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Die Germanen bewohnten, wie wir heute wissen, um die Zeitwende Nordeuropa vom heutigen Südschweden (westlich) bis zur Weichsel (östlich) und tief nach Süddeutschland hinein. Neuen ergiebigen Boden konnten sie dem dichten Urwald meißt nur in hartem Ringen abgewinnen. Die ständige wachsende Sippen waren immer wieder gezwungen, neuen Wald zu roden, neues Siedlungsgebiet zu "kolonisieren". Deshalb sandten sie von Zeit zu Zeit ihre Jundmannschaften auf Landerwerb aus. Lange vor jeder geschichtlichen Überlieferung schon haben solche Eroberungszüge und Wanderungen große germanische Scharen über ihre Heimat hinaus vornehmlich nach Osten geführt, bis zum Balkan, nach Südrussland und Griechenland, einen Teil von ihnen etwas später auch nach Italien. Ihre Kraft ging damit freilich ihrem Volkstum verloren. Die Richtung der Züge können wir aus "Bodenfunden" an Waffen, Gefäßen, Hausformen ziemlich genau verfolgen. Zu Anfang des 2. Jahrhunderts vor der Zeitrechnung verließen die in Schleswig und Jütland ansässigen Stämme der Kimber und Teutonen mit Weib und Kind ihre Wohnsitze, schlugen sich durch ganz Deutschland hindurch und zogen unaufhaltsam nach Süden bis nach Spanien hinab. Anfänglich besiegte ihr Ungestüm die ihren entgegentretenden römischen Heere, von denen sie aber schließlich in der heutigen südfranzösischen Provence und in Oberitalien völlig aufgerieben wurde. Dieser mißglückte Versuch einer Ansiedlung außerhalb des Mutterlandes war der Vorläufer einer in ihren letzten Ursachen noch immer nicht völlig geklärten Bewegung des Aufbruchs fast aller germanischen Stämme, die doch schon Jahrhunderte hindurch in bestimmten Gebieten des heutigen Deutschlands als Ackerbauer seßhaft waren. Den äußeren Anlaß zu dieser "Germanischen Völkerwanderung" gab der Einfall der Hunnen in Europa (375), der die Goten aus ihren Wohnsitzen im heutigen Süd-Rußland verdrängte. Diese zogen Südwärts zum Balkan und weiter nach Italien, Frankreich und Spanien, wo sie Reiche von kurzer Dauer gründeten. Nicht viel später stießen die Burgunden von West-Preußen aus bis nach West-Frankreich vor; dieses Gebiet heißt nach ihnen noch heute Burgund ("Bourgogne"). Die Langobarden gründeten in Oberitalien ein Reich, die heutige Lomardei. Die Vandalen setzten sogar von Süd-Spanien nach Nord-Afrika über, wenigstens ihr Name klingt noch in der spanischen Landschafts-Bezeichnung "(V) Andalusien" wider. Die Franken gründeten im ehemaligen Gallien das Fränkische Reich, die Angel-Sachsen zogen über die Nordsee und ließen sich in Engel-(Angel-) Land nieder. Den durch diese Wanderungen frei gewordenen germanischen Siedlungsraum nahmen nach und nach rassefremde Völker in Besitz, vor allem Slawen, die im 6. Jahrhundert bereits die Elbe erreicht hatten. Dann besetzten sie Böhmen und Mähren und zogen durch das entvölkerte Thüringen bis gegen den Main hinab. Die Wiedergewinnung dieses verlorengegangenen Besitzes seit den Tagen Karls des Großen gehört zu den größten Ruhmestaten früher deutscher Siedlungspolitik. Heinrich I., Otto der Große und Heinrich der Löwe gaben der ostdeutschen Siedlung immer wieder mächtigen Anstoß. Jahrhundertelang strömten Bayern und Franken, Sachsen und Schwaben in dies neu entstehende "ostelbische" Deutschland, das sie in erbitterten blutigen Kämpfen und in zäher friedlicher Arbeit dem Deutschtum gewannen. Die großen Marken, Bayrische Ostmark, Kärntensche Mark, Nordmark, Meissen, Lausitz und die Mark Brandenburg, wurden errichtet. Deutsche Ordensritter und Handelsherren schufen in Preußen und den Ostsee-Ländern sowie im Südosten blühende Städte. So wurde diese "Wieder-Landnahme", die bis zum 14. Jahrhundert 900 000 Quadratkilometer erfasste, die Grundlage für das neue größere Deutschland. |
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