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Samoa

Lage, Aufbau des Landes

Samoa, das beinahe die erste unsrer deutschen Kolonien geworden wäre, wurde tatsächlich erst zwanzig Jahre nach den ersten Kolonialdebatten im Reichstage erworben. Es ist die östlichste unsrer Besitzungen und liegt genau genommen schon auf der westlichen Halbkugel unserer Erde, denn es wird vom 172. Grade westlicher Länge geschnitten. Zugleich liegt es ziemlich weit südlich vom Äquator zwischen dem 13. und 14. Breitengrade.

Aus dieser Lage folgen zwei verkehrsgeographisch nicht unwichtige Tatsachen. Zunächst die außerordentlich große Entfernung von unseren übrigen Besitzungen, die bis zu der nächsten Insel Nauru, mehr als 2500 km beträgt. Sodann aber ergibt sich aus der so weit nach Südosten vorgeschobenen Situation der Inseln, daß ihre Verkehrsbeziehungen nicht mehr auf Asien, wohl aber auf Australien und Amerika hinweisen. Die von Sydney und Neuseeland ausgehenden Linien richten sich in einigen Fällen auch nach dem Hafen von Apia und ebenso besteht eine Verbindung dieses deutschen Hafens mit San Francisco.

Die Gruppe ist bekanntlich nur zu einem Teile deutsch. Doch umfaßt der amerikanische Besitz nur einige kleine Inseln mit nur etwa einem Achtel der von den deutschen Eilanden eingenommenen Grundfläche. Die ganze Gruppe besteht aus den beiden Hauptinseln Sawaii mit rund 1700 und Upolu mit 870 qkm, während die größte der amerikanischen Inseln, Tutuila, deren nur wenig über 130 zählt. Die übrigen, von denen nur Manua, ebenfalls zum amerikanischen Anteil gehörig, noch eine Größe von rund 40 qkm erreicht, gehören zu der Art der kleinen Inselchen. Reinecke gibt acht Inseln an, von denen vier dem deutschen Reiche unterstehen.

Die größte der beiden Hauptinseln, Sawaii, die die Form eines gedrungenen Rhombus besitzt, weist vorwiegend Steilküsten auf, die nur im Norden und Osten flacheren Uferlandschaften Platz machen. Die längliche, zwar nur halb so große, dafür aber bedeutend wichtigere Insel Upolu, durch einen 12 km breiten Kanal von Sawaii getrennt, ist leider in ihrer Küstenentwicklung auch nicht übermäßig günstig beschaffen. Als besonderer Nachteil muß gelten, das selbst der wichtigste Hafen, die weit nach Norden sich öffnende Bucht von Apia gegenheftige Stürme und schweren Seegang nur unvollkommenen Schutz zu gewähren vermag.

Während die flacheren Küstenstrecken von Korallenriffen umgeben werden, sind die Inseln selbst durchweg ein Erzeugnis vulkanischer Vorgänge. Basaltgetrümmer, daneben Lavamassen, Tuffe, vulkanische Aschen bilden den Grundbestandteil des Bodens. Die schnell fortschreitende Verwitterung und die Arbeit des Wassers haben jedoch in den tiefen Teilen und in der Nähe des Meeres zur Bildung weichgründiger Böden von stellenweise sehr großer Fruchtbarkeit geführt.

Sawaiis vulkanische Berggebiete tragen den Charakter eines die Insel, namentlich im Westen und Süden, erfüllenden ausgedehnten Palateaulandes, über dem sich eine ganze Anzahl von Krater -und Vulkangipfeln erheben. Die höchsten steigen mit 1600-1700 m etwa bis zur Höhe der Schneekoppe empor.

Ein wenig mehr in Form einer die ganze Insel durchziehenden Gebirgskette von Upolu entwickelt. Doch lösen sich nach Reineke östlich von dem Kulminationspunkt Upolus, dem 1000 m hohen Lepue, diese westöstlich streichenden Bergzüge in einzelne durch tiefe Senken voneinander getrennte Massive auf, die das landschaftliche Bild zu einer höchst reizvollen gestalten.

Klima, Pflanzen -und Tierwelt

Klimatisch ist die Samoagruppe selbstverständlich durchaus tropisch. Die Jahrestemperatur von Apia beträgt nach achtzehnjährigen Beobachtungen rund 26°, die Jahresschwankung ist auch hier noch eine außerordentlich geringe, denn der wärmste Monat, der Dezember, unterscheidet sich mit einem Temperaturmittel von 26,3° nur um etwa anderthalb Grade von dem kühlsten Monat, der hier, der Lage entsprechend, auf den Juli fällt.

