
| Boungainville | Inhalt | Chemulpo | Nagasaki (Japan) | Tschifu |
Reisen S.M.S. "Gneisenau"

| Woosung Ein kleiner Ort mit einem gelben Tempel, liegt am linken Ufer des Huangpu etwa eine Seemeile oberhalb der Woosung Lchtt. und hat nur Bedeutung als Vorhafen von Schanghai. Wusung hat einige Lagerhäuser und ist mit Schanghai durch Eisenbahn verbunden. Die Südstaaten unter Sunyatsen wollten sich von den Nordstaaten, welche zu dem bisherigen Präsidenten Yuan schikai hielten, loslösen. Die Woosungforts waren von den Rebellen besetzt, während auf dem Yangtsee drei chin. Kreuzer lagen (Hai tschi, Hai tschen, Hai tscha), welche die Forts Tag und Nacht durch Geschützfeuer beunruhigten. Wir lagen dem Fort gerade gegenüber, ausserhalb der Schusslinie und konnten so die Wirkung des Geschützfeuers von beiden Seiten gut beobachten. Die Angriffe der Kreuzer waren indes nicht von Erfolg gekrönt, da nur immer ein Schiff schoss und sobald es sich eingeschossen hatte, wieder verschwand. Das Fort konnte mit seiner veralteten schweren Artillerie nur die halbe Entfernung unter Feuer nehmen, so schössen die Schiffe ohne eigene Gefahr auf das Fort, wie auf eine Scheibe. Auf dem Huangpoo lagen noch 5 Kreuzer bezw. Kanonenboote, sowie 2 Torpedoboote klar zum Gefecht. Das Arsenal in Schanghai, welches dem Vernehmen nach die gesamten Waffen und Munition von China enthalten sollte, war in den Händen der Nordtruppen. Die Forts von Nanking, sowie Nanking selbst waren von den Südtruppen besetzt. Hier sowohl wie in Schanghai lagen Schiffe aller Nationen zum Schütze ihrer Staatsangehörigen. Die Strassen waren verbarrikadiert Hessen nur eine schmaleÖffnung für den Durchgangsverkehr frei. An jeder Strassenecke stand ein Posten mit aufgepflanztem Seitengewehr und scharfen Patronen. Patrouillen streiften nachts durch die Strassen und bei jedem verdächtigen Anzeichen wurde die gesamte Landungsabteilung alarmiert. Das Oberkommando über die gelandeten Truppen hatte der englische Admiral. Am 13. Aug. gingen die Woosung Forts zu den Nordtruppen über. Unsere Anwesenheit war somit überflüssig und wir dampften am 15. abends nach Tsingtau, wo wir am 17. VII. eintrafen. Hier blieben wir bis Anfang Oktober u. erledigten während dieser Zeit Schiessübungen usw. Ein bedauerlicher Unfall passierte beim Suchen eines von Scharnhorst verloren gegangenen Torpedos. Beim Einlaufen des Dampfers Titania mit den Booten von der Torpedoverluststelle kollidierte die Dampfpinnass mit der Ruderbarkass. Hierbei wurde der Masch. Mt. Peters tötlich verletzt und verstarb nach kurzer Zeit. Er wurde unter allseitiger Teilnahme in Tsingtau beerdigt. Am 2. Oktober fuhren wir nach Chemulpo, wo wir am 3. Oktober ankerten. Im Hafen lag der franz. Krz. Duplex. Der Vertragshafen Chemulpo liegt an der Mündung des Salie Flusses, welcher der einzige Wasserweg nach der aufwärts liegenden Landeshauptstadt Söul ist. Chemulpo erstreckt sich an dem Abhänge eines Uferhügels in freundlicher Lage; der Ort besteht aus drei deutlich voneinander zu unterscheidenen Teilen, der Stadtteil weicher der Reede zunächst liegt, wird von Chinesen und Europäern bewohnt. An diesen Teil stösst die japanische Niederlassung, welche sich durch besondere Zierlichkeit der Gebäude, Reinlichkeit und gute Instandhaltung der Strassen auszeichnet. Endlich kommt der eigentliche koranische Ort, ein weitläufiger Komplex von elenden, strohgedeckten Lehmhütten, zwischen welchen, namentlich nach länger andauernden Regengüssen, ein ganz unbeschreiblich kotiger Morast sich ausbreitet. Der Ort an sich bietet nichts besonders Interessantes. Die Hauptstadt Soeul soll etwa 2400000 Einwohner haben und ist sehr weitläufig gebaut. Die Stadt liegt in einer kesseiförmigen Mulde und ist von teilweise 800 m hohen Bergen umgeben, auf deren unteren Abhängen sich die etwa 13 Seemeilen lange Stadtmauer hinzieht. Erwähnenswert ist noch der Nord- und Südpalast, sie sind gewöhnlich das Ziel der nach Soeul kommenden Fremden. Am 8. Oktober dampften wir nach Nagasaki, wo wir am 10. Oktober eintrafen. Im Hafen lagen der englische Kreuzer Newcastle" und der französische Kreuzer Montcalm". Nagasaki bietet wenig, wenn es auch eine ganz hübsche Lage hat. Die Hotels und verschiedene Handelsfirmen liegen in der Nähe der Landungsbrücke. Dicht daneben befindet sich das japanische Geschäftsviertel. Auch Märkte werden hier abgehalten. Rickshaws bilden das einzige Beförderungsmittel. Der von Bergen eingeschlossene Hafen bietet dem Auge ein wohltuendes Bild üppig grünender Landschaft. Groteske Fichtenwaldungen, aus denen ab und zu kleine Häuschen hervorleuchten, umsäumen die Ufer. Die vor Anker liegenden oder lautlos durchs Wasser gleitenden japanischen Fahrzeuge beleben das ohnehin reizvolle Bild. Nagasaki war der erste dem europäischen Handel geöffnete Hafen. Schon im 16. Jahrhundert hatten die Portugiesen hier Faktoreien errichtet. Einige Tempel befinden sich hier und einige sehr lohnende Ausflüge nach Moji sind gemacht worden. Der Weg bietet an verschiedenen Stellen wirklich schöne Aussichten, Dann gibt es noch einen Wasserfall in der Nähe Nagasakis, der aus einer ungefähren Höhe von 50 FUSS herabstürzt. Am 15. Oktober fuhren wir wieder nach Tsingtau, am 17 ten ankerten wir auf Aussemeede. Das Torpedoboot Taku strandete am 22. Oktober auf dem Hufeisen Riff, wurde aber nach einigen Tagen abgeschleppt. Später stellte es dann ausser Dienst. Am 26. Oktober gingen wir Anker auf und ankerten am 27ten auf Reede. Auf Reede lag der östr Krz. Kaiserin Elisabeth". |
