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Die zum Neuguineagebiet gehörenden Inseln

Die beiden Gruppen des Bismarckarchipels und der Salomoninseln werden in der Regel als ein mit dem Festlande von Neuguinea zusammengehöriges Ganzes betrachtet, was sich ja auch in der Organisation des Schutzgebietes zeigt. Vom rein geographischen Standpunkte aus trifft dies nur für die in einem nach Westen offenen Bogen sich um die Neuguinea lagernden Inseln der erstgenannten Gruppe zu, da sie sich auf einem seitlich von tiefen Meeren umgebenen Rücken erheben, wohingegen die Salomoninseln von dieser unterseeischen Fortsetzung Neuguineas völlig durch ein tiefes Meer getrennt werden.

Andrerseits aber ist das Gebiet der Bismarckinseln wirtschaftlich so viel weiter vorgeschritten und nimmt es eine so selbständige Stellung gegenüber dem Kaiser-Wilhelmlande ein, dass aus diesem Grunde eine Sonderbetrachtung in einer für koloniale Kreise bestimmten Behandlung genügend gerechtfertigt erscheint. Obwohl nur etwa ein Fünftel des gesamten Schutzgebietes umfassend vereinigte der Bismarckarchipel von dem beiderseitigen Gesamthandel im Jahre 1908 fast vier Fünftel des Wertes der gesamten Ein - und Ausfuhr in seinem Verkehr.

Die Hauptinseln des Bismarckarchipels, Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, bilden mit dem weit kleineren Neu-Hannover und mit der Gruppe der Admiralitätsinseln eine förmliche Umgrenzung des Neuguineameeres, durch das zwischen ihnen hindurch sich der Verkehr zwischen Hongkong, Neuguinea und Sydney, vom Norddeutschen Lloyd vermittelt, seine Straße sucht.

Zu den erwähnten und einigen kleineren Inseln gehören endlich noch die der Gruppe der Salomoninseln zuzuzählenden Insel Buka und das große Bougainville, auch räumlich von den Hauptinseln der Bismarckgruppe ziemlich weit entfernt.

Werfen wir einen Blick auf die größeren Einzelglieder dieser Gruppen, so ist es vor allem die bedeutendste unter ihnen, Neu-Pommern, die unser Interesse in verschiedener Hinsicht erweckt. Etwa die Hälfte des ganzen Archipels umfassend, kann man sie mit ihren rund 25 000 qkm einer preußischen Provinz, etwa der Provinz Sachsen, an Ausdehnung vergleichen. Dabei ist sie besonders im Westen und Norden reich gegliedert und besitzt namentlich an dem für den Verkehr so wichtigen Meerkanal, der sie von Neu-Mecklenburg trennt, gute Häfen. Zu ihnen gehören die dem Verkehr noch im gesamten Neuguineagebiet weitaus an erster Stelle stehenden Orte Simpsonhafen und Herbertshöhe, beide auf dem unter dem Namen der "Gazellenhalbinsel" weithin bekannten Teile der Insel gelegen.

Die Küsten der Hauptinsel der genannten Gruppe sind streckenweise nach Osten bzw. nach außen zu steiler als im inneren Teile des Bogens. Nach Hahl gilt dies besonders von der Gazellenhalbinsel und von der Nordseite von Neu-Mecklenburg. Im Bau der Inseln wechseln vulkanische Bildungen mit anderen Gesteinen, während an den kleineren auch die Korallen stark an der Bildung beteiligt sind. Auf weitgehenden Einfluß tektonischer Vorgänge weisen auch Veränderungen des Meeresbodens, wie Pflüger solche in der Nähe der Gesellschaftsinsel feststellte.

