
Der Opiumkrieg
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Von den Portugiesen und später von den Engländern wurde Opium bereits seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in China eingeführt. Anfangs begnügte sich die Chinesische Regierung mit einem geringen Eingangszoll, als sie aber die verderblichen Wirkungen des importierten Giftes kennen lernte, schritt sie zu dem völligen Verbote der Opiumeinfuhr. Die europäischen Importeure kehrten sich aber wenig an dieses Verbot, umso weniger, als das Geschäft mit der wachsenden Verbreitung des Opiumgenusses im Chinesischen Reiche zu einem sehr lohnenden geworden war. Es wurde statt des offenen, offiziellen Handels der Schmuggel organisiert, den die Engländer von der kleinen Insel Lintin an der Mündung des Perlflusses bewirkten. Die bestochenen Mandarinen sahen dem Treiben untätig zu, und auch blutige Zusammenstöße wurden einfach ignoriert. Eine dritte, in diese Zeit fallende Gesandtschaft verlief ebenfalls ergebnislos. Lord Napier erschien am 15. Juli 1834 in Macao und ging von dort, allerdings nur mit sehr beschränkten Vollmachten versehen, nach Canton weiter, um dem dortigen Vizekönig seine Ankunft schriftlich zu melden. Weil dieses Schriftstück nicht das Wort "Gesuch" enthielt, wie es für Schreiben der Kaufleute an die chinesischen Behörden Vorschrift ist, wurde es zurückgewiesen, und der Vizekönig nahm sogar gegenüber Lord Napier eine drohende Haltung ein, indem er ihm die Dienerschaft weg nahm, ihm den Proviant verweigerte und seine Wohnung mit Soldaten umstellen ließ. Es bedurfte des Erscheinens einer englischen Flotte vor Canton, um den Lord zu befreien, der wenige Wochen später in Macao starb. Unter seinem Nachfolger Dawis kam es zu einem etwas erträglicheren Verhältnisse, doch wurde, da die ostindische Kompagnie am 22. April 1834 erloschen war, eine offizielle Stelle vermißt, die wie jene Kompagnie eine Regelung des Handels hätte vornehmen können. Der durch das Verbot der Opiumeinfuhr ins Leben gerufene Schleichhandel nahm außerordentliche Dimensionen an und umfaßte nicht nur das unter das unter Verbot gestellte Gift, sondern auch alle möglichen anderen Gegenstände. Der Hauptgrund, weshalb die Pekinger Regierung so sehr auf das Opium erpicht war, ist wohl in den Umstand zu suchen, daß zu viel bares Geld dafür aus dem Lande ging. Während kaum für 30 Millionen Mark Tee und Seide ausgeführt wurden, betrug der Wert der Opiumeinfuhr im Jahre 1837 an 120 Millionen Mark für 40 000 Kisten. Dieser Umstand erregte große Bedenken am kaiserlichen Hofe, und es wurde 1839 Lin, ein Mandarin von großen Fähigkeiten und energischen Charakter, als Gouverneur der Provinz Kwang-tung nach Canton gesandt, um den Opiumhandel nachhaltig zu unterdrücken. Am 10. März hielt Lin seinen Einzug in Canton, und bald zeigte sich , wie er den ihm gewordenen Auftrag auszuführen gedachte. Er erließ zwei Edikte: in dem einen forderte er die Herausgabe alles Opium, das sich an Bord der im Perlflusse befindlichen fremden Schiffe befand; in dem anderen eine schriftliche Verpflichtung von seiten der Europäer, daß jeder später beim Opiumhandel betroffene Ausländer mit dem Tode bestraft werden solle. Gleichzeitig wurden die Faktoreien umzingelt und drei Tage Bedenkzeit gegeben. Kapitän Elliot, der Bevollmächtigte für den britischen Handel in China, fügte sich dem ersteren Verlangen, da sich zur Zeit nur eine englische Korvette in den chinesischen Gewässern befand und er der Gewalt weichen mußte. 