Gleichwohl wird auch von Samoa dasselbe gerühmt wie von vielen anderen Südseeinseln. Der Passat, der während der kühleren Jahreszeit weht, wirkt besonders erfrischen, und nach Reinecke herrscht unangenehme Hitze überhaupt nur bei Windstille, die am häufigsten in der Zeit von November bis März zu erwarten ist.

Außerordentlich groß ist der Regenreichtum Samoas. Nach der Regenkarte Samoas von Maurer haben nur die äußersten Nordwestspitzen von Sawaii und Upolu eine unter 250 cm hinabgehende Niederschlagsmenge, ein schmaler, den Westen der beiden Inseln und den Nordwesten von Upolu einnehmender Streifen besitzt eine mittlere Regenhöhe von 250 bis 350 cm, ebenso die südöstliche Küstenzone, während weitaus der größte Teil des Innern und die ganze Südküste eine Niederschlagshöhe von mehr als 350 cm aufweist. Apia besitzt z.B. eine solche von nicht viel weniger als 3 m.

Die Zeit des Regens entspricht, obwohl es eine eigentliche Trockenzeit, d.h. sehr regenarme Monate überhaupt nicht gibt, den auf der Südhalbkugel herrschenden Zuständen, d.h. die Hauptmenge des Niederschlags, in vielen Fällen bis zu drei Vierteln desselben, gelangt in der Zeit des Südsommers zu Boden.. Daß auf der Südseite die Jahresmenge gleichmäßiger verteilt ist, liegt jedenfalls daran, daß hier der Passat durch die nahen Gebirgsmassen sich in einen Regenwind zu verwandeln veranlaßt wird.

Wie die mikronesischen Inselgruppen liegen auch Samoa innerhalb jener Zone der tropischen Gewässer, in welcher von Zeit zu Zeit jene furchtbaren Wirbelstürme herrschen, gegen die hier leider kein Hafen ausreichend Schutz zu gewähren vermag. Bekannt sind die Zerstörungen, die ein solcher Orkan unter den im Hafen von Apia ankernden Kriegsschiffen angerichtet hat.

Gesundheitlich gehört das Samoagebiet zu den bevorzugten Teilen unseres Südseebesitzes. Auch der allgemeine Gesundheitszustand der farbigen Bevölkerung ist gut; dies spricht sich unter anderem in einer im Südseegebiete leider seltenen, dafür aber um so erfreulicheren Erscheinung aus, nämlich in den hohen Überschuß der Geburten über die Sterbefälle.

Noch eine andere Erscheinung des Naturlebens kann auf Samoa im engsten Zusamenhange mit dem Klima betrachtet werden. Mehr, als man bei dem Regenreichtum annehmen sollte, sind die festländischen Gewässer daselbst von der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge abhängig. Wenngleich auch der Bau des Felsgerüstes in der Armut an Oberflächenwasser, welche für Sawaii bezeichnend ist, eine Rolle spielt-u.a. vergleicht Reinecke ihren Boden treffend einem riesigen Sieb-, so ist es doch namentlich im Westen die Verteilung der regen, welche in der weniger feuchten Jahreszeit die Flüßchen versiegen läßt. Sie gleichen auf diese Weise geradezu den Wasserläufen eines Steppenlandes. Auf Upolu dagegen ist nur der Nordwesten arm an fließenden Gewässern, ja im Süden sogar mit das ganze Jahr gleichmäßig fließenden Adern versehen, während sich im Norden überall noch ein starker Gegensatz in der Wasserführung während der einander entgegengesetzten Jahreszeiten bemerkbar macht. Eine besondere, landschaftliche wirksame Erscheinung bilden endlich die seeartigen Wasseransammlungen in den Kratern einiger heute nicht mehr tätiger Vulkane. Immerhin ist die Wasserfrage infolge des Verrinnens der Flußläufe auch auf der Nordseite von Upolu, ehe sie die Küste erreichen nicht ohne Bedeutung.