Neu-Pommern ist in seinem Innern von nicht besonders hohen Plateaulandschaften erfüllt, über die sich selbst die vulkanischen Gipfel mit einer Ausnahme nur bis zu Mittelgebirgshöhe erheben. Flachere Landschaften gelangen an einigen Stellen ebenfalls zur Entwicklung, sind aber verhältnismäßig wenig ausgedehnt. Nach Schleinitz finden sich solche namentlich an den südlichen Flüssen. Auch das nur etwa halb so große, sehr schmale, aber 400 km lange Neu-Mecklenburg, die zweite Hauptinsel des Bismarckarchipels, ist, wie ein Teil der vorigen, aus Eruptivgesteinen aufgebaut, zu denen sich noch Kalke gesellen. Daneben sind Tuffe auf beiden Inseln weit verbreitet und ebenso auch Korallenkalke. Die Insel wird von höheren Gebirgen erfüllt, die mehrfach bis in voralpine Höhen emporragen. Die Flüßchen mit ihrem starken Gefälle haben nach Sapper viele Talkstrecken tief in das Umland eingegraben, wodurch dieses reich gegliedert erscheint. Die größte Höhe wird in dem nach demselben Forscher im Süden von einer Parallelkette begleiten Hauptgebirgszuge mit rund 2200 m erreicht. Alluvialböden finden sich in einigen Umfange nur im Westen der Insel und auf dem ihr benachbarten Neu-Hannover.

Von den kleineren Inseln, deren man im Bismarckarchipel allein 23 zählt, müssen wir absehen. Dagegen verdienen die beiden großen Inseln des deutschen Anteils an der Salomongruppe, Buka und Bougainville, eine besondere Erwähnung. Die zweite erreicht mit ihren 9000 qkm fast zwei Drittel der Grundfläche des Königreichs Sachsen. Sie ist insofern von allen übrigen Inseln des deutschen Teiles des Archipels unterschieden, als sie sich durch das Vorhandensein recht bedeutender Gebirgsmassen auszeichnet, die in mehr als 3000 m Höhe gipfeln. Auch hier scheinen alte und jüngere Eruptivgesteine die Hauptmasse des Felsgerüstes zusammenzusetzen.

Eine Erwähnung verdient endlich noch wegen ihrer gesonderten Lage und wegen der Größe der Hauptinsel die fern im Nordwesten der Neuguineasee aus dem Meere aufsteigende Gruppe der Admiralitätsinseln, die aber selbst auf dem Haupteilande nur etwa die Höhe des Thüringer Waldes erreicht.

Klimatisch zeigen die Inseln besonders der Hauptgruppe dieselben Grundzüge auf, wie sie dem Kaiser-Wilhelmlande eigentümlich sind. Dies gilt von der Temperatur in erhöhtem Maße, die sich nicht nur durch recht große Höhe (rund 26°), sondern auch durch eine fabelhaft geringe Jahresschwankung kennzeichnet. Beträgt doch der Unterschied zwischen dem Mittel des wärmsten und des kühlsten Monats in diesen Gegenden nicht viel mehr als einen einzigen Celsiusgrad ( in Deutschland dagegen rund 20)! Dazu kommt der große Dampfgehalt der Atmosphäre und die, wenn auch wohl gegen das Innere des Kaiser-Wilhelmlandes zurückstehenden, aber doch immer noch außerordentlich reichen Niederschläge, um zwar einen recht üppigen Pflanzenwuchs hervorzurufen, aber den Europäer doch alle unangenehmen Seiten des echten Tropenklimas fühlen zu lassen, zu denen in erster Linie die allmählich, aber sicher eintretende Herabstimmung der Nerventätigkeit zu rechnen ist, eine üblere und unausweichlichere Folge als die Nachwirkung der verschiedenen Krankheiten im engeren Sinne, die mit der fortschreitenden Kultur ja ohnedies viel von ihrer Gefährlichkeit zu verlieren pflegen.

Die Niederschlagsmenge ist noch sehr wenig bekannt. Sie beträgt an den Küsten von Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg aber auch bereits vielfach über 2 Meter und dürfte im Innern und in den Bergen noch erheblich höhere Mittelwerte erreichen. Die Regen lassen wie im größten Teile des Kaiser-Wilhelmlandes, im Norden des Bismarckarchipels ein Überwiegen der sommerlichen Niederschläge erkennen. Im Süden und auf den Salomonen scheinen hingegen ähnliche Verhältnisse Platz zu greifen wie im Osten des festländischen Schutzgebietes.

Die gesundheitlichen Gefahren, die natürlich wesentlich durch die allgemeinen hygienischen Zustände beeinflußt werden, beruhen für den Europäer im wesentlichen in dem Auftreten der Malaria, die auf den Höhen seltener zu sein scheint, und in der überall verbreiteten Dysentrie. Erkrankungen der Atmungsorgane sind ebenfalls nicht selten, und neuerdings hat sich im Archipel, wenn auch lokal beschränkt, unter den Eingeborenen auch die früher nur vereinzelt vorkommende gefährlich Beriberikrankheit in epidemischer Form gezeigt.

Pflanzen - und Tierwelt

Die Pflanzenwelt unterscheidet sich auf den größeren Inseln verhältnismäßig wenig voneinander, soweit sie uns überhaupt bekannt ist. Unter den einzelnen einheimischen Formen sind als wichtige Bäume die Sagopalme sowie Steinnußpalme erwähnenswert. Die seht harten Nüsse, welche diese Palme liefert, spielen in der Kleindrechselei und besonders in der Herstellung von Knöpfen eine nicht unbedeutende Rolle. Auf die australische Nachbarschaft weisen auch hier Eukalyptusbestände, wie sie z.B. Schnee in großer Ausdehnung an der Südküste von Neu-Pommern vorfand. Die Steinnußpalme scheint auf Bougainville häufiger zu sein als auf den Nachbarinseln. Einer sehr großen Verbreitung erfreut sich endlich auch die Kokospalme.

Die ursprünglich am weitesten verbreitete Formation auf den größeren Inseln ist ohne Frage der Urwald, der wie im Kaiser-Wilhelmland auch hier manche wertvolle Holzarten birgt. Der Urwald ist an manchen Stellen, ähnlich wie auf dem Festlande, künstlich gelichtet, zeichnet sich aber sonst neben seiner Ausdehnung auch durch große Dichte des Pflanzenbestandes aus. Auf Neu-Mecklenburg fand Sapper in den Tiefenlagen neben Rotang gewaltige Bambusen, im Innern viel Unterholz und Epiphyten, in Farnbäume. Die Üppigkeit des einheimischen Pflanzenwuchses läßt jedenfalls sehr günstige Schlüsse auf spätere Anbaumöglichkeiten zu. Dicht bewaldet sind schließlich auch viele der Riffinseln. Doch ist auf diesen nach Hahl oft nicht viel fruchtbarer Boden vorhanden, so dass die Eingeborenen dort außer auf Kokosnüsse auf Fische und Muscheltiere angewiesen sind.

So reich nun aber die Pflanzenwelt in ihrem Massenauftreten auf den Inseln dieses Archipels genannt werden kann, so arm ist anderseits auch hier namentlich die höhere Tierwelt an Arten. Von besonderem Interesse ist indessen auch hier der öfters beobachtete Reichtum an Vögeln, unter denen jedoch der schönste, uns auf Neuguinea begegnende, der Paradiesvogel, den Inseln fehlt. Der Nasuar kommt dagegen nach Sapper auf Neu-Pommern vor, während er auf Neu-Mecklenburg nicht vorhanden ist. Der genannte Forscher erwähnt ferner unter den Tieren des Bismarckarchipels fliegende Hunde, Beutelbären und verwilderte Schweine sowie in den Flüssen ein Leistenkrokodil. In der See sind Haie und einige giftige Seeschlangen nicht selten, daneben aber auch der bereits erwähnte Trepang sowie Schildkröten und Perlmuscheln.

Bevölkerung

Der Grundstock der eingeborenen Bevölkerung der Inselwelt ist zwar auch melanesisch, doch ist der ursprüngliche Bestand an Papuanen hier offenbar bereits weit stärker mit fremden Elementen gemischt als auf dem Festlande der südlichen Rieseninsel. Diese Beimengungen sind wohl in erster Linie von polynesischen Gebieten aus erfolgt, und zwar in solchem Grade, dass namentlich die Küstenbevölkerung schon seit langem nicht mehr als aus reinen Melanesiern bestehend gelten kann. Daneben haben wie Sapper unter Bezugnahme auf Neu-Mecklenburg hervorhebt, indessen wohl auch starke Beeinflussungen von den malaiischen Inselgebieten im Westen aus stattgefunden, während im Süden des Bismarckarchipels offenbar die Papua sich reiner erhalten haben, die nach Hahl nicht nur südlich der Gazellenhalbinsel sondern auch auf den Admiralitätsinseln die vorwiegende Bevölkerung bilden, während in allen anderen Teilen des Archipels die erwähnte Mischung sich in größeren Umfange durchgesetzt hat.

Wenngleich die Eingeborenen infolge fremder Einflüsse vielfach höher stehen als die Papuanen des Kaiser-Wilhelmlandes - dies gilt übrigens kaum von denjenigen der Salomonen -, so sind sie doch im allgemeinen durch wenig liebenswürdige Eigenschaften ausgezeichnet. Auf den Salomonen, wo nach Hahl auch die Kopfjägerei noch im Schwange steht und deren Bewohner sich durch besondere Fremdenfeindlichkeit und Grausamkeit auszeichnen, herrscht, wie überhaupt unter den Melanesiern, noch heute nicht allein der Kannibalismus, sondern sogar Menschenjagd um der Fleischgewinnung willen.

Die Zahl der eingeborenen Bevölkerung, die übrigens auch hier kaum zu ermitteln ist, ist immerhin im Verhältnis beträchtlich größer als im Kaiser-Wilhelmlande. Doch sind große Unterschiede in dem Archipel beobachtet worden. Während z. B. Schnee die Südküste Neu-Pommerns gut bevölkert gefunden hat, konnte Sapper auf Neu-Mecklenburg nur eine geringe Volksmenge feststellen, die obendrein im langsamen Sinken begriffen war. Eine Zahl zu geben, scheint wie auf Neuguinea nicht gut angängig, da sie doch nur einen sehr geringen Grad der Wahrscheinlichkeit für sich haben würde. Immerhin mag angeführt werden, dass man neuerdings für den Bismarckarchipel eine Volksdichte von etwa 4 Menschen für das Quadratkilometer, selbstverständlich auch nur ganz schätzungsweise, annimmt.

Die landfremde Bevölkerung ist stärker vertreten als im Kaiser-Wilhelmlande. Sie bestand 1908 aus 396 Köpfen gegen 299 im Vorjahre und setzte sich vorwiegend aus Chinesen zusammen, die wieder hauptsächlich als Handwerker und Händler tätig waren.

Die weiße Bewohnerschaft der Inselwelt übertrifft, der Bedeutung derselben gegenüber dem Kaiser-Wilhelmlande entsprechend, diejenige dieses festländischen Gebietes um ein Beträchtliches. Insgesamt wurden im Beginne des Jahres 1909 474 Weiße gezählt, d.h. beinahe das Zweieinhalbfache der im Kaiser-Wilhelmlande lebenden Europäer. Von diesen waren nicht weniger als 364 ihrer Staatsangehörigkeit Deutsche.

Die Berufsverteilung der erwachsenen männlichen Bevölkerung zeigt ein wesentlich günstigeres Bild als im festländlichen Gebiet. Den beiden unproduktiven Berufsklassen der Beamten sowie der Geistlichen und Missionare gehörten 1909 nur 40% der erwachsenen Männer an gegen 62% im Neuguinea Festlande, wohingegen auf die produktiven Berufsklassen, unter denen wir auch hier Ansiedler, Farmer, Techniker, Handwerker, Kaufleute, Händler, Seeleute und Fischer zusammenfassen, nicht weniger als 55% kamen gegenüber nur 34 vom Hundert im Kaiser-Wilhelmlande.

Mann kann die Bevölkerung aber nicht wohl berücksichtigen, ohne auch die Arbeiterfrage zu gedenken. Von den (farbigen) Arbeitern des Gesamtgebietes war die weitaus größte Mehrzahl im Archipel beschäftigt, nämlich 3421 Ende des Jahres 1908 noch in Dienst befindliche Leute (gegenüber nur 918 im Kaiser-Wilhelmlande). Die meisten dieser Leute sind Eingeborene aus den Inseln der Neuguineasee, eine Anzahl stammt aus Kaiser-Wilhelmlande, einige wenige von den Karolinen.

Produktion

Hinsichtlich der Produktion gilt für das Inselgebiet in bezug auf das Land zwar auch der bei Behandlung des Kaiser-Wilhelmlandes ausgesprochen Satz, dass es vorwiegend die unter fremder Leitung stehenden Pflanzungen sind, die für die Ausfuhr in Frage kommen. Indessen leisten diese einiges für den Handel in der Fischerei auf Trepang, Schildkröten und Perlmuscheln.

In der Plantagenwirtschaft übertrifft der Archipel weitaus das feste Land, und innerhalb seiner Grenzen ist es wiederum die Gazelleninsel, die, den anderen Gebieten weit voran, an erster Stelle angeführt werden muß. Von den im Jahre 1909 im gesamten Neuguineagebiet vorhandenen 76 kaufmännischen, landwirtschaftlichen und gewerblichen Unternehmungen, von denen nur 5 auf das Kaiser-Wilhelmlande kamen, entfiel mehr als die Hälfte, nämlich 39, auf den angeführten Teil Neu-Pommerns, weiter 22 außerdem auf das benachbarte Neu-Mecklenburg. Die Mehrzahl der Unternehmungen sind Pflanzungsbetriebe, zum Teil mit Handelsbetrieben vergesellschaftet, während leider erst zwei Sägewerke in dem so holzreichen Archipel sich in Benutzung befinden.

Obwohl der Archipel viel weniger umfangreich ist als das Kaiser-Wilhelmland, ist der bereits jetzt festzustellende Fortschritt der Pflanzungen ein deutlich bemerkbarer. Dreimal größer ist auf den Inseln die in Kultur genommene Fläche, und während auf Neuguinea selbst ein Stillstand in ihrer Ausdehnung in den beiden letzten Berichtsjahren (1907 und 1908) zu erwähnen ist, ist sie auf den Inseln auch in dieser Zeit um etwa 15 qkm vergrößert worden. Von den 13 464 ha, die 1908 in Plantagenkultur genommen waren, waren um diese Zeit bereits beinahe 3000 ertragsfähig, abermals die dreifache Fläche des im Kaiser-Wilhelmlande im gleichen Stadium der Nutzung befindlichen Landes.

Unter den vorhandenen Kulturen stehen an allererster Stelle die Anpflanzungen der Kokospalme, deren Bestände nicht weniger als neun Zehntel der ganzen, unter Kultur genommenen Fläche bedecken. Daneben sind in größerem Umfange nur Ficus elsatica und Castilloa angepflanzt, von nicht im Kaiser-Wilhelmlande vorhandenen Gewächsen außerdem noch rund 110000 Kaffeebäume sowie ein paar Tausend Muskatbäume. Recht ausgedehnt sind die für Plantagenkulturen bereitliegenden Ländereien, von denen die weitaus größte Fläche noch unbebaut ist. Denn das Gesamtareal der Pflanzungen umfaßte 1908 weit mehr als 75 000 ha.

Ganz zurück tritt dagegen hier sowohl wie im Kaiser-Wilhelmlande die rationell betriebene Viehzucht, die nur wenig hundert Stück Großvieh, einige hundert Schweine und kaum zweitausend Häupter Kleinvieh innerhalb des gesamten Archipels umfaßte.

Handel und Verkehr

Im Verkehr nimmt die Inselwelt ein weit günstigere Stellung ein als der festländliche Anteil des Reiches an Neuguinea. Haben doch in manchen Fällen die Eingeborenen selbst es zu einem nicht unbedeutenden Kleinschiffsverkehr gebracht, so nach Sapper auf der allerdings für einen solchen besonders günstig zwischen den beiden großen Inseln Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg gelegenen kleinen Neu-Lauenburggruppe.

In der Hauptsache ist es aber auch die Großschiffahrt, die für den Archipel eine viel höhere Bedeutung bereits heute erlangt hat als für die Neuguineaküsten. Nicht allein, dass sie ihn wegen ihrer Fernfahrten kreuzen muß, sondern die höhere Bedeutung namentlich des Bismarckarchipels muß sich ihr, auch an und für sich betrachtet, förderlich erweisen. So sehen wir denn, wie in Herbertshöhe die Tonnenzahl der 1908 eingelaufenen Schiffe 157 000 betrug, in Simpsonhafen 243 000 und in den kleinen Häfen zwischen 6- und 12 000, d.h. fast doppelt so viel wie 1907.

Allerdings entfallen davon auf die beiden Hauptplätze, auf Simpsonhafen und Herbertshöhe, nicht weniger als 400000 Registertonnen zusammen, denn jeder der beiden Orte wurde von weit mehr als 200 Fahrzeugen angelaufen, von denen die weitaus überwiegende Mehrzahl aus Dampfern bestand. Auch hat hier im vollsten Gegensatze zu dem festländischen Teil des Schutzgebietes gegen das Vorjahr eine außerordentlich starke Steigerung des Schiffsverkehrs stattgefunden, eine Tatsache, welche ebenfalls den großen Unterschied in der wirtschaftlichen Stellung beider Gebiete versinnlicht.

Am klarsten tritt uns diese natürlich in der Stellung entgegen, welche der Bismarckarchipel und seine Nachbarinseln im Handel einnehmen.

Die Einfuhrlisten könnten ein ungünstigeres Bild geben als es der Wirklichkeit entspricht, wenn man die große Menge der Nahrungs- und Gebußkittel an und für sich in Rücksicht zieht, deren Wert im Jahre 1908 sich auf rund 1 100 000 Mark belief,d.h. beinahe auf die Hälfte ihres 2 385 000 Mark betragenden Gesamtwertes. Aber von diesen Dingen, die zum Teil recht bald von dem Schutzgebiet selbst geliefert werden könnten, stammte kaum ein Drittel aus Europa und Amerika, dagegen für 316 000 Mark aus Asien und für 560 000 Mark aus "Australien und den Südseeinseln", d.h. doch wohl zum nicht geringen Teile aus unseren eigenen Besitzungen, so dass ein Teil dieser Summen keinen Vermögensverlust der deutschen Gesamtkolonien bedeuten würde.

Daß in der Einfuhr von Mineralien, unter denen hier in erster Linie Kohlen zu verstehen sind, Australien als Hauptlieferant auftritt, darf bei dem Einflusse räumlicher Beziehung auf den Verkehr in billigen Massengütern nicht wundernehmen. Auf der anderen Seite steht in der Einfuhr der von der eigentlichen Industrie gelieferten Waren Deutschland mit 53% an erster Stelle; hinter ihm folgt Australien mit 29%, endlich in weitem Abstande Großbritannien und Asien. Unter den eingeführten Gegenständen stehen - in diesen metallarmen Ländern eine leicht verständliche Tatsache - Metalle und Metallwaren an erster Stelle, ihnen folgen in ebenfalls starker Beteiligung Garne, Gewebe und Bekleidungsgegenstände. Werden diese, wie selbstverständlich, vorwiegend auf Rechnung des privaten Handels eingeführt, so zeigt die verhältnismäßig geringe Beteiligung der Regierung an der Einfuhr der Metallwaren die viel höhere wirtschaftliche Bedeutung, welche der Entwicklung des Bismarckarchipels im Vergleich mit dem Kaiser-Wilhelmlande zukommt.

In erhöhtem Maße läßt endlich auch die Ausfuhr den größeren augenblicklichen Wert des Archipels für das Reich erkennen. Sie hat sich in einem Jahrzehnt (seit dem Berichtsjahr 1899/1900) um mehr als die Hälfte vermehrt, indem sie 1908 freilich mit weniger als im Vorjahre, aber doch immer noch mit 1 426 000 Mark bewertet wurde. Dabei ist aber festzuhalten, dass der Wertausfall gegen 1907 zwar auf den Hauptausfuhrgegenstand, die Kopra, entfällt, dass er sich aber eben nur auf den Preis dieses Erzeugnisses gründet, während die ausgeführte Kopramenge, ein Zeichen einer günstigen Entwicklung, sich erheblich vermehrt hat. Einen Rückgang der ausgeführten Menge nach zeigen nur die aus der See gewonnenen Dinge wie Trepang und Muscheln.

Wie bedeutsam die Kultur der Kokospalme im Archipel das wirtschaftliche Leben beeinflußt, ergibt sich zur Genüge daraus, dass die Kopra dem Werte nach trotz veränderter Preise im Jahre 1908 an der Ausfuhr mit nicht weniger als 95%, daneben die Erzeugnisse der See mit 3,7% beteiligt waren.

Quelle: Die Deutschen Kolonien, II. Das Südseegebiet und Kiautschou, von Prof. Dr. R. Dove, Göschen'sche Verlagshandlung 1911, Jadu 2000.

Sustainable Use of Trepang
Schwarze Seegurke (Holothuria forskali)

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