20 238 Kisten Opium wurden den Behörden überliefert und von diesen mit Kalk vermischt ist Wasser geschüttet. Auf die schriftliche Verpflichtung wollte er jedoch nicht eingehen. Die Folge war, daß Lin, ein ehrenwerter Mann, aber ein Vertreter der altchinesischen reaktionären Anschauungen, ein weiteres Edikt erließ, in dem er jeden Ausländer mit dem Tode bedrohte, welcher sich in Zukunft direkt oder indirekt am Opiumhandel beteiligen würde. Auch ließ er Elliot mit dürren Worten sagen, China wolle ferner keinen Handelsverkehr mit Ausländern; sie möchten gehen, woher sie gekommen. Nach diesen Kundgebungen war es für die Fremden nicht ratsam, länger in Canton zu weilen. Sie begaben sich unter Elliots Führung nach der portugiesischen Kolonie Macao, wo sie freundlich aufgenommen wurden, während die Mehrzahl der Schiffe nach dem sicheren und geräumigen Hafen von Hongkong segelte, um dort den Ausgang des Konflikts zu erwarten. Während die Engländer in atemloser Spannung der Entscheidung gegenwärtig waren, die ihre heimische Regierung auf den über die Angelegenheit an sie abgesendeten Bericht fällen würde, befestigte Lin die Forts an der Bocca Tigris der Mündung des Perlflusses , und es kam überdies zu einem blutigen Zwischenfalle. Bei einem Streit zwischen englischen Matrosen und Chinesen in Kaulung, gegenüber Hongkong, wurde einer der letzteren erschlagen. Lin forderte peremtorisch die Herausgabe des Totschlägers und erließ, als ihm diese verweigert wurde, ein Edikt an die Küstenbewohner, alle Engländer zu erschießen oder zu erschlagen, welche zur Fourragierung das Festland beträten. Die Zerstörung von sechs Kriegsdschunken vor Kaulung durch bewaffnete Boote der bei Hongkong versammelten Kauffahrteischiffe war die Antwort auf dies Edikt, und damit begannen die offenen Feindseligkeiten, ehe man noch wußte, ob die heimische Regierung den Standpunkt Elliots teile. Lins Erlasse gegen die Engländer atmeten jetzt den glühendsten Haß; es wurden einzelne Kauffahrteischiffe überfallen, ihre Besatzung niedergemetzelt und die Fahrzeuge verbrannt. Elliot ging mit zwei inzwischen angelangten Korvetten nach der Bocca und drohte mit Repressivmaßregeln. Der in der Bocca kommandierende chinesische Admiral schickte die Mitteilung uneröffnet zurück und griff die Engländer am 28. Oktober 1839 mit 29 Kriegsdschunken an. Das Resultat des Kampfes war die Vernichtung von 6 Dschunken und die Flucht der übrigen. Damit war die Entscheidung des Streites, der im Grunde handelspolitischer Natur war, auf die Schneide des Schwertes gestellt, und England, das die Demütigungen seiner Gesandten während der letzten fünfzig Jahre noch recht gut im Gedächtnis behalten hatte, säumte nicht, obwohl in der Heimat der Krieg zuerst durchaus nicht populär war, mit entsprechenden Rüstungen. Bereits im Mai 1840 war auf der Reede von Singapore eine Flotte von 7 Segel-, 2 Dampf- und 26 Transportschiffen mit 3600 Mann Landungstruppen versammelt, die zur größten Überraschung der Chinesen am 21. Juni vor Macao erschien. Die Zentralregierung half sich zunächst mit den ihr so geläufigen Edikten, verbot allen direkten und indirekten Verkehr mit englischen Schiffen und Waren und erklärte die Engländer für vogelfrei. Den Thron nahm damals Taokung (1820-1850), ein rechtschaffener Mann, jedoch mehr Geschäftsmann als Herrscher, ein. Seine Generäle konnten mit dem nur auf dem Papier stehenden Heere und der entsprechend qualifizierten Flotte nichts ausrichten und unterlagen in mehreren Treffen und Scharmützeln den Engländern. Allerdings ließen diese sich wiederum durch die Diplomatenschläue der Chinesen dupieren, und Elliot gab mehrmals seine Einwilligung zu Waffenstillständen, die ihm die