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Die Karolineninsel Ponape

 

 

 

von Richard Deeken

Es ist ein wildes, hinterhaltiges Volk, das unsere landschaftlich so schöne Insel Ponape bewohnt. Ein Mischvolk; melanesisches, malayisches und polynesisches Blut fließt in seinen Adern. Vom letzteren leider nicht sehr viel. Mit den liebenswürdigen Völkern der östlichen Südsee, den Hawaiiern, Samoanern und Tonganern haben die Ponapesen, wie überhaupt die Karolinier, wenig gemein. Schon der gespaltene Ton der konsonatenreichen ponapesischen Sprache scheint die Doppelzüngigkeit dieses zähen, katzenhaften Volkes zu verraten.—

Ponape ist die größte der Karolineninseln. Sie hat etwa die Größe des Fürstentums Waldeck. Stark zerklüftete Berge bedecken fast die ganze Insel. Die vorgelagerten Ebenen sind wenig ausgedehnt. Berg und Tal ist bedeckt von einem schwer durchdringlichen Urwald, der wie ein Teppich über der ganzen Insel ausgebreitet scheint; nur an einigen wenigen Stellen hat zackiger, steil sich auftürmender Fels ein Loch gerissen in der grünen Decke. Zerklüftet, wie das Berginnere, so eingeschnitten ist auch die Küste der Insel. Fjordartige Einbuchtungen dringen tief ins Land. Kurzläufige, aber sehr wasserreiche Flüsse kommen von den jähen Berghöhen herabgesprungen. Die meist etwas sumpfigen Ufer sind von dichten Mangrovenbüschen bestanden, durch welche mit dem Messer geschlagene kanalartige Gänge führen, gerade so breit, daß ein Kanoe hindurchpassieren kann, um an dem festen Urwaldboden zu landen. An den Ufern der Flüsse und an der Küste liegen die Häuser der Eingeborenen, viereckige Gebäude mit Giebeldächern und bambusgeflochtenen Wänden, das Ganze ruhend auf einem massiven Steinunterbau, der die Bewohner gegen die feuchten und ungesunden Ausdünstungen des Bodens schützt. Die Sauberkeit in den Hütten ist eine nur mäßige. Vor allem fällt auf, daß ein großer Teil der Gebrauchsgegenstände gelb gefärbt ist mit Gelbwurz oder Curcuma. Gelb ist die Leiblingsfarbe der Ponapesen. Gelbwurz wird in das dunkle, oft strähnige Haar gestrichen, mit Gelb malt der Ponapese gern auch seinen ganzen Körper und die Kleidungsstücke. Alles im Innern der Wohnungen färbt gelb ab, so daß der die Hütte besuchende Weiße als halber Ponapese mit vielen gelben Flecken auf seinem Anzuge wieder ins Freie hinaustritt. —

Die Zahl der weißen Bewohner Ponapes beträgt etwa ein halbes Hundert gegenüber 4000 Eingeborenen. Außerdem gibt es noch einige Mischlinge, 2 Dutzend Japaner, die als Händler ein erfolgreiches Gewerbe treiben, und 50 Melanesier, schwarze Eingeborene aus den Neu-Guinea Bezirke, welche als Polizeisoldaten auf Ponape stationiert sind zum Schutze der deutschen Regierung.—

Leider waren die Verhältnisse auf der Insel im vergangenen Jahre keine friedlichen. Einer der Ponapestämme, die Jekoy, hatte sich erhoben und den deutschen Bezirksamtmann, Regierungsrat Böder, nebst drei weißen Beamten und 5 farbigen Dienern niedergemetzelt. Die Geschichte Ponapes ist überreich an heimtückischen Überfällen, welche von den Eingeborenen auf die Weißen ausgeführt wurden. Nach der Entdeckung der Insel im 16. Jahrhundert haben die Spanier von den Philippinen aus wiederholt versucht, auf Ponape festen Fuß zu fassen. In allen Fällen aber wurden die Garnisonen schließlich doch erfolgreich überfallen und niedergemacht, so daß die Spanier im Jahre 1731 Ponape und überhaupt die Karolineninseln vollständig aufgaben. Als aber 1885 der deutsche Kreuzer "Iltis" auf der Karolineninsel Yap die Flagge hißte und von dem ganzen Karolinenarchipel Besitz zu ergreifen sich anschickte, da erinnerten sich die Spanier doch ihrer alten, eigentlich längst verfallenen Rechte und machten diese in aller Form geltend, wobei es dann noch zu völkerrechtswidrigen Ausschreitungen des Madrider Pöbels gegen die deutsche Gesandtschaft in Madrid kam.

