zurück

Ein seltener Ameisenigel

Bekanntlich leisten die Herren Bildhauer sich in übermütiger Künstlerlaune gelegentlich einmal einen sogenannten "Archtiktenscherz". Und daß unser größter und erhabenster Architekt, Mutter Natur, von derartigen Anwandlungen keineswegs frei ist, beweist ein Gebild, das sie in einer gar wunderlichen Ekstase ihrer unermeßlichen Schöpferkraft geformt zu haben scheint.

Denn nebenstehend abgebildeten Individuum, das doch genau so aussieht, als ob sein Vater ein Stachelschwein, seine Mutter ein Zwergelefant gewesen wäre, ist ein tatsächlich auf Neuguinea lebendes Tier, das seinem ganzen Wesen nach zu den Ameisenigeln — einer Gattung der Kloakentiere oder Monotremen — gehört. Es ähnelt den beiden schon früher bekannten Arten, von denen eine Australiens Gebirgsgegenden, die andere Tasmanien und Neusüdwales bewohnt, wie ein Ei dem andern.

Gleich seinem Vettern besitzt dieser Ameisenigel, den die Gelehrten Zaglos = sus bruyni getauft haben, auf der Oberseite ein weniger schönes, als im Kampf gegen Feinde recht nützliches dichtes Stachelkleid, das sich in einem dichten, schwarzen Pelze versteckt. Sein Kopf verlängert sich in einen langen, dünnen, walzenförmigen Schnabel, an dessen Spitze die enge, schmale Mundöffnung sitzt. Aus dieser schnellt der Ameisenigel seine wurmförmige, mit kleinen, spitzen, stachelartigen Warzen bedeckte Rollzunge hervor, um seine aus Würmern und Kerfen, hauptsächlich aber aus Ameisen und Termiten bestehende Nahrung damit nach Art der Wurmzüngler (z.B. das Chamäleon) einzuheimsen. Aus Speicheldrüsen wird die Zunge nämlich mit einem Schleim versehen, so daß die Ameisen wie auch Sand und Holzkrümchen, die das Tierchen zur Verdauung braucht, kleben bleibt. Hat sich die Zunge genügend gefüllt, so zieht der Ameisenigel sie rasch wieder ein. Sein Leibgericht sind — wenigstens in der Gefangenschaft— Regenwürmer, mit denen er, wie es die Abbildung zeigt, sehr geschickt fertig wird. Er schiebt sie mit den Vorderpfoten so zurecht, daß seine Zunge sie an dem spitzen Kopfende packen kann, und dann sind die unbeholfenen Würmer fabelhaft flink verschwunden.

Auch in der Freiheit sind den Ameisenigeln die mit scharfen Krallen versehenen Klauen bei der nächtlichen Nahrungssuche, bei der sie jede Erdspalte untersuchen und alles Genießbare hervorscharren, eine große Hilfe.

Die Tiere Australiens und der umliegenden Inseln, zu denen auch Neuguinea gehört, zeichnen sich durch Eigentümlichkeiten aus, die man bei den Tieren anderer Erdteile gar nicht findet. Sie stehen fast alle auf Zwischenstufen der Entwicklung, die bei den australischen Tieren es fast unmöglich machen, festzustellen, ob sie zu den Vögeln, zu den Reptilien oder zu den Säugetieren gehören. Besondere Schwierigkeiten verursacht bei der wissenschaftlichen Klassifizierung der Ameisenigel. Er legt dotterreiche Eier von ungefähr 1 ½ Zentimeter Durchmesser, er hat im Skelett und im Kopfe Knochen, die man sonst nur beim Vogel findet, aber er ist doch kein Vogel, trotzdem er auch einen Schnabel hat. Die anderen Ameisenfresser besonders Australiens und Südamerikas sind Beuteltiere, die ihre Jungen in halbfertigem Zustande gebären und dann in der Beuteltasche ausreifen lassen. Der Ameisenigel hat keinen Beutel und gebiert keine lebendigen Jungen. Aber das Ei, das das Weibchen gelegt hat, brütet es nicht etwa aus, sondern sie verbirgt es auf ihrer Brust in einer Hautfalte, aus der sich allmählich doch eine Art Beutel bildet, der nur ganz wo anders sitzt, als bei den Beuteltieren. In dieser Hautfalte wird das Ei reif, das junge kriecht aus und wächst zusammen mit der Hautfalte.

Ameisenigel

Da es aber Nahrung braucht, das Ameisenigelweibchen aber keine Zitzen hat, müßte das Junge verhungern, wenn sie nicht auf dem Grunde der Hautfalte eine klebrige Flüssigkeit absondern würde. Diese leckt das Junge auf und ernährt sich davon. Wegen der Absonderung dieser milchartigen Flüssigkeit glaubt man sich berechtigt, den Ameisenigel zu den Säugetieren zu zählen, und zwar zu den untergeordnetsten Gattung derselben, zu den Kloakentieren. Aber auch unter diesen nimmt das Tier wiederum eine Sonderstellung ein und unterscheidet sich betreffs des Ausbrütens der Eier vollständig von seinem Gattungsgenossen, dem Schnabeltier.

Sehr empfindlich sind die Tiere gegen größere Temperaturschwankungen, was mit ihrer abnormen Blutwärme zusammenhängt. Während diejenige anderer Säugetiere 37° — 38° C beträgt, hat das Blut der Ameisenigel nur eine Wärme von 28° C. Sinkt die Temperatur unter 5° C, so muß das Tier wie ein Murmeltier sich zum Winterschlafe in eine Erhöhung zurückziehen. Und ebenso schädlich, wenn nicht noch schädlicher, wird dem Ameisenigel große Hitze; übersteigt die Luftwärme 35° C, ohne das er sich dagegen zu schützen vermag, so schnellt seine Bluttemperatur plötzlich auf 38 ° C empor, und wie bei einem vom Blitzschlage getroffenen Menschen endet eine Gehirnlähmung das Leben des Ameisenigels von Neuguinea.

Quelle: Das große Weltpanorama, Verlag W.Spemann, von rado jadu 2001

Tachyglossidae (=Familie)
Bilder
Mythen

Ameisenigel lehrt Überleben im Weltall



© Copyright 2000 by JADU

www.jaduland.de

 

Webmaster