besten Früchte der von ihm errungenen kleinen Erfolge raubten. Seine zögernde Haltung war wohl in dem Umstande zu suchen, daß die Engländer den Krieg durchaus nicht wünschten und ihm nur deshalb einleiten und fortsetzen mußten, weil die Chinesen in unbegreiflicher Weise alle Vermittlungsvorschläge ablehnten und auch auf die einfachsten Forderungen eines freundschaftlichen Handelsverkehrs in ganz unbegreiflicher Unterschätzung des ihnen gegenüberstehenden Feindes nicht eingehen wollten. Als schließlich aber einmal der Krieg unvermeidlich war, zögerten die Engländer auch nicht mit seiner energischen Durchführung. Nachdem die Boccaforts am 26. Februar von ihnen zerstört worden waren, erwarteten die Chinesen einen Angriff auf Canton von der Wasserseite. Allein Elliot setzte seine Truppen an das Land, umging die von 20 000 Mann verteidigte Stadt und führte auf den umliegenden Höhen Batterien auf, die die Stadt völlig beherrschten. Damit wäre das Schicksal von Canton und der Ausgang des Krieges entschieden gewesen, wenn sich Elliot, dem sogar die Hauptstadt des Reiches offengestanden haben würde, nicht wieder in ganz einzig dastehender Haltlosigkeit und Unentschiedenheit zu einem Waffenstillstande verstanden hätte, der den Engländern zwar eine Entschädigung vom 6 Millionen Dollars zusicherte, den Chinesen aber ganz unerwarteter Weise den Ausgang aus einer Sackgasse öffnete. Da lösten die Engländer ihren zwar tüchtigen, aber nicht energisch genug durchgreifenden General ab, und Admiral Parker übernahm das Kommando. Er wendete sich, um das den Europäern so gefährliche südliche Klima zu vermeiden, nach dem Norden und nahm Amoy mit stürmender Hand. Fünfhundert Geschütze und große Kriegsvorräte wurden zerstört, die Festungswerke geschleift, die Insel Kolangho im Hafen, welche die Stadt beherrschte, mit einer Garnison versehen und befestigt. Die Flotte segelte am 4. September 1841, mit Zurücklassung von drei kleinen Schiffen zur Blockade des Hafens, nach Tschusan, das auf Grund des mit Kischin abgeschlossenen Waffenstillstandes im Februar die Engländer geräumt hatten. Tschusan und Tinghai waren in der Zwischenzeit sehr stark befestigt worden; man hatte eine Batterie von 200 Geschützen aufgeführt, welche jeden Fleck des inneren Hafens beherrschte. Nur hatten die Chinesen nicht daran gedacht, die Flanken dieser Batterie zu decken; sie erwarteten einen Frontangriff der Schiffe und waren nicht wenig bestürzt, als sie die Dampfschiffe alle Truppen auf ihrer rechten Flanke landen sahen. Die Engländer stürmten mit dem Bajonnet die Werke, und Tingai mit Tschusan war nach vierstündigem Gefecht, in dem einige tausend Chinesen, aber nur sechs Engländer fielen, zum zweiten Male im Besitz der Angreifer. Diese verloren jetzt keine Zeit, weiter vorwärts zu dringen; ihr nächstes Ziel war die Stadt Tschinhai an der Mündung des Ningpoflusses. Mit Zurücklassung einer Garnison in Tinghai segelte die Flotte dahin ab und traf am 9. Oktober vor Tschinghai ein. Dies war außerordentlich stark befestigt, aber wie Tschusan ebenfalls hauptsächlich gegen die Wasserseite. Am 10. landeten die Engländer ihre Truppen an beiden Ufern des Flusses, und der Angriff erfolgte zu Wasser und zu Lande von drei Seiten zugleich. Die Chinesen wurden mit ungeheurem Verluste in die Flucht geschlagen, alle Werke und Tschinghai genommen und sofort auf Ningpo marschiert. Hier erwartete man großen Widerstand; doch die soeben erhaltene Lektion war für die Chinesen zu furchtbar gewesen, und man fand Ningpo verlassen. Die Einnahme von Tschinghai und Ningpo kostete den Engländern 11 Tote und 