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Weihnachtsfeier in der Südsee.

In weiten deutschen Vaterlande
Wie klingt das Wort: "Die heil'ge Nacht!"
Es schlingt neu zerrißne Bande
Mit heil'ger Liebe Zaubermacht
Auch in der Südsee fernen Fluren
Erneuert jährlich sich der Tag,
So weit der Glaubensboten Spuren
Die Freudenbotschaft bringen mag.
Im deutschen Land, welch schönes Feiern,
Im Gotteshaus, im trauten Heim!
Der Kindheit Freuden sich erneuern,
Wie's uns verkündigt mancher Reim.
Gescharet um des Kindleins Krippe,
Bestrahlet von des Christbaums Schein,
Ertönt es froh von jeder Lippe:
"Sei uns gegrüßt, o Jesulein!"
Weit anders in der Südsee Auen
Gestaltet sich das hehre Fest;
Da ist kein Lichterbaum zu schauen,
Kein Festtagsraum sich sehen läßt.
Der Glocken Klänge nicht verschönen
Die hohe, heil'ge Weihenacht
Der Trommel Schlag, des tritons
Den Neubekehrten Kunde macht.
Im schlichten Kirchlein, niedrig, enge,
Ist auch die Krippe aufgestellt;
Doch ohne feierlich Gepräge
Ruht hier der König aller welt.
Aus Rohr gebaut des Stalles Hütte,
Figürchen aus Papier geschnitzt,
Das Gotteskind auf harter Schütte,
Sechs Schäfchen, winzig, abgenützt.
Und rings der Felsen starre Höhen
Aus grauem, groben Packpapier;
Davor Papierlaternen stehen.
Sonst fehlt hedwede Pracht und Zier.
Doch eines ist dort auch zu finden,
Vielleicht in Höherem Grade noch:
So manches Herz, befreit von Sünden,
Erlöset aus des Satans Joch.
Sieh, andachtsvoll die Schwarzen treten
Zum armen Weihnachtskrippelein,
Und selig singen sie und beten:
"Sei uns gegrüßt, o Jesulein!"
Ihr Freunde wert, in Deutschlands Gauen,
Denkt an dem Weihnachtsfeste doch
Der Armen, die in fernen Auen
Im Heidenwahne leben noch!
Irmgardis

Quelle: Süssenrotts Illustrierter Kolonial-Kalender, 1912 von rado jadu 2000

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