ankunft in ein Paradies. König Yarna, der Beherrscher der Hölle, bat Kuan-Yin, sich zu entfernen, damit die Guten, wie die Bösen weiterhin ihren Lohn ernten könnten. Auf die Erde zurückgekehrt, erfuhr sie, dass ihr Vater schwer erkrankt sei. Sie entsandte einen Boten mit dem Auftrage, dass, wenn man jemanden nach den „Wohl-, riechenden Bergen" senden würde, dieser mit einem Auge und einer Hand als Arznei zurückgeschickt würde. Diese Körperteile gehörten der Kuan-Yin an und machten ihren Vater sofort gesund.

Kuan-Yin ist die „Mutter der Barmherzigkeit" und die einzige Gottheit, welche der Chinese liebt, während er alle anderen fürchtet. Sie ist auch mit lächelnden Gesichtszügen dargestellt, alle anderen dahingegen mehr oder minder ernst bezw. zornig. Kuan-Yin ist die Sonderschutzgöttin der chinesischen Frauenwelt, doch nicht nur Frauen, sondern auch Männer beten sie inbrünstig an. Am häufigsten wird die Göttin in weissen Kleidern dargestellt, ein Kind in den Armen haltend. Alle Frauen, die sich einen männlichen Sprössling wünschen, befen sie häufig an und opfern ihr. Den Seemann rettet sie aus Sturmesnot und dieser gibt ihr auch den Vorzug vor den höchsten Gottheiten. Jn den Zeiten der Dürre wenden sich die Mandarine, falls die übrigen Götter sich als unerbittlich erweisen, an die „Mutter der Barmherzigkeit." Die häufigsten und bekanntesten unter den vielen Verwandlungen dieser Göttin sind die „Tausendhändige", die „Sohnschenkende" und die „Fischkorb" Kuan-Yin.

Der Aufenthalt in Putu war indes nur von kurzer Dauer, 6.h. abend fuhren wir weiter und ankerten nachts in der Yangtse-Mündung. 21. April 8h morgens kam der Lotse an Bord und brachte uns bis Wusimg, wo wir bis zum 24. April liegen blieben. Am 24ten mittags gingen wir nach Schanghai hinauf, wo wir zwischen zwei Bojen festmachten. Im Hafen lagen U. S. S. „Saratoga", „Helena", „Samar" und „Supply", H. M. S. Cadmus und der jap. Krz. Jodo.

Shanghai