Die Pflanzenwelt Samoas weist etwa die gleichen Arten auf wie die übrigen Inseln der polynesischen Gruppen. Mangrovenbestände, Pandanus, Brotfruchtbäume und Kokospalmen sind unter den Gewächsen der Küstenregion besonders zu erwähnen. Das Innere ist außerordentlich stark bewachsen, doch ist der Urwald von der Küste aus an den meisten Stellen zurückgedrängt worden. Riesige indische Feigen sowie andere Hochstämme bilden den Hauptbestand, während das Unterholz nach Reinecke weniger entwickelt ist. Dagegen gedeiht zwischen ihnen eine Reihe kleinerer Holzgewächse, Myrtazeen, Muskatbäume und andere, und vor allem sind es Farne, Orchideen, Moose und Klettergewächse, welche in der feuchten Luft dieser Urwälder eine dichte Bekleidung des Bodens wie der Baumstämme bilden.

Unter den heimischen Nutzgewächsen stehen die Kokospalme und der Brotfruchtbaum an erster Stelle. Neben ihnen sind eine Art eßbarer Kastanie, eine aus Südasien stammende Apfelsine sowie eine wild wachsende Zitrone und der ebenfalls aus Südasien eingewanderte Mangobaum zu erwähnen. Die eigentliche Nährfrüchte, obenan die Banane, Yams und die Tarofrucht, zu denen hier auch das Zuckerrohr in größerer Menge kommt, sind vorwiegend die gleichen wie in den übrigen Südseegebieten. Auch der Tabak wird von den Samoanern viel gebaut.

Die plantagenmäßig gezogenen Gewächse werden bei der Besprechung der Produktion berücksichtigt werden. Von den ursprünglich vorhandenen Nutzgewächsen kommt in höherem grade nur die Kokospalme in Betracht, die ja zu den Welthandelsgewächsen gehört.

Die höhere Tierwelt ist wie überall in der Südsee außerordentlich arm. Eine Art fliegender Hund sowie verwilderte Schweine und eine Anzahl von Tauben bilden die Hauptvertreter der frei lebenden Tierwelt, zu denen sich noch eine Reihe von See - und Küstenvögeln als halbe Landbewohner gesellen. Einige wenige Reptilien vervollständigen die Liste der interessanteren Tiere, zu denen indessen auch hier eine reichhaltige Meeresfauna tritt. Seeschildkröten, Holothurien, zahlreiche Fische, unter denen auch der gefürchtete Menschenhai wie überall in diesen Meeren sehr häufig ist, sowie der merkwürdige, von den Samoanern gegessene Palolowurm mögen hier erwähnt werden.

Bevölkerung

Die Samoaner, nach Reinecke ein außerordentlich wohlgebildeter Stamm, gelten als die reinste Ausprägung des polynesischen Rassentypus. Tüchtige Ackerbauer, auch als Schiffer und Fischer tätig, haben sie es sogar in einigen gewerblichen Beschäftigungen zu hoher Vollendung gebracht. Berühmt sind u.a. iher Mattenflechtereien und Holzschnitzereien.

Bei der Größe der von den Hauptinseln eingenommenen Flächen kann man hier Volksdichte-Zahlen geben, wobei allerdings berücksichtigt werden muß, daß die Bevölkerung ganz vorwiegend in der Nähe des Meeres lebt und das Innere menschenleer ist. Wir besitzen bisher nur das Ergebnis einer Volkszählung aus dem Jahre 1906, wonach auf der Hauptinsel Sawaii um 12 800, auf Upolu und seinen kleinen Nachbarinseln dagegen 20 700 Samoaner lebten. Dies würde eine Dichte von 7 bis 8 auf der größeren und von rund 24 auf den kleineren, dafür aber um so höher kultivierten Insel entsprechen, doch sind, wie gesagt, bei der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerung diese Durchschnittszahlen ohne besonderen Wert. Trotz der nicht übermäßig großen Zahl von Eingeborenen betrug im Jahre 1908 der Überschuß der Geburten über die Todesfälle 433.

Zu den Samoanern reinen Stammes kommen noch (im Anfang des Jahres 1909) rund 980 Mischlinge, ferner 750 Vertragsarbeiter aus den melanesischen Teilen der Südseeinseln und endlich eine größere Anzahl von chinesischen Kulis; die Zahl dieser zuletzt genannten Klasse von Arbeitern belief sich auf mehr als 1100.

