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Gold in der deutschen Südsee

Der Leiter der Brandenburgischen Marine, Benjamin Kaule, schrieb im Jahre 1683 nach Errichtung der Feste Groß-Friedrichsburg von der Goldküste an den Großen Kurfürsten: "Es ist kein Mensch so unverständig, um nicht zu wissen, daß man im ersten Jahre von einem neugepflanzten Baum keine Früchte brechen kann." Diese Worte sollte jeder beherzigen, der leichtsinnig eine Erörterung der Kolonialfrage mit der Bemerkung ablehnt, Kolonien nützen uns nichts, die kosten nur Geld! Warum, so müssen wir uns fragen, halten die großen Kolonialstaaten an ihren Überseebesitzungen fest, warum will man dem neuen Deutschland unsere Überseegebiete vorenthalten?

Die Entwicklung unserer Kolonie, die wir als Neuland übernahmen, konnte natürlich nicht so schnell vor sich gehen. Ihre Grund- und Bodenschätze sind jedoch so reich, daß an ihrem Gedeihen niemals gezweifelt werden kann.

Kamerun und Togo werden in französischen Fachblättern als kommende Fruchtkammern der Welt bezeichnet. In Deutsch-Südwest und in unserem Ostafrika sind Gold- und Diamantenlager sowie Mineralien aller Art entdeckt worden. Aufsehenerregend sind aber die Nachrichten aus Kaiser-Wilhelmsland über die ungeheuren Goldfunde, an deren Bergung sich deutsche Pioniere in hervorragender Weise bestätigen. Schon kurz vor dem Kriege wurden von deutschen Expeditionen Goldlager entdeckt, deren Ausbeute durch die späteren Ereignisse leider unterblieb.

Ein kleines Papuadorf im Kaiser-Wilhelmsland, Bulalo, 70 km von Huonbai entfernt, gelangte kürzlich zur Weltberühmtheit. Man sprach von einem zweiten Klondyte und doch blieb der erwartete Goldsturm aus. Selbst die mutigsten der Mutigen waren auf der Suche nach dem kostbaren Metall den Strapazen des Urwalds mit seinen Fiebern, giftigen Insekten und Kopfjägern nicht gewachsen. Mehr als einer von ihnen trat den Marsch ins Innere an, ohne das verheißungsvolle Dorf zu erreichen. Die Regierung von Australien, der das Land unterstellt ist, sah ein, daß die Schätze ungehoben bleiben würden, wenn nicht eine leichtere Verbindung ihre Erschließung ermöglichte. Der Bau einer Bahn kam infolge der enormen Gestehungskosten nicht in Frage. Infolgedessen entschied man sich zur Einrichtung eines Luftverkehrs, der von der "Guinea Airways Ltd." übernommen wurde. Die Gesellschaft stellte englische und amerikanische Flugzeuge in den Dienst, deren Holzkonstruktionen aber unter der Einwirkung des tropischen Klimas im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Leim ging. Ebensowenig waren die Maschinen den schwierigen Start- und Landeverhältnissen gewachsen; die Linie erwies sich als ein totgeborenes Kind.

Da kamen drei deutsche Frachtflugzeuge an, ganz aus Metall gebaut. Aus Dessau an der Mulde kamen sie, um ihr Glück im Urwald von Neuguinea zu versuchen. Die Direktion der Luftlinie sah die blanken Vögel zunächst sehr skeptisch an, aber sie gelangten heil nach Bulalo, und die Goldgräber empfingen die deutschen Flugzeuge mit lautem Hurra! Sie saßen schon etliche Jahre goldsuchend unter den Eingeborenen, ohne für ihre Mühe einen blanken Heller und, was wichtiger war, die für den Lebensbedarf notwendigsten Dinge zu bekommen.

Die Maschinen brachten die Ausbeute an die Küste, wo schon die Aufkäufer warteten. Für den Erlös brachten die deutschen Flieger Zeltbahnen, Handwerkszeug, Arzneimittel und Konserven; auch neue Goldgräber kamen mit ihnen nach Bulalo. Während die ersten Waghälse sich in monatelangen Wanderungen durch Dschungel und Flüsse, durch Schluchten und Täler des Finisterregebirges gekämpft hatten, wurden die Neulinge in zweistündigem Flug in ihr ersehntes Dorado getragen.

Zwei Jahre sind seither vergangen. In den letzten 18 Monaten ist aus dem unbekannten Goldgräberdorf eine amerikanisch emporwachsende Stadt mit 200 Weißen, darunter zahlreichen Deutschen, entstanden. Jeder Stuhl, jeder Nagel, jede Fensterscheibe, jeder Haushaltsgegenstand usw. ist von den deutschen Fliegern herangetragen worden. Mehr noch: ein komplettes Wasserkraftwerk mit der Leistung von 4000 KW, von der Turbine angefangen bis zum letzten Ölschalter, ist den Siedlern von Bulalo sozusagen vom Himmel gefallen. Maschinen im Gewicht von mehr als 4000 KW sind nach und nach eingetroffen. Auch der Flugplatz, ein Problem für sich, wird jetzt von den Fliegern in betongefüllten Säcken mitgebracht. In 1200 Fahrten ist dies alles geschaffen worden, sogar elektrisch betriebene Klaviere -- denn auch die Vergnügungsstätten verdanken ihre Einrichtung unsren Fliegern -- wurden dorthin transportiert.

Die Zeitschrift "Pacific Islands Monthly" berichtet, daß die Goldgewinnung im Morobedistrikt, wie das Goldgebiet genannt wird, im vergangenen Februar einen Rekord aufwies. Es wurden über 900 kg Gold im Werte von 3 Millionen Mark gewonnen. Die mangelhaften Verkehrsverhältnisse haben im übrigen zu einem feingegliederten Ausbau des Flugwesens geführt. An dem Gesamthandel der ehemaligen Kolonien im Jahre 1932 in Höhe von rund 231½ Millionen Mark ist Deutschland mit 10 Millionen beteiligt, davon entfallen allein 2 Millionen auf Deutsch-Neuguinea infolge des Imports von Flugzeugen und Ersatzteilen. Im Jahre 1931 kommen die mit englischen kapital arbeitenden Aktiengesellschaft ihren Aktionären 100 Prozent Dividende ausschütten, ein Kolonialgeschäft, das auch den hartnäckigsten Kolonialgegener eines Besseren belehren sollte.

Quelle: Major a. D. Schnoeckel, Jambo, Monatsschrift für Schule und Eltern 1934, von rado jadu 2000

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