Der Streit wurde jedoch auf friedlichem Wege geschlichtet, indem beide Parteien sich dem Schiedsspruche des Papstes zu unterwerfen versprachen. Durch denselben wurde die politische Oberhoheit den Spaniern zugesprochen, während die Deutschen das Recht des freien Handels und der fischerei, sowie auch das Recht zur Anlegung einer Kohlestation erhielten. Die Spaniern aber übernahmen zugleich die Verpflichtung, auf den Karolinen eine geordnete Verwaltung einzurichten. Das hat den Spaniern viel Gut und Blut gekostet, da vor allem die Ponapesen der Besetzung ihrer Insel den heftigsten Widerstand entgegenbrachten. Selten in offenem Kampfe, meist indem sie in unerwartetem Augenblick die spanischen Truppen überfielen. So wurde einmal eine spanische Kompagnie bis auf den letzten Mann niedergemacht, ein andermal die befestigte Kolonie überfallen und sämtliche Einwohner erschlagen.

Nach diesen trüben Erfahrungen mit den Karoliniern waren die Spanier schließlich ganz froh, die Inseln im Jahre 1899 an Deutschland für fast 17 Millionen Mark verkaufen zu können. —

Infolge der geschickten Politik des ersten deutschen Bezirksamtmannes auf Ponape, des jetzigen Gouverneurs Hahl, gelang es, den Frieden auf dieser Insel eine Reihe von Jahren zu erhalten, ohne größere militärische Kräfte dort zu stationieren. Das Unglück ist dann aber doch, wenn auch in verhältnismäßig begrentztem Umfange, über die Weißen hereingebrochen. Der bereits erwähnte ponapesische Stamm der Jekoy hatte von jeher der deutschen Regierung gewisse Schwierigkeiten gemacht. So weigerte sich dieser Stamm auch, Wegearbeiten für die Regierung zu machen, trotzdem die anderen Stämme der Insel dieser durchaus berechtigten Forderung der deutschen Verwaltung nachkamen. Es mußten Kriegsschiffen bestellt werden, und erst deren Anblick veranlaßte dann die Jekloy, die Wegearbeit für die Zukunft zuzusagen. Die Arbeit wurde auch begonnen, aber in höchst lässiger Form ausgeführt. Es kam dann schließlich dazu, daß einer der lässigsten Arbeiter vom Bezirksamtmann bestraft wurde. Die Folge davon war ein unerwarteter Überfall auf unsere Beamten, die förmlich hingeschlachtet und schließlich noch in unmenschlicher Weise verstümmelt wurden. Daran schloß sich dann der Aufstand des Stammes, der sich nun gegen die Niederlassung der Weißen richtete.

Von den deutschen Beamten waren nur noch der Regierungsarzt und der Polizeimeister am Leben geblieben. Der Regierungsarzt Dr. Girschner, der Land und Leute seit Jahr und Tag kennt, übernahm das Kommando, und seinen ebenso entschlossenen wie geschickten Operationen ist es zu danken, das weiteres Unheil abgewendet wurde. Es gelang Dr. Girschner, die anderen Ponapestämme zu bestimmen, daß sie mit den Weißen zusammen die Verteidigung der Niederlassung übernahmen, so daß die Aufständischen einen ernsten Angriff nich wagten. Lange, bange Wochen mußte die Niederlassung auf Entsatz von Neu-Guinea warten. Der deutsche Reichspostdampfer "Germania" , welcher dreimal im Jahr eine Rundfahrt durch die Karolinengruppe macht, fand die Kolonie, die sich mangels eines Kabels nicht mit der Außenwelt in Verbindung setzten konnte, in ihrer verzweifelten Lage. Mit der höchsten Kraft der Maschinen eilte der Dampfer nach Neu-Guinea, um die dort befundlichen zwei Kriegsschiffe und die Polizeitruppe des Gouvernements in Rabaul herbeizuholen. Glücklicherweise traf der Entsatz noch rechtzeitig ein. —

