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Ein papuanischer Kinderbericht

(Aus Chr. Keyßer: "Nalumotte")

Gouverneur Dr. Albert Hahl schreibt im "Buch der deutschen Kolonien":
In welcher Kolonie es auch sei: jeder, der die Eingeborenen genau kennt, was allerdings ohne jahrelanges, eingehendes Studium, Kenntnis der Sprache, liebevolles Eingehen auf alle Sitten und Gebräuche, kurz durch Zusammenlaben mit den Farbigen bis zur Gewinnung ihres Vertrauens nicht zu erreichen ist, spricht dasselbe Urteil aus: daß sie weit entfernt davon sind, törichte, primitive, lächerliche Wilde zu sein, über die der Europäer hoch erhaben ist. Sie haben ihre Eigenheiten, wie wir, wie alle Menschen sie haben. Hüten wir uns aber, unseren Maßstab an andere Völker zu legen, die wir — nicht verstehen!

In einer von Christian Keyser herausgegebenen Sammlung "Nalumotte" ("nalu" ist in der Sprache der Papua "Mädchen", "motte" heißt "Knabe"; "Nalumotte" bedeutet daher "Kinder") lesen wir folgenden anschaulichen Kinderbericht:

"Wenn zu euch Weißen ein Fremder kommt, dann klopft er an die Tür. Wir Braunen klopfen nicht, sondern wir husten. Aber das verstehen die meisten Weißen nicht, Sie meinen immer, wir sollen es so machen, wie sie es gewohnt sind. Geht man in ein Haus hinein, dann setzt man sich bei uns ruhig nieder und wartet eine Weile, bis man mit den Reden beginnt. Die Weißen aber kommen sofort roh und rücksichtslos mit der Frage: "Was willst du?" Ach, man muß sich doch erst besinnen, in welcher Weise man am besten seine Sache vorbringen soll! Wenn man zu rasch mit den Worten herausfährt, wird man dann nicht Ungeschicklichkeiten begehen?

Wie oft habe ich Weiße gesehen, die beim Lachen den Mund so weit aufrissen, daß man alle Zähne sehen konnte! Bei uns Papua gilt das als Unanständig. Man hält beim Lachen die Hand vor den Mund. Mein Vater hat mir erzählt: "Vor langer Zeit kamen einmal drei Weiße in unser Dorf. Sie blieben nicht stehen und warteten nicht auf unsere Einladung, herzukommen und sich niederzusetzen. Wie wenn sie Herren des Dorfes wären, liefen sie überall herum, guckten in alle Hütten hinein, nahmen alles in die Hand, gafften jeden von uns an und lachten, als sie merkten, daß wir uns vor ihrer Roheit entsetzten. Sie redeten auch mit uns; aber wir verstanden von ihrer Sprache kein Wort. Als sie auf eine Kokospalme hinaufdeuteten, merkten wir, daß sie Nüsse wollten. Ein junger Mann mußte schnell hinaufklettern und etliche herunterwerfen, um die Frechen zufriedenzustellen. Sie öffneten die Nüsse, tranken das Wasser und gingen unter lauten Reden und Lachen hinweg."

Von da an nannten wir die Weißen "Bombong"; in eurer Sprache heißt das "die Wilden"...

 



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