17 Verwundete, die Chinesen hatten 1500 Tote. Da der Winter vor der Tür war, beschlossen die englischen Heerführer, ihre Truppen in Ningpo und Tschusan bis zum nächsten Frühjahr einzuquartieren. Die Einwohner kehrten bald zurück, und nach kurzer Zeit blühte Handel und Wandel wie zuvor. Es gab Lebensmittel in Hülle und Fülle; die Engländer erholten sich von ihren Strapazen, und die Chinesen schienen sich unter der neuen Herrschaft sehr wohl zu fühlen. In Peking begann man, sich unsicher zu fühlen und zu fürchten, daß die tollkühnen "Barbaren" es doch noch am Ende wagen könnten, in den Yangtsekiang und bis Nanking vorzudringen. Aber obschon es eine Zeit lang schien, als würde die Friedenspartei die Oberhand gewinnen, siegte schließlich doch wieder die Meinung der kriegerisch Gesinnten, und Yiking, ein Neffe des Kaisers, wurde mit der Bildung eines tatarischen Heeres und der Spezialmission beauftragt, "die Barbaren von der Erde zu vertilgen". Das neu gebildete Heer war unzweifelhaft tapfer; aber die ihm gestellte kaiserliche Aufgabe konnte es denn doch nicht lösen. Es versuchte im März 1842 die Engländer in Ningpo zu überfallen; diese wurden jedoch durch die Bewohner der Stadt selbst gewarnt und waren auf ihrer Hut. Der Überfall wurde zurückgeschlagen. Die Angreifer ließen 400 Tote auf dem Platze und zogen sich in ein befestigtes Lager auf den Höhen von Seagon zurück, wo sie sich in einer Stärke von 7000 Mann verschanzten. Die Engländer beschlossen, sie dort anzugreifen, stürmten mit 900 Mann und 4 Feldgeschützen das Lager, nahmen es und zerstreuten den Feind nach allen Richtungen. Wiederum hatten die Chinesen 400 Tote, die Engländer dagegen nur 12. Letztere zogen sich nach Ningpo zurück, und Tschapu, eine befestigte Stadt an der Ostküste der Provinz Tsche-kiang, wurde jetzt als nächstes Angriffsobjekt bestimmt. Am 16. Mai traf die Flotte vor Tschapu ein, am 17. wurde eine Rekognoszierung unternommen. Vor der Stadt befanden sich Anhöhen, welche von Truppen besetzt waren. Diese stürmten die Engländer zunächst; zum erstenmal jedoch während des Krieges fanden sie hier einen ernstlichen Widerstand, und es kostete schwere Kämpfe, bis sie die mit der kaltblütigsten Tapferkeit sich verteidigenden Tataren werfen und bis zur Stadt vordringen konnten. Auch diese wurde auf das tapferste verteidigt; drei- oder viermal wurden die Engländer mit Verlust zurückgeschlagen und konnten endlich nur über die Leichen der braven Garnison in die Stadt dringen. Sie verloren bei dieser Gelegenheit 2 Offiziere und 8 Gemeine; 6 Offiziere und 44 Gemeine waren verwundet. Mit Rücksicht auf den ehrenvollen Widerstand schenkten die Engländer den wenigen Gefangenen die Freiheit, eine Handlung, die seit Bestehen des Chinesischen Reiches zum erstenmal erlebt worden sein mag, denn in ihrer Angst vor der Niedermetzelung hatten sich alter Sitte gemäß Frauen und Kinder der tatarischen Garnison vor den Eindringen der Engländer getötet. Nun stand der Yangtsekiang offen, das britische Geschwader lief ein und stürmte nach einem kurzem Artilleriekampfe auch die dortigen Befestigungen. Wusung, der Schutz von Schanghai, fiel am 15. Juni 1842, und Shanghai selbst wurde einige Tage später ohne Schwertstreich in Besitz genommen, da sowohl Truppen wie Einwohner geflohen waren. Ende Juni 1842 segelte die englische Flotte von Shanghai ab und den Yangtsekiang hinauf, um sich der Stadt Tschinkiang zu bemächtigen. Sie wurde ebenso tapfer verteidigt wie Tschapu, und ihre Besatzung kämpfte mit einen Mute und einer Todesverachtung, welche die größte Bewunderung verdienten. Die Tataren