Weitere zwei Kriegsschiffe kamen dann von unserer ostasiatischen Station herbeigeeilt zur gemeinsamen Ausführung der Strafexpedition gegen die aufrührerischen Eingeborenen. Dieselbe verlief schneller und günstiger, als man anfänglich erwartet hatte. Unsere Marine hatte aber doch schwere arbeit, da die Terrainschwierigkeiten auf Ponape ungeheuer sind. Die Jekoy, die zum großen Teil mit modernen Gewehren ausgerüstet waren, setzten sich zweimal ernsthaft auf schwer zugänglichen Felskuppen, welche sie obendrein mit Steinen befestigt und verbarrikadiert hatten, zur Wehr, mußten aber doch sehr bald vor dem entschlossenen Vorgehen unserer blauen Jungen zurückweichen unter Zurücklassung zahlreicher Toter. Leider hatten aber auch die Unsrigen Verluste. Es fielen ein Offizier und 3 Mann, während 8 verwundet wurden. Nach dem zweiten Sturme haben sich die Überlebenden ergeben. 15 der Haupträdelsführer, die sich an der Ermordung unserer Beamten in erster Linie beteiligt hatten, wurden standrechtlich erschossen, während der ganze Stamm der Jekoy mit Frauen und Kindern deportiert wurde nach der Karolineninsel Yap, deren Bevölkerung friedliebend und der deutschen regierung ergeben ist. —

Das rücksichtsloseste Durchgreifen war eine Notwendigkeit gewesen, um für die Folge blutigen Aufsässigleiten von vorneherein vorzubeugen. Auf der Insel Yap werden die Jekoy für die deutsche Regierung arbeiten müssen und im übrigen wohl sehr bald durch Vermischung mit der einheimischen Bevölkerung verschwinden. —

Die anderen Stämme auf Ponape, die, wenn sie auch diesmal sich loyal verhielten, bei ihrem hinterhaltigen Charakter doch nicht die Gewähr unbedingter Zuverlässigkeit für die Zukunft bieten, werden aber aus der Bestrafung der Jekoy ihre Lehre ziehen, so daß man wohl nunmehr mit dem endgültigen Abschluß ponapesischer Bluttaten rechnen darf.

Vor dem Westtor der von einer Festungsmauer umgebenen Ansiedlung liegt der Kirchhof der Weißen. Hunderte von Kreuzen berichten von dem blutigen Ende, das spanische Soldaten auf dem ungastlichen Boden Ponapes fanden. Jetzt sind neue Kreuze den alten beigefügt. Deutsche Jünglinge und Männer haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden, betrauert von ihren fernen angehörigen und dem dankbaren Vaterlande, in dessen Dienst sie bei treuer Pflichterfüllung ihr Leben ließen. — Palmen umrauschen den friedlichen Kirchhof in der fernen Südsee, deren Wogen mit donnerndem Tosen gegen die Korallenriffe der Insel branden. Buntfarbene Schmetterlinge umflattern die üppig wuchernden Blumen der Gräber ihre klangreiche Melodien ertönen lassen. — In den Büchern der deutschen Kolonialgeschichte aber wird stets auch dieser Braven gedacht werden, die hier in deutscher Tropenerde schlummern!

Quelle: Süsserotts Illustrierter Kolonial-Kalender 1912, von rado jadu 2000

Bilder aus Nan Madol, dem 8. Weltwunder

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