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Sobald ich meine Kräfte wiederkehren fühlte, machte ich neue Pläne. Ich hatte in Sydney erfahren, daß im Inneren von Neuguinea Goldsucher auf unbekannte Eingeborenenstämme gestoßen waren. Ich nahm an, daß diese Eingeborenen im Verkehr mit den weißen in kürzester Zeit ihre Kultur aufgeben würden, es somit höchste Zeit, ja vielleicht der letzte Augenblick sie, mit ethnologischen Untersuchungen zu beginnen. Übrigens mußte auch die Küste der großen Insel noch so manches Interessante bieten. In den letzten Jahren waren einige gute Veröffentlichungen englischer Forscher über die Küstenbevölkerung Neuguineas erschienen. Aber die Engländer legten den Hauptwert auf die geistige Kultur der eingeboren und vernachlässigten allzu stark die materielle. Die reichen Sammlungen, die sich aus früherer Zeit in unseren Museen befinden, umfassen nur Teile der materiellen Kultur und stammen von Eingeborenen aus ganz anderen Gebieten. Diese eingeborenen sind heute längst zivilisiert und haben ihre ursprüngliche Eigenart verloren. Wie soll nun aber die Wissenschaft, die sich mit Herkunft, Wanderung und Kulturzusammenhängen der Völker befaßt, die materielle Kultur der alten Sammlungen mit den geistigen Elementen, die die englischen Forscher in anderen Gebieten festgehalten haben, in Einklang bringen? Da hieß es nun eben, diese Völker zu besuchen, bevor auch sie ihr Leben der alles gleichmachenden Zivilisation unterworfen haben. Auf diese Erwägungen hin entschloß ich mich denn, nach Neuguinea aufzubrechen. Die Küste dieser großen Insel wird von den verschiedensten Dampfern befahren. Ich belegte eine Platz auf einem komfortablen Stahlriesen und fuhr nach Port Noresby, der Hauptstadt von Papua. Papua ist der ehemals englische Teil von Neuguinea, der heute ebenso wie deutsch Neuguinea von Australien verwaltet wird. In Port Moresby lernte ich den Gouverneur Sir Hubert Murray kennen, einen Engländer, dessen Ruhm als Kolonisator weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus gedrungen ist. Er hat innerhalb der Verwaltung Neuerungen eingeführt, die sehr segensreiche Folgen aufwiesen. Unter anderem wurde ein berufsmäßiger Ethnologe angestellt, der zu prüfen hat, ob die Verordnungen der Regierung sich für das Gedeihen der Eingeborenen nicht schädlich auswirken. Der Laie wird vielleicht der Ansicht sein, daß man hierzu keinen Beamten benötigt, sondern daß der gesunde Menschenverstand genügen müsse. Doch so einfach liegt die Sache leider nicht. Es gibt in der Südsee riesige Gebiete, in denen man die hygienischen Verhältnisse bedeutend verbesserte, Zauberei und Kopfjagden abschaffte und sich ehrlich bemühte, die Lebensbedingungen nach europäischen Vorbild zu gestalten, und trotzdem starben die Eingeborenen aus. Je tiefeingreifender die Änderungen waren, um so rascher. Man konnte sich das nicht erklären, suchte und fand eine menge Ursachen, trachtete dieselben auszuschalten, und das Ergebnis blieb dennoch unverändert. Die Eingeborenen sind in ganz hervorragender Weise für ihr durch die Umwelt bedingtes primitives Leben spezialisiert. Einen uralten Naturgesetz zufolge nimmt aber die Spezialisierung eines Lebewesens auf Kosten der Anpassungsfähigkeit zu. Ändert man nun die Umwelt der Eingeborenen, sei es auch mit der besten Absicht, so vermögen sie nicht sich umzustellen. Sei sterben eben aus. Sir Murray hat nun den Versuch gemacht, die Eingeborenen mit ihren Sitten und Gewohnheiten, sozusagen mit ihrer ganzen Umwelt, in die europäische Zivilisation einzugliedern, obwohl dies viel schwieriger ist, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Tatsächlich geht, den vielen Epidemien zum Troß, deren Einschleppen sich infolge des Schiffsverkehrs nicht verhindern läßt, die Bevölkerung in seinem Gebiet nicht zurück. Sie nimmt allerdings auch nicht zu, doch ist dies schon als voller Erfolg zu werten, wenn man den katastrophalen Bevölkerungsrückgang in anderen Teilen der Südsee kennt. Im Sinne der Kolonisation gesprochen, gelang es somit den Gouverneur, einem lande in dessen überwiegenden Teilen die klimatischen Verhältnisse jedem Angehörigen der Weißen Rasse Psyche Arbeit verbietet, die Eingeborenen Arbeitskräfte zu erhalten. Quelle: Südsee von Hugo Adolf Bernatzik, Deutsche Buchgemeinschaft Berlin; © 1934 by Bibliographisches Institut AG., Leipzig; © by jadu safa 2003
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