ließen sich fast bis auf den letzten Mann niederhauen, aber nach zehnstündigem Kampfe war am 21. Juli Tschin-kiang-fu und damit das letzte Bollwerk Chinas gefallen. Chinesischer Stolz und Hochmut empfingen damit einen Todesstreich: mit der Vernichtung der Garnison, der auserlesensten Truppen des Reiches unter Führung des besten Generals, war das letzte Fünkchen von Hoffnung geschwunden und die Hartnäckigkeit des Hofes endlich gebrochen. Am 8. August erschien die Flotte vor Nanking. Von den Batterien der Stadt wehte eine große weiße Flagge, und zwei Mandarinen kamen in Eile an Bord des Flaggschiffes und baten um Gnade. Wieder versuchten es die Chinesen mit diplomatischen Winkelzügen, die sie bei Eliot so oft ans Ziel geführt hatten, allein der jetzt die Verhandlungen als englischer Bevollmächtigte leitende Sir Henry Pottinger war ihnen gewachsen. Als sich die Vollmachten des chinesischen Kommissars Ilijuh als nicht ausreichend erwiesen, trafen die Engländer Anstalten zum Angriffe auf die Stadt, und schließlich erschien der mit weiter gehenden Vollmachten versehene Kommissar Keying, mit dem am 29. August 1842 an Bord des englischen Flaggschiffes der Friede von Nanking geschlossen wurde. Die Engländer diktierten die Bedingungen, deren hauptsächlichste folgende waren: 1) Die Chinesen sollten 21 Mill. Dollar Kriegskosten während der nächsten vier Jahre bezahlen. 2) Die Häfen von Canton, Amoy, Futschu, Ningpo und Shanghai sollten den Engländern geöffnet, Konsuln in ihnen zugelassen und bestimmte Zolltarife aufgestellt werden. 3) Hongkong wurde für ewige Zeiten an England abgetreten. 4) Fortan sollten die Verhandlungen zwischen den Beamten der beiden Länder auf dem Fuße vollständiger Gleichheit geführt werden. Nach eingetroffener Zustimmung des Kaisers wollten die Engländer den Yangtsekiang verlassen und bis auf Tschusan alle Eroberungen zurückgeben. Tschusan sollte jedoch von ihnen bis zur Zahlung der letzten Kriegskosten besetzt bleiben. Der Kaiser bewilligte alles, da ihm wirklich nichts weiter übrig blieb, und hat auch bis an sein Lebensende die Verträge so ziemlich treu gehalten. Die englische Flotte räumte nach Empfang der ersten auf die Kriegsschuld fälligen 6 Millionen Taels den Yangtsekiang und später, da alle Raten glatt eingingen, auch die übrigen von ihr zum Pfand besetzten Plätze. Der Erfolg Englands war groß, denn es hatte mit einer Hand voll Menschen ein Land mit 360 Millionen Menschen unter unerhörten Erfolgen bekämpft. Die Demütigung wurde denn auch in ganzen Reiche der Mitte sehr schwer empfunden und ganz besonders in Canton, dessen Pöbel durch seinen tiefen Haß gegen die Fremden eigentlich die Hauptursache des ganzen Krieges gewesen war. Es war daher kein Wunder, daß bei der Nachricht von dem Friedesschlusse ernste Revolten ausbrachen, während derer die europäischen Faktoreien geplündert und verbrannt wurden. So frisch war aber noch der Eindruck, den die gewaltige Macht Englands auf die Gemüter der Mandarinen hinterlassen hatte, daß sie alles daran setzten, um den Pöbel im Zaume zu halten und sofort für den erlittenen Schaden eine Geldentschädigung an England abführten. Dieses machte sich mit allen Kräften an den Ausbau seines neu erworbenen Kolonialbesitzes Hongkong. Wie sehr sie damit Erfolg hatten, ist schon früher erwähnt worden, und die vorstehenden Abbildungen mögen noch die Schönheit der von den Engländern auf kahlem Felsen erbauten Stadt der Anschauung näher bringen. Quelle: China Land und Leute, Illustrierte Geschichte des Reiches der Mitte, Dr. Emil Wilhelmy, Verlag Herlet, 1905 von rado by jadu 2002. |