Die weißen Bewohner der deutschen Samoainseln hatten am 1. Januar 1909 bei einer Kopfzahl von 468 eine Zunahme gegen das Vorjahr von 32 Personen erfahren. Die weitaus meisten Europäer sind auf Upolu ansässig, nämlich 441, woraus besser als aus anderen bevölkerungsstatistischen Angaben die überwiegende wirtschaftliche Bedeutung der kleineren Ostinsel erhellt. Der Staatsangehörigkeit nach waren 270 von diesen Deutsche, demnächst 113 Engländer, während alle anderen Nationen einschließlich der Amerikaner nur verhältnismäßig schwach vertreten waren.

Berücksichtigt man die Berufsverteilung, so ist zunächst festzuhalten, daß von 35 Regierungsbeamten immerhin 23 in ihrer Eigenschaft als Techniker, Bauleiter, Pflanzer usw. eigentlich den produktiv tätigen Ständen beizurechnen sind. Diesen gehörten, jene eingerechnet, von den 328 zu Anfang 1909 vorhandenen erwachsenen Männern insgesamt 239 an, d.h. 73 von Hundert. Das ist ein im Vergleich mit den meisten übrigen Schutzgebieten außergewöhnlich günstiges Verhältnis.

Unter den verheirateten Europäer ist die Mehrzahl mit farbigen Frauen verbunden. Wenngleich die Samoaner bedeutend höher eingeschätzt werden dürfen, als die übrigen in unseren Schutzgebieten lebenden Farbigen, so ist gleichwohl ein solches Übergewicht dieser Mischehen zwischen mehreren Rassen über die europäische sehr zu bedauern.
Die Bewegung der europäischen Bevölkerung bestätigt endlich das über die Gesundheit der Inselgruppe Gesagte. Die Zahl der Todesfälle, die im Jahre 1907 2,7 % betragen hatte, sank im Jahre 1908 auf 1,5% herab. Bezeichnenderweise erfolgte in beiden Jahren kein einziger Todesfall an Malaria, Schwarzwasserfieber oder Dysenterie.

Produktion

Hinsichtlich des produktionsfähigen Landes, eine für die Zukunft Samoas recht wichtige Frage, begegnen wir verschiedene Schätzungen. Während Wohltmann insgesamt etwa ein Drittel der Inseln für Pflanzungsanlagen geeignet schätzt, kommt Reinecke zu dem Ergebnis, daß hierzu nur etwa 800 qkm geeignet seien. Immerhin auch noch ein recht günstiges Resultat.

Zu den produktionsfähigen Gebieten dieser Art wird in Zukunft jedenfalls auch der Wald kommen. Er enthält nach den Untersuchungen seiner Hölzer durch Funk und Sprengel eine Reihe von Hölzern, die, wenngleich sie von den Eingeborenen nur zum Hausbau sowie zur Herstellung von Kanus und anderen Gebrauchsgegenständen heimischer Art verwendet werden, durchaus zur Benutzung in europäischen Werkstätten und zur Herstellung von Möbeln, Parkettböden und Arbeitsgeräten aller Art geeignet sind.

Die Lage der Produktionsgebiete läßt Upolu, dessen Nordhälfte günstiger ist als die südlichen Landschaften, als die für Bodenkulturen besser geeignete Insel erscheinen. Sawaii ist dagegen nicht allein wegen der größeren Ausdehnung seiner hohen Gebirge, sondern auch aus dem Grunde weit ärmer an anbaufähigen Flächen, weil namentlich auf seiner Nordseite Lavafelder jüngsten Ursprunges weite Flächen bedecken. Diese sind aber dort noch nicht weit genug in der Verwitterung vorgeschritten, um bereits Anspruch auf die Bezeichnung kulturfähigen Bodens erheben zu können. Die tatsächlich vorhandenen Pflanzungen liegen denn auch auf Sawaii fast nur in dem weniger hohen südöstlichen Teile der Insel; auf Upolu liegen sie, den trockneren Teil der Nordküste vermeidend, im äußersten Westen und breiten sich namentlich in der Mitte der Nordküste aus. Aber auch an der Südküste finden sich eine Reihe von Anpflanzungen.

Wenn hier etwas ausführlich bei der Lage der Plantagengebiete verweilt wurde, so hat dies seinen Grund, da der Pflanzungsbetrieb auf Samoa bereits in hervorragendem Maße entwickelt ist und da die Gruppe in dieser Beziehung unseren Gesamten übrigen Südseebesitz übertrifft. Schon die bloße Berücksichtigung des Betriebes zeigt das. Waren doch im Berichtsjahre 1908/09 47 000 ha Plantagenland vorhanden, von denen 6500 ha, fast 700 mehr als im Vorjahre, angebaut waren. Welche Bedeutung diese Betriebe im wirtschaftlichen Leben der Kolonie spielten, ergibt sich daraus, daß auf jenen 6500 ha im ganzen 59 europäische Beamte und mehr als 1600 farbiger Arbeiter beschäftigt waren. Von der im angeführten Jahre bereits angebauten Fläche waren 4 250 ha ertragfähig. Die schnelle Entwicklung der Pflanzungen zeigt sich auch hier in dem Mehr gegenüber dem Vorjahre, das beinahe 400 ha betrug.

Die Hauptfläche des angebauten Landes nimmt, wie überall in der Südsee, so auch hier die Kokospalme ein. Wie weit ihre Bedeutung reicht, ergibt sich nicht allein aus der Tatsache, daß beinahe drei fünftel aller unter Kultur genommenen Flächen mit ihr bepflanzt sind, sondern auch aus der Zahl der Bäume, die im Anfange des Jahres 1909 sich auf 455 000 belief. Neben dieser edelsten aller Palmen begegnen wir aber auf Samoa noch einem zweiten für den Welthandel wichtigen Gewächs, dem Kakaobaum, mit dem nicht weniger als ein Viertel der gesamten Anbauflächen bestanden ist. Von der fast eine Million umfassenden Anzahl der im genannten Jahre gesetzten Bäume waren allerdings erst 370 000 ertragfähig.

Außer der beiden genannten Pflanzen erfreuen sich die Kautschuk liefernden Pflanzen besonderer Beachtung. Mit ihnen ist bisher etwa ein Achtel der Kulturfläche besetzt worden. Mit Handelsgewächsen bestanden ist im übrigen nur ein kleines Areal, darunter etwa 30 ha mit Kaffee, dessen Ernte jedoch im Lande selbst verbraucht wird.

Die hier aufgeführten Welthandelsgewächse gedeihen im allgemeinen recht gut auf den Inseln. Von neuerdings eingeführten Gewächsen bieten namentlich die Kautschukpflanzen Aussicht auf gutes Gedeihen.

Auch etwas Viehzucht sehen wir in Deutschsamoa betrieben. Selbst Pferdezucht findet auf den Inseln statt. Obwohl die Großviehzucht selbstverständlich in erster Linie von Europäern betrieben wird, gab es im Bereich ihrer Plantagen 1908/09 bereits über 300 Pferde sowie mehr als 4 500 Rinder.

Die Fortschritte, deren sich das Schutzgebiet seit der Besitzergreifung durch Deutschland zu erfreuen gehabt hat, lassen sich auch aus der verhältnismäßig großen Zahl der gewerblichen und landwirtschaftlichen Unternehmungen erkennen, deren es, wenn wir von den Ärzten absehen, in dem mehrfach angeführten Berichtsjahre bereits 95 gab, von denen allein 30 Pflanzungsunternehmungen waren. Für das im Vergleich zu den übrigen unter der Herrschaft des Reiches stehenden Schutzgebieten weitaus regere Leben ist bezeichnend, daß unter den gewerblichen Unternehmungen sich auch eine Buchdruckerei befindet, von deren Verlag das einzige bis jetzt im deutschen Südseegebiet erscheinende Blatt, die Samoanische Zeitung, herausgegeben wird.

Handel und Verkehr

Samoa zeigt auch in seinem Handel, daß es unter unseren Südseegebieten die erste Stelle einnimmt, wenn man von einem Vergleich mit der Ausfuhr von Nauru absehen will. Die Handelsbewegungen der Inselgruppe läßt vor allem erkennen, daß das Gebiet auch als kaufkräftiges Land eine Rolle spielt, in der es alle anderen Teile unseres Südseebesitzes um ein Beträchtliches überflügelt. Die Summe der Einfuhr des Jahres 1908 mit rund 2 1/2 Millionen Mark übertrifft nämlich selbst diejenige des Bismarckarchipels im gleichen Jahre um hunderttausend Mark. In der Ausfuhr, welche im genannten Berichtsjahre einen Wert von nicht viel weniger als 2 700 000 Mark erreicht hat, steht Samoa in noch hervorragenden Grade an erster Stelle, wenn wir von dem Wert der aus der Südsee stammenden Phosphate absehen.

In der Einfuhr begegnen uns unter den besonders aufgeführten Waren nur zwei große Posten. Der eine, welche Verzehrungsgegenstände ohne Einrechnung der Getränke umfaßt, erscheint mit über einer Million Mark reichlich hoch, da die Inseln unbedingt imstande sind, die zur Ernährung nötigen Dinge selbst in ausreichender Menge zu liefern. Der zweite spricht dagegen für die nicht unbedeutende Kaufkraft auch der Eingeborenen, da er jedenfalls zum großen Teil auf diese entfällt. Es sind Gewebe und Bekleidungsgegenstände, die mit 520 000 Mark aufgeführt werden. Ein etwas größeren Posten wird endlich noch von den zu Bauzwecken eingeführten Hölzern und anderen Dingen eingenommen, nämlich 150 000 Mark.

In der Ausfuhr steht auch hier das Haupthandelsgut der Südsee, die Kopra, an weitaus erster Stelle. Aber in einer Menge, welche die von den übrigen Schutzgebieten ausgeführten Massen in hervorragenden Grade übertrifft. Denn während die sämtlichen anderen Besitzungen des Deutschen Reiches im großen Ozean im Jahre 1908 nur rund 8 1/2 Millionen Kilogramm Kopra zur Ausfuhr brachten, betrug die von Samoa allein zu derselben Zeit auf den Weltmarkt gelieferte Menge 10 1/4 Millionen. Neben diesem Produkte der Kokospalme treten zwar die anderen Erzeugnisse des Plantagenbaues noch ganz in den Hintergrund, doch ist hier ein zweiter Gegenstand des Welthandels immerhin schon mit einer recht nennenswerten Summe, mit einer Viertelmillion Mark, vertreten. Es ist der Kakao, dessen Ausfuhrmengen zugleich die Fortschritte der Pflanzungen deutlich erweisen, denn von dem Erzeugnis dieser wertvollen Kulturen wurden 1908 bereits
204 000 Kilogramm über See gesandt gegen erst 117 000 im Vorjahre.

Auch hier äußert sich die Weltlage der Inselgruppe recht deutlich in den geographischen Handelsbeziehungen. Australien und die Südseeländer stehen durchaus an der Spitze der an der Einfuhr beteiligten Gebiete, denn auf sie entfallen mit 1 640 000 Mark nicht weniger als genau zwei Drittel vom Werte der Gesamteinfuhr des letzten Berichtsjahres. Deutschland folgt erst in sehr weitem Abstande mit nicht viel mehr als einem Fünftel (22%) und demnächst sind die Vereinigten Staaten noch mit rund 7 von Hundert beteiligt, während der englische Einfuhrhandel verschwinden gering ist. Umgekehrt steht es mit der Ausfuhr, deren Hauptgegenstand, die Kopra, ja in Europa in größerem Umfange zur Bearbeitung gelangt als in Australien. Unter den Bestimmungsländern der Samoa verlassenden Waren steht daher Deutschland mit rund Fünfviertel Millionen Mark an der Spitze. Diese Summe entspricht beinahe der Hälfte (47%) der gesamten Ausfuhr des Jahres 1908. Hinter dem Reiche kommt Australien mit 891 000 Mark Beteiligung an den Ausfuhrgütern gleich einem Drittel. Die Vereinigten Staaten dagegen werden in diesem Falle von den Ländern des außerdeutschen Europa erheblich übertroffen.

Der Verkehr, der früher auf den Inseln durch die schlechte Beschaffenheit der Verbindungen zu leiden hatte, ist neuerdings durch die Anlage von Straßen und Wegen erleichtert worden. Für den Schiffsverkehr kommt eigentlich nur der Hafen von Apia in Betracht, dieser aber ist dafür recht gut belebt. Selbst wenn man von den Kriegsschiffen absieht, von denen der Hafen im Jahre 1908 sechzehnmal angelaufen wurde, ist derselbe ziemlich bedeutend. Im genannten Jahre wurden insgesamt 114 Schiffe gezählt, darunter allein 83 Dampfer. Der Registertonnengehalt aller dieser Fahrzeuge betrug beinahe 120 000.

Quelle: Die Deutschen Kolonien II, Das Südseegebiet und Kiautschou von Professor Dr. K.Dove, Göschen'sche Verlagshandlung 1911, von rado jadu 2000

 

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