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Der Siegeszug deutscher Technik

In den Gebirgen Chinas lagern noch ungeheure Kohlevorräte, deren Fundstätten regelrecht zu erschließen wegen der Transportschwierigkeiten bisher nicht möglich war. Mußten doch z. B. im Fangschaner Kohlengebiet Tausende von Kamelen benutzt werden, um die Schätze von den Bergen nach der nächsten Eisenbahnstation Toli, die zirka 100 km von Peking an der Strecke Peking - Hankau gelegen ist, zu schaffen.

Diese Karawanen, die mit ihren geringen Lasten bis zur Eisenbahnstation drei Tage und länger unterwegs waren, stellen eine viele Kilometer lange Kette dar, wodurch der schmale, schlechte, die einzige Passage in dem wildzerissenen Gebirge bildende Pfad vollkommen für den weiteren Verkehr versperrt wird. Neuerdings versucht man auch hier, sich die Kulturfortschritte der in China als weiße Teufel verschrienen Europäer nutzbar zu machen.

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Die Gilde der Salzkaufleute, der die anerkannt reichsten und einflußreichsten Kreise angehören und an deren Spitze der Taotai Wan in Tientsin, Präsident der chinesischen Handelskammer, steht, beabsichtigt den Abbau der Kohlenlager in den Bergen südwestlich von Peking, der Anthrazit-Kohlengruben von Shansi, die eine vorzügliche Kohle liefern, energisch in Angriff zu nehmen; in erster Linie soll die Hauptstadt Peking und darüber hinaus Tientsien und andere Plätze versorgt werden. Zu dem beabsichtigten Zweck wird eine ausgedehnte Drahtseilbahnanlage errichtet. der Bau der Bahn ist eine überaus schwierige Aufgabe, schon die Vermessung der Linie durch die Ingenieure der weltbekannten Firma Adolf Bleichert & Co. in Leipzig hat große Schwierigkeiten bereitet.

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Die Abbildungen veranschaulichen eine Trassenbegehung der Drahtseilbahn von Toli in das Schantunger Kohlengebirge, die unter Obhut der chinesischen Behörden geschah. Die erforderlichen Arbeiten mußten im Winter vorgenommen werden. Heftige Kälte, furchtbare Stürme, die das vegetationslose Gebirge in Staub hüllten, und die schlechte Unterkunft, die die chinesische Tempel mit ihren beständig Opium kauenden Priestern boten, machten den Aufenthalt zeitweise fast unerträglich. Ein solcher Tempel und zwar der Tempel Hosan (Hosan heißt hinterm Berg) ist auf der Abbildung ersichtlich; in seiner Nähe wurde gleichzeitig der spätere Stationsplatz der Drahtseilbahn ausersehen. Nur mit Aufbietung aller Energie war es möglich, unter solch ungünstigen Umständen mit den zur Verfügung stehenden Arbeitskräften die Vermessung der ersten strecke von etwa 10 km Länge glücklich zu Ende zu führen.

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Nach und nach sollen alle Kohlengruben der Gegend an die Hauptlinie, von der die Abbildung die Strecke bei Chiantschanyu veranschaulicht, angeschlossen werden, so daß ein Bahnnetz von ungefähr 30 km Länge entsteht und China sich rühmen darf, mit Hilfe deutscher Tatkraft und Technik eine der größten und interessantesten Drahtseilbahnenanlagen der Welt zu besitzen. Nach Errichtung der Drahtseilbahn, die erstens ganz wenig Personal erfordert und zweitens mit der eigenen Kohle enorm billig betrieben werden wird, kann die Kohle derart billig nach Peking, Tientsin usw. geliefert werden, daß die Gesellschaft nach reichlichen Abschreibungen mindestens 30 -35 Prozent an der Kohle verdienen kann. Die Drtahtseilbahn wird auf einen Transport von 1200 Tons täglich eingerichtet. Die Gesamtlänge der Bahn beträgt zirka 22 km, es wird jedoch noch eine bisher nicht genau vermessene Teilstrecke resp. Nebenstrecke hinzukommen, die 3-4 km betragen dürfte, so daß sich die Gesamtbetriebslänge auf rund 26 km stellen würde.

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Quelle: Reclams Universum 1909, von rado jadu 2001

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