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Auf den Spuren der deutschen Kolonien

Ein Gang durch Deutschlands Kolonien

Von Karl Bernhard

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3. Kamerun

Es war im Jahre 1868, als die Hamburger Firma Wörmann an der Westküste Afrikas da, wo gegenüber der Insel Fernando Po der Kamerunfluß zu einer großen, eine Ahornblatt gleichen Meeresbucht sich erweitert, Handelsplätze errichtete und begann, die Produkte der Eingeborenen, Dualla, nach Europa zu verfrachten. 1874 folgte die Hamburger Gesellschaft Jantzen und Thormälen ihrem Vorgange. Beide Firmen ließen sich durch besondere Verträge mit den beiden Dualla-Häuptlingen Bell und Akwa deren Hoheitsrechte abtreten, um sie noch im selben Jahre dem Deutschen Reich zu überlassen. Dr. Gustav Nachtigal, der bekannte Afrikaforscher, der seit einigen Jahren in den Konsulatsdienst des Deutschen Reiches getreten war, wurde im Frühjahr 1884 als kaiserlicher Kommissar nach Westafrika entsandt, um die nötigen Verträge abzuschließen und die ersten Einrichtungen für die Verwaltung des neuen Besitzes zu treffen. Leider sollte er ohne blutige Kämpfe nicht zu behaupten sein. Schon im Herbst lehnten sich einige Häuptlinge der Dualla gegen die deutsche Herrschaft auf, so daß die Entsendung von Kriegsschiffen nach Kamerun nötig wurde. Am 20. Dezember 1884 wurde von der Besatzung der beiden deutschen Kreuzer "Bismarck" und "Olga" die aufrührerische Joßstadt angegriffen und verbrannt. An ihrer Stelle erheben sich seitdem die deutschen Gouverneursgebäude. Die Grenzen der neuen deutschen Kolonie wurden dann auch für das Hinterland mit England und Frankreich durch verschiedene Verträge festgestellt, verschiedene Versuche eingeborener Volksstämme jedesmal schnell und tatkräftig unterdrückt und so binnen eines Jahrzehntes die Bedingungen einer gedeihlichen Entwicklung des schönen Landes geschaffen. Das Hinterland von Kamerun erstreckt sich bis an den Tschadsee. Der Flächeninhalt des gesamten deutschen Besitzes beträgt fast 9000 Quadratmeilen. Das Innere des Schutzgebietes ist im ganzen noch wenig, zum Teil sogar noch gar nicht erschlossen. Doch haben neuere deutsche Reisende, wie Buchner, Jäger und namentlich C. Morgen schon viel dazu beigetragen, das Land bekannter zu machen,

Eine besondere Eigentümlichkeit des Geländes ist die Kamerungebirge, das nordwestlich von Kamerunflusse als das höchste Gebirge in Westafrika sich in seiner höchsten Spitze bis rund 4000 Meter Höhe erhebt. Es ist ein vulkanischer Gebirgsstock, der nach der Küste steil, nach dem inneren Lande sanfter abfällt. Aus den erloschenen Kratern sind Ausbrüche seit Menschenaltern nicht mehr vorgekommen, doch zeigen Schwefeldämpfe, die hin und wieder in der Nähe der Nähe der höchsten Gipfel aus den Felsen kommen, daß die innere Glut noch immer nicht erloschen ist. Auf den Kämmen des Gebirges liegt bisweilen Schnee, während der unterste Abhang bis zur Höhe von 2500 Meter von tropischen Urwald bedeckt ist. Das Land am Fuße des Gebirges besteht aus äußerst fruchtbaren Boden, der die günstigsten Bedingungen für den Plantagenbau bietet. Am Südfuß der Berge liegt die Regierungsstation Viktoria mit einem botanischen Versuchsgarten. Die Hauptspitzen des Gebirges sind meist in trüben Dunstwellen verborgen, höchstens, daß man hin und wieder die äußersten Gipfel hervortreten sieht. Selten enthüllt das Gebirge sich klar, dann bietet es aber auch einen höchst eindrucksvollen Anblick, weil man jede Einzelform, jede kleine und größere Spitze, jede Taleinsenkung genau erkennen kann. Der Küstenrand zeigt lange Strecken hindurch nur steilen, oft tief zerklüfteten Felsenabhang, während da, wo Flußmündungen dazwischentreten, undurchdringliches Mangrove-Dickichte auf tiefen Sumpfboden auftreten. Die Reede von Kamerun selbst zeigt eine wohl noch nicht ganz fertige Deltabildung, zu der die Mündungen von vier verschiedenen größeren Flüssen beitragen. Da die Öffnung nach dem Meere hin nur 8 km weit ist, ist hier eine für die Schiffahrt sehr angenehme Bucht entstanden, die zur Flutzeit auch ein weiteres Hinauffahren größerer Schiffe in die einzelnen hier mündenden Ströme ermöglicht. Namentlich wird dadurch der Wari, der Kamerunfluß im engeren Sinne, den Handelssschiffen von erheblichem Nutzen. Leider ist der Verkehrswert der Flüsse durch Fälle und Stromschnellen sehr beschränkt, so daß sie für die Ausnutzung der Schutzgebiete fast vollständig außer Betracht bleiben müssen.

Die Vegetation des Landes ist infolge der häufigen und reichlichen Niederschläge ganz besonders üppig. Am Strande fällt vor allem der Mangrovebaum, jene eigentümliche Erscheinung eines auf Stelzen stehenden baumartigen Gewächses, das mit seinen Wurzeln sich hoch über den Boden erhebt und aus einem Gewirr von Wurzelästen seinen Stamm emportreibt, während seilartig frei herabhängende Luftwurzeln von oben her sich herniedersenken, ein Bild, das seinen vollen Eindruck erst zur Ebbezeit hervorkehrt, wenn das Wurzelgewirre des Baumes, von Wasser entblößt, dem Auge sich ganz und voll darbietet. Der nächste Teil des Pflanzenwuchses, an den schon höher gelