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Auf den Spuren der deutschen Kolonien

Ein Gang durch Deutschlands Kolonien

Von M. S. von Lichterfeld

2. Togoland

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Als die deutsche Reichsregierung im Jahre 1884 an der Sklavenküste Afrikas mitten zwischen englischen und französischen Kolonialbesitze auch ihrerseits ein nicht unbeträchtliches Gebiet nahm, erregte das nicht minder die Aufmerksamkeit und Eifersucht der Engländer und Franzosen, wie gerade zwei Jahrhunderte zuvor aus ähnlichem Anlasse die größte Kolonialmacht des siebzehnten Jahrhunderts, Holland, mit neidischem Ärger auf das kleine Kurbrandenburg schaute, dessen Flagge am 1. Januar 1683 von dem Major Otto von der Gröben im Auftrage des Großen Kurfürsten an der afrikanischen Sklavenküste zum Zeichen der Besitzergreifung dieses Küstenstriches durch seinen Landesherren aufgezogen worden war. Mit zwei brandenburgischen Fregatten, dem "Kurprinz" und "Moriahn" war Gröben vor der Sklavenküste erschienen und hatte zwischen "Axim" und dem Kap der drei Spitzen einen Strich Landes in Besitz genommen, auf dem bald die Feste "Großfriedrichsburg" errichtet wurde, deren Trümmer noch heute davon zeugen, daß unsere Vorfahren schon vor Jahrhunderten für koloniale Gedanken zu gewinnen gewesen waren. Leider reichte die damals noch so geringe Macht des Hohenzollernhauses nicht aus, das junge Unternehmen der "Kurfürstlich Afrikanisch-Brandenburgischen Kompagnie", unter welchem Namen sich zur Ausnutzung der neuen Niederlassung eine Handelsgesellschaft gebildet hatte, gegenüber den sofort beginnenden Umtrieben des mächtigen Holland zum Aufschwung zu bringen, ja auch nur am Leben zu erhalten. Einige Jahrzehnte versuchte sie vergebens den Wettbewerb mit dem holländischen Handel durchzuführen, bis König Friedrich Wilhelm I. nüchtern-praktischer Sinn für die Sache das Richtige erfaßte. Er verkaufte im Jahre 1718 das ganze Anwesen für die Summe von 6000 Dukaten an die Holländisch-Westindische Kompagnie, die übrigens ihres neuen Besitzes nicht lange froh bleiben sollte, und für fast zwei Jahrhunderte verschwand der schwarze Adler von der Küste Guineas. Erst 1884 sollte er als der mächtige deutsche Aar, das Sinnbild eines starken siegreichen Volkes wiederkehren.

Die Nähe der beider gewaltigen Nachbarn, zwischen deren Besitztümern Deutschland hier so unbefangen sich hineinsetzte, machte es nötig, daß auf diplomatischen Wege baldigst eine Auseinandersetzung zwischen den drei beteiligten Mächten erfolgte, bei der Deutschland sich mit einem Küstenstreifen von nur 54 Kilometern begnügen mußte. Dafür gelang es dem Fürsten Bismarck, der wie allen kolonialen Unternehmungen deutschen Ursprungs so auch dieser volles Verständnis und tatkräftige Unterstützung entgegenbrachte, durch Sicherung einer bedeutenden Gebietsfläche von "Hinterland" der neuen Kolonie Leben, Bestand und, als die wichtigste Bedingung zu beiden, Entwicklungsfreiheit zu sichern. Spätere Abmachungen ergänzten und befestigten in den Jahren 1890 und 1897 das bereits Gewonnene, so daß, was die Verhältnisse betrifft, bis auf weiteres für das ganze Unternehmen ausreichend gesorgt ist. Ist der Küstenstrich von Togoland auch schmal und hat die Küste selbst bei den außerordentlich beschwerlichen Landungsverhältnissen, die sie zeigt, keine so hohe Bedeutung wie die anderen Gebiete, so ist und bleibt das Hinterland im Umfange von Viehzucht und Handel von ganz besonderem Werte.

Togoland liegt zwischen dem 6. und 11. Grade nördlicher Breite, gehört also ganz der Tropengegend an und zeigt alle dem Klima dieses Erdstriches eigentümlichen Vorteile und Nachteile. Die Küste selbst ist eben und flach und bietet, von der See aus gesehen, einen wenig fesselnden Anblick.

Die letzten Ausläufer der Gebirge, die das Innere durchziehen, treten erst in einer Entfernung von 150 km an die Küste heran, so daß der erste Eindruck , den man vom Lande selbst gewinnt, kein sehr einnehmender ist. Hinter dem ersten schmalen Küstensaum liegen mehr oder weniger breite Lagunen, die, in einiger Entfernung vom Stand, diesem entlang laufen. Im Osten und Westen bilden sie schiffbare Kanäle, die in der Mitte aber erweitern sie sich zu einem geräumigen See, an dessen Ufer u.a. auch das Dorf Togo liegt. Im Westen versandet die Lagune allmählich. Hier bietet sie keine Gelegenheit zu Ansiedlungen, im Osten dagegen steckt sie voll von Niederlassungen der verschiedensten Art. Hinter der Lagune kommt dann fester, rötlicher Boden, Laterit, der stark eisenhaltig und je nach seiner Zusammensetzung oder seiner Verwitterung mehr oder weniger fruchtbar und kulturfähig ist. Die Küstenebene erhebt sich ganz unmerklich in langen flachen Wellen bis zum Gebirge selbst, das eine mittlere Höhe von nur 600 m zeigt. Die höchste Erhebung bei Stadion Misahöhe zeigt 1840 m. Das Gebirge enthält vorzügliche Quarze und Schiefer, doch kommt auch Granit vor und bildet die Wasserscheide zwischen den Grenzflüssen Volta und Mono sowie dem Niger und Volta. Seine Abhänge zeigen herrlichen Hochwald, der namentlich in den Tälern und am Fuße des Gebirges in höchster Fülle prangt und den großartigsten Eindruck auf jeden Besucher hervorruft. Weiter nach Norden zu ändert sich aber das Aussehen der Landschaft. Die Hochebene tritt mehr hervor, der Hochwald entsprechend dem Aufhören der Wasserläufe mehr zurück, und weite Grasflächen ersetzen ihn, eine vorzügliche Weide für zahlreiche Schaf- und Rinderherden. Die beiden Flüsse Volta, westlich, und Mono, östlich des Landes, sind für weitere Strecken schiffbar und daher von der größten Bedeutung für die ganze Bewirtschaftung und Ausnutzungen der Kolonie. Leider gehört die Mündung des Volta unserem englischen Nachbarn, so daß diese Verkehrsstraße für den deutschen Verkehr erheblich beschränkt ist. Dagegen verfügen auf Grund des deutsch-französischen Vertrages von 1897 die Deutschen ganz über den Monofluß, so daß sie wenigstens nach dieser Seite hin nicht behindert sind, obwohl der Mono bei weitem nicht die Ausdehnung und die Tragfähigkeit besitzt wie der Voltastrom.

Der Nordabhang des Gebirges fällt etwa vom 8. Breitengrad an allmählich ab, Bismarcksburg liegt noch 710 m hoch. Dann folgen nach Norden zu wieder ärmere, trockenere Landstrecken, der Ackerbau hört wieder auf und Viehzucht tritt an seine Stelle. Das Schwein, das Haupthaustier des Küstenlandes, verschwindet jenseits des Gebirges vollständig, die Rinder mehren sich, und Pferd und Esel, die in der Küstenniederung schwer zu halten sind, weil sie das Klima nicht vertragen, treten hinzu. Viehzucht bildet hier den Hauptnahrungszweig der Eingeborenen, und dieser liefert die vornehmlichsten Produkte für den Handel. Landschaftlich macht die ganze Gebirgsgegend von Togoland den günstigsten Eindruck auf den Besucher, und das Urteil darüber geht allgemein dahin, daß man hier vielfach an die deutschen Mittelgebirge, namentlich an Thüringens Berge und den Harz, erinnert wird. Der Jeggebach bei Bismarcksburg kann z.B. gut und gern dem Laufe der Ilse im Harz gleich gefunden werden, natürlich muß man Besonderheiten der tropischen dabei übersehen. Das eine steht fest: das Togo des Küstenlandes ist eine ganz andere Landschaft als das des gebirgigen Inneren. Dieses umschließt durchaus gesegnete und wertvolle Landschaften, deren Bewohner wohl zu friedlicher Arbeit gefördert werden können.

Den Küstenstrich belebt aus dem Pflanzenreiche lediglich die Kokospalme, die auf dem Boden, den das Seewasser tränkt, immer gut gedeiht. Deshalb wird hier der Anbau auch fachmäßig betrieben. Anders wird die Landschaft jenseits der Lagunen und im gebirgigen Hinterlande. Da finden sich weite, blühende Kulturen der Eingeborenen, Felder mit Maniok, Mais, Yams, Erdnüssen, Bohnen, auch Baumwolle und Tabak, Bananen, Ölpalmen in schönen Gruppen, Ananas in herrlichen Pflanzungen, dazu allerlei Obstbäume. Auch die Grassteppen des Inneren sind nicht alles Baumwuchses entledigt und tragen durchaus nicht den eintönigen Steppencharakter anderer Erdteile. Denn überall zeigen sich Bäume und Gesträuche, die unter Umständen auch zu lichten Gehölzen zusammentreten, und namentlich sind es die Ränder der Wasserläufe, die von hohen Bäumen mit dichtem Untergebüsch, wenn auch nicht in allzu weiter Ausdehnung, besetzt sind. Affenbrotbäume, Ölpalmen, Fächerpalmen u.d.m. treten hier besonders auf. In dicht bestandenen Gebirgswalde, namentlich an den Rändern der Wasserläufe, findet sich allenthalben eine der wertvollsten Pflanzen des Landes: die Kautschukliane (Landophia), die ganz vorzüglichen Kautschuk liefert. Leider begnügen sich die Eingeborenen nicht damit, diesen kostbaren Saft durch sachgemäße Einschnitte in die Rinde der Pflanze zu gewinnen, sondern sie nehmen die ganze Pflanze, vernichten auch die Wurzel und haben dadurch dies edle Gewächs z.B. in den nach der Küste zu gelegenen Waldbeständen schon fast ausgerottet. Die kaiserliche Verwaltung hat die Beseitigung dieser Unsitte und den Schutz der Landophia von Anfang an zum Gegenstande ihrer Sorge gemacht und durch besondere Maßregeln die bleibende Produktion der Kautschukbäume gesichert.

Auch der Kolanußbaum, der in seinen Früchten ein in den benachbarten Haussastaaten überaus beliebtes Genußmittel hervorbringt und damit einen äußerst wichtigen Handelsartikel bietet, ist der Flora Togos eigentümlich. In frischen Zustand wird die Kolanuß in Blättern verpackt verschickt und von den Bewohnern der Haussastaaten als begehrtes Genußmittel gekaut. Bei besserer Verpackung kann die Kolanuß auch für Toga ein höchst wertvoller Ausfuhrartikel werden, da man auch in Europa diesem anregenden und ganz unschädlichen Genußmittel Aufmerksamkeit zu schenken beginnt. Das wesentlichste Produkt der westafrikanischen Länder ist aber die Frucht der Ölpalme, aus deren hellroten Früchten ein wertvolles Öl gewonnen wird. Große Mengen von Palmöl werden schon jetzt im Hinterland gewonnen. Leider macht sich der Mangel aller Transportmittel dabei sehr unangenehm bemerkbar. Viel geht dem Handel dadurch verloren, daß die Mittel fehlen, die großen Mengen von Palmöl aus dem Innern nach der Küste zu schaffen. Wichtig ist in der Beziehung auch die Kopra, der Rückstand der Palmkerne, welcher nach Auspressung des Öls bleibt, die namentlich für die Seifenfabrikation noch sehr brauchbar ist. Auch hiervon müssen große Massen unbenutzt im Innern verkommen, weil die Mittel zu ihrer Beförderung an die See noch immer fehlen.

Eine andere Ölfrucht ist die Erdnuß, die, namentlich als Nahrungsmittel, viel angebaut wird. Sie liefert ein sehr gutes Speiseöl, das auch in Europa schon geschätzt wird, und dem Olivenöl, das ja bekanntlich kaum noch unverfälscht zu bekommen ist, erfolgreiche Konkurrenz bereitet. Auch der Schibutterbaum bildet ein sehr wichtiges Glied in der lange Reihe von Pflanzen dieses Himmelsstriches, deren Früchte Öl oder Fett geben. Die Schibutter, welche durch Kochen der angerösteten Früchte des Baumes gewonnen wird, bildet ein sehr wichtiges Speisefett im Haushalte der Bewohner dieses Himmelsstriches. Togos Waldungen bieten natürlich auch schönes Bau- und Nutzholz in Fülle, vor allem in den verschiedenen schon genannten Palmenarten, in der Fächerpalme (Borassus flabelliformis), von der auch die einfachste Blattfaser nutzbar bleibt, in dem Odumbaume, dem Baumwollenbaume usw. Der letztere liefert namentlich auch das Holz zu den verschiedensten Fahrzeugen auf den Gewässern. Im Jahre 1896/97 betrug der Gesamtwert der Landesproduktion bereits 1309753 Mark, immerhin schon ein hübsches Sümmchen.

Die Tierwelt des Togolandes bietet dieselben Erscheinungen wie die von Westafrika überhaupt. Auch der Elefant kommt vor, doch ist er nicht eigentlich ansässig. Hauptwild bieten die zahlreichen Antilopenarten, namentlich die Pferde-, Schirr-, Kuhantilope, der rote Büffel, das Wildschwein. Von den Raubtieren trifft man den Leoparden; auch der Löwe macht zu Zeiten Besuche, die vor allem den Schweineställen gelten. Geflügel ist reichlich, namentlich in den Lagunen vertreten. Hier findet sich auch noch das Krokodil. In den Grasflächen der Hochebenen machen sich die schwarzen Ameisen ungemein lästig und sind die kegelförmigen Bauten der Termiten eine besondere Eigentümlichkeit dieser Gegend. An allerhand anderen Kerbtieren, wie an Eidechsen, Schlangen u.d.m. ist kein Mangel. Der Sandfloh, der such unter die Nägel der Füße einbohrt und sehr schwer zu entfernen ist, weil er heftige Entzündungen verursacht, ist eine Plage aller, die es lieben, barfuß zu gehen, während der Guineawurm, ein höchst eigentümliches fadenartiges Gebilde, sich in den Muskeln des Menschen entwickelt und viele Schmerzen herruft. Von Haustieren haben wir außer der Ziege die einzelnen Arten bereits genannt. Wir fügen hinzu, daß man es sich sehr angelegen sein läßt, eine geeignete Pferderasse einzugewöhnen, um ein brauchbares Zug- und Lasttier zu gewinnen.

Die Einwohner sind durchweg gut gebaute kräftige Gestalten, zu deren Hautfarbe als ein dunkles Kaffeebraun bezeichnet werden muß, die sie nicht das Schwarz der wirklichen Neger und nicht mehr das Braun ihrer nördlichen Nachbarn, sondern einen tieferen Ton in dieser Farbe zeigen. Zum größten Teile gehören sie dem Stamme der Ewe an, der im ganzen auf einer schon mehr entwickelten Stufe steht. Man kann füglich bei ihm nicht mehr von Wilden sprechen. Sie betreiben ebenso emsig wie kunstfertig verschiedene Handwerke, die doch schon ein etwas höheres Verständnis und eine entwickelte Geistestätigkeit erfordern, wie Töpferei, Schmiederei, Weberei u.d.m., und ihre Erzeugnisse sind nicht frei von einer gewissen Stilfertigkeit. Unter dem Einflusse der Mission sind schon sehr gute Arbeiter für Tischlerei, Glaserei und die verschiedenen Bauhandwerke aus den Eingeborenen ausgebildet worden, so daß in dieser Hinsicht unter den Togoleuten ganz andere Leistungen zustande kommen als in anderen Kolonien. Die Ewe sind auch reinlicher als andere Stämme. Namentlich hat das weibliche Geschlecht am Baden und Waschen eine aufrichtige Freude, was anderswo dem Neger nur wenig nachgerühmt werden kann. Von Charakter sind sind sie friedfertig und heiter wenig kriegerisch und neigen vorzüglich zu harmlosen Scherzen, wie ihre ganze Gemütsart patriarchalischen Zuständen zugeneigt und sogar die Sklaverei bei ihnen einen milden Charakter trägt. Sklavenkinder sind frei, und die Sklaven nennen ihren Herrn: "Vater", wie er sie denn auch wirklich freundlich als solcher behandelt. Darin, daß die Männer nicht arbeiten, gleichen sie freilich allen Negerstämmen. "Vater" ruht sich sein Leben lang zu Hause aus, höchstens schwatzt er mit den Nachbarn oder hat beim Palaver der Gemeinde zu tun.

Abends, wenn die Weiber und Sklaven von der Arbeit zurückgekehrt sind, beginnen fröhliche Unterhaltungen, bei denen Musik ertönt und Palmwein getrunken wird, auch Branntwein, wenn es welchen gibt. Aber in diesen Genüssen sind die Einwohner durchaus maßvoll; es wird gesungen, gelacht, gescherzt, auch getanzt, niemals arten diese Freuden in so wilde Orgien aus, wie man bei anderen Negerstämmen nur zu oft findet. Die Stellung des Weibes ist unwürdig. Es wird vom Manne gekauft und daher dem Sklaven gleich geachtet, dennoch eigentlich nicht schlecht behandelt. Die Frauen selbst sind kindlich genug, sich in alles zu finden, wenn sie nur ihrer Putzsucht dabei genügen können, die bei ihrem sonstigen Naturzustande merkwürdig ausgebildet ist. So geben sie ungemein viel auf Schmuck und tragen Arm- und Beinringe in unbeschränkter Zahl, je nachdem sie solche bekommen können. Auf ihre eigentümliche Haarfrisur legen sie hohen Wert; doch gehört dazu, sie zu tragen, schon ein gewisser Wohlstand, weil sie vollständig daran hindert, etwas auf dem Kopfe zu tragen. Denn die Haare müssen dazu einzeln so lange gezogen und gekämmt werden, bis sie starr aufwärts gerichtet bleiben und in dieser Lage sich halten. Natürlich erfordert das Zeit, Mühe und allerhand Hilfsmittel.

Die Religion der Einwohner ist ein roher Fetischdienst. Die Fetischstadt Be, nur wenige Kilometer von Lome entfernt, enthält eine große Anzahlvon allerhand Fetischen, im allgemeinen auch nur eine Sammlung von Götzenbildern, die eine Kraft verkörpern, vor der man sich zu fürchten habe. Die christliche Mission hat hier noch viel zu tun, doch kommt ihr der freundliche Charakter des Volkes zu Hilfe. Im Jahre 1897 waren im ganzen 32 Missionare verschiedener Gesellschaften tätig.

In den Tropen wird der Europäer schon wegen des Klimas stets in der bedeutenden Minderzahl sich befinden müssen. Es kann auch in Togo nicht anders sein. Daher kommt es vor allem darauf an, die Eingeborenen zu erziehen und an arbeitsames, gesittetes Leben zu gewöhnen. Dazu hat das Staatsregiment im Verein mit Kirche und Schule das Seine zu tun. Leicht ist das nicht, und schnell geht es auch nicht. Denn wie, um in Togo zu landen, erst die überaus heftige Brandung der Küste überwunden werden muß, was nicht nur seine Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten, sondern geradezu seine Gefahren hat, so ist es trotz aller Gutmütigkeit der Togoleute doch nicht so leicht, wirklich an sie heranzukommen und dauernd auf sie einzuwirken. Kann das deutsche Gouvernement in Togoland auch eine Schutztruppe entbehren, so erfordert doch auch seine Arbeit viel Geduld, Mühe und Entsagung, und der Erfolg darf nicht nach Tagen und Monden, er muß vielmehr nach Jahren und Geschlechtern berechnet werden.

Quelle: Sonntags Zeitung 1899/1900, von rado jadu 2002

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