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Der Untergang der Kanonenboote "Adler" und "Eber" vor Samoa

Ein Gedenkblatt zum 50. Wiederkehr des 15. März 1889
Von Dr. Arthur Berger

Sieben Kriegsschiffe lagen im März 1889 vor Apia, der Hauptstadt der Samoa Inseln, vor Anker., als das Wetterglas in beängstigender Weise fiel. Noch waren die Matrosen damit beschäftigt, in aller Eile soviel wie möglich von der Takelage zu bergen, um dem zu erwartenden Sturm weniger Angriffsfläche zu bieten, da brauste der Taifun schon heran. Nur das englische Kriegsschiff "Calliope", mit starken Maschinen und besten Kohlen ausgestattet, konnte rechtzeitig Dampf aufmachen und, gegen die gewaltigen Wellenberge ankämpfend, den gefährlichen Hafen verlassen.

Auf hoher See ist die Gefahr für ein festgebautes Schiff selbst in dem wildesten Orkan nicht so groß wie in dem sogenannten Hafen von Apia, der nichts weiter darstellt als eine Bucht in den Korallenklippen, ohne jedweden Schutz. Und gerade diese stahlharten Korallen bedrohen die Schiffe, die vom Sturm an ihren Unterketten hin- und hergerissen werden, ihre Maschinen arbeiten lassen, um gegen die riesigen vom Weltmeer heranrollenden Sturzseen anzukämpfen, sich gegen sie zu behaupten. Reserveanker werden angebracht, um den Widerstand zu erhöhen. Aber sie fassen nicht recht in den Korallen. Der kleine "Eber" kommt bald ins Treiben, ebenso das amerikanische Kriegsschiff "Bandalia". Ihre Maschinen sind der Kraft des entfesselten Elements nicht gewachsen. Unheimlich schnell werden die beiden Fahrzeuge den weißüberschäumten Korallenbänken zugetrieben. Durch geschicktes Manövrieren gelingt es noch einmal, die Schiffe vor einem verhängnisvollen Schicksal zu bewahren. Sie kommen frei, um aber im nächsten Augenblick unter spritzenden Gischt, dem dichten Schleier des nun schon stundenlang auf sie herniederprasselnden Wolkenbruchs, verlieren die Schiffe sich gegenseitig aus dem Gesicht, um dann im nächsten Augenblick gegeneinander geworfen oder doch in beängstigender Nähe aneinander vorübergetrieben zu werden. Und noch immer schwillt die Wut des Cyklons. Dazu bricht schwarz die Nacht herein.

Im Dunkeln, allein von dem Bestreben beseelt, nicht an die Küste geworfen zu werden, nicht mit den anderen Schiffen zusammenzustoßen, arbeiten alle Mann an Bord. Nur die Lichter der Stadt zeigen, wo die gefährliche Küste liegt, deren Konturen unsichtbar sind. Unablässig heult der Sturm, brüllen die Wogen, schmettern die Sturzseen auf die Schiffe nieder. Krachend brechen brechen die Masten, treiben im Wasser, werden gegen die Schiffskörper geschleudert. Eine furchtbare Nacht. Ständig mehrt sich die Zahl der Verletzten, die im Sturm gegen die Maschinen und Eisenwände geworfen werden, gar manchen haben Sturzseen über Bord geschwemmt.

Grau, unheimlich bricht der junge Tag an. Keines der Schiffe gehorcht mehr dem Steuer und der Maschine. Mit gebrochenen Ruder, verlorenen Schrauben treiben sie im Hafen herum, prallen gegeneinander, reißen sich die Schanzkleidung weg, die stählernen Leiber auf. Und die Wogen spielen Fangball mit ihnen. Da packt eine gewaltige See den "Eber" wie ein Spielzeug, hebt das Schiff hoch in die Luft, um es im nächsten Augenblick auf die Klippen zu schleudern, zu zerschmettern. Mit Mann und Maus versinkt der "Eber" in die grausige Tiefe, nur fünf Mann, die über Bord gespült sind, werden wie durch ein Wunder auf die schmale, sandige Küste geworfen. Da wird dem Kommandanten des "Adler" gemeldet, daß die Maschine infolge eines Zusammenstoßes in Unordnung geraten ist. Schon hat eine Sturzsee auch dieses zweite Fahrzeug gefaßt, breitseits liegt es auf den kämmen.

Mit Entsetzen ahnen alle Mann an Bord das grausige, drohende Verhängnis, kein Zweifel, der "Adler" ist verloren und - schon werfen die Wogen, wie wenn sie des grausigen Spiels überdrüssig wären, das Schiff auf die Korallenbänke. Krachend, mit ungeheurem Getöse dröhnt der stählerne Rumpf auf das Gestein. Der Schiffsleib klafft, polternd brechen Masten, Gestänge, Schornstein und Schanzkleidung. Die Mannschaft wird, soweit sie sich nicht unter Deck befindet, auf die Klippen geworfen. Und doch, ein Glück im Unglück: Parallel zu der Wogenrichtung liegt das Schiff auf der Seite, hoch oben auf den Bänken, es bildet einen natürlichen Wall gegen die heranrollenden riesigen Wogenkämme, bietet der Mannschaft Schutz. Diesem Zufall ist es zu danken, daß von den 130 Mann nur 20 Mann ums Leben kamen. Die übrigen überdauern im Schiff den Sturm, andere, die über Bord gespült sind, werden trotz des Orkans von den mutigen Samoanern gerettet.

Als letztes deutsches Schiff kämpft noch die "Olga" den ungleichen Kampf gegen die übermächtigen Elemente. Und ihr gelingt es, trotz vieler Havarien, doch dem Schicksal zu entgehen. Zwar haben die Sturzseen die Luken eingeschlagen, überschwemmen das Schiff, so daß die Heizer fast von den feuern ertrinken, aber sie halten aus, die Maschinen arbeiten und im letzten Augenblick gelingt es dem Kommandanten, die "Olga" an einer der wenigen von Korallen freien Küstenstellen auf Strand zu setzen, zu retten.

Quelle: Köhler's Flotten Kalender 1939, von rado jadu 2000

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