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Reisen S.M.S. "Gneisenau"

| Rabaul (Simpsonhafen) Liegt auf der Gazelle-Halbinsel von Neu- Pommern, der grössten Insel des Bismarck Archipels, welcher 1884 an das Deutsche Reich angegliedert wurde. Neu-Pommern, östlich vom Kaiser Wilhelmsland liegend, zieht sich über vier Längengrade hin. Nördlich liegt das wichtigste Stück von Neu-Pommern, die Gazelle-Halbinsel. Sie ist der Teil Neu-Pommerns, der schon genauer erforscht ist. Das Innere der übrigen Insel ist noch fast gänzlich unbekannt, man vermutet, dass es niedriges Land ist, im übrigen ist Neu-Pommern jüngeren vulkanischen Ursprungs. Die Insel ist zum grösseren Teil mit Urwald bedeckt und eignet sich besser für Anpflanzungszwecke wie Neu-Guinea, da die Küsten viele geschützte, vorzügliche Häfen und schiffbare Flüsse aufweisen. Die Bevölkerung Neu- Pommerns last sich in zwei Hauptteile unterscheiden. Den Westen der Insel, sowie die Mitte bewohnen Melanesien an der Südküste bemerkt man papuanische Beimischung. Diese Eingeborenen, die besonders durch die Form der Nase semitische Gesichtszüge aufweisen, ähneln denen von Kaiser Wilhelms Land. Ihre Hautfarbe ist etwas heller als die der Leute im Osten Neu-Pommerns. Die zahlreichen Bewohner der Küste scheinen durchaus friedfertig. Sie beschäftigen sich mit Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. Alles bebaubare Land, selbst einzelnes recht ungünstig an Bergabhängen gelegene, ist in sehr gutem Kulturzustande. Die einem Besitzer gehörigen Palmen, zwischen denen Taros gebaut werden, sind wie das Wohnhaus, stets mit guten Zäunen umgeben. Die Eingeborenen bevorzugen rötliches Haupt- und Barthaar und erzielen dieses durch Einreibungen mit Kalk. Bei festlichen Gelegenheiten vervollständigen sie ihren Anzug, der nur aus einem Hüftentuch besteht, durch Bemalen des Gesichtes mit roten Mennigestrichen. Duch-Duck heisst der Geheimbund der Gazelle-Halbinsel. Er veranstaltet Feste und Maskentänze auf besonderem Tanzplatz (Tarain), dessen Betreten Nichtmitgliedern bei hoher Strafe verboten ist. Ein zweiter noch älterer Geheimbund heisst Ingiet. Dieser ist gefährlicher, da er Raub und Diebstahl an Nichtmitgliedern im Gefolge führt. Die Eingeborenen haben auf Rotangstreifen gereihtes Muschelgeld, indes ist der Handel zum grösseren Teil noch Tauschhandel. So konnte man z. B. von den Marktweibern nicht für Geld und gute Worte Früchte erhandeln, jedoch für eine Stange Kautabak war ihnen alles feil Einen seltsamen Anblick gewährten die Letzteren, wenn sie in hockender Stellung um ihre Körbe sassen, im Mundwinkel den qualmenden Kalkstummel, ab und zu in kräftigem Bogen den durch das Betelkauen angesammelten rötlichen Saft in die Umgebung sendend. In Rabaul befinden sich das Gouvernement und die übrigen Regierungsbehörden. Ein Postamt, Schule, Krankenhaus für Europäer und eins für Eingeborene, sowie grössere Verkaufshallen der Neu-Guinea-Kompagnie. Die Temperatur stieg bis zu 49° C in der Sonne, für die dortige Gegend Winter. Während unseres Aufenthaltes wurde durch die Kolonie ein Fest für die Besatzung veranstaltet; zu diesem Zwecke waren auf einem freien Platze mehrere Erfrischungszelte aufgeschlagen und das Ganze mit bunten Flaggen und Wimpeln, teils vom Gouvernement, dekoriert. Die Besatzung von S. M. S. Gneisenau rückte in Reih und Glied" unter Vorantritt der Musikkapelle zürn Festplatz. Hier belustigte man sich mit Wett-, Dreibein-, Sack- und Eierlaufen, Tauziehen, Wurstschnappen u. ähnlichem. Die Eingeborenen gaben einen Tanz zum Besten und die Musik liess vom Musikpavillon aus ihre Weisen erschallen. Zwischendurch konnten die Teilnehmer die ihnen vorher ausgehändigten Marken in den Erfrischungszelten gegen Eier, Limonade, Cigarren oder Cigaretten eintauschen. Fröhliches treiben überall, und so verging der Nachmittag im Fluge, von allen Beteiligten wohl noch lange im Andenken behalten. Während unseres Aufenthaltes in Rabaul wurden einmal von der Gneisenau allein, und einmal von allen im Hafen liegenden Schiffen (Scharnhorst, Gneisenau, Cormoran u. Planet) Landungskorps an Land geschickt. Die Schwarzen kamen in hellen Haufen, um sich dieses Schauspiel anzusehen. Dann wäre noch zu erwähnen, dass auch verschiedentlich leichte Erdbebenstösse verspürt wurden. Am 15. Juli ging S. M. S. Gneisenau nach dem nur eine Stunde entfernten Herbertshöhe. Hier machte die Besatzung in 2 Törns Ausflüge nach dem 4 bis 5 Wegstunden binnenlands liegenden Toma. Auf der Hälfte des Weges wurde auf einer Farm kurze Rast gemacht, damit sich alle an den dort bereit gehaltenen Kokosnüssen laben konnten. In Toma gab es dann kräftiges Abendbrot und die Nacht wurde in mitgebrachten Netzhängematten, welche zwischen Palmen angebracht waren, dort verbracht. Den nächsten Vormittag konnte jeder nach Belieben verbringen, nach dem Mittagessen wurde der Rückmarsch angetreten. Am 16. Juli fuhren wir wieder nach Rabaul zurück und am 19. Juli steuerten wir weiter südwärts nach Kieta auf der Insel Bongainville, wo wir am 29ten mittags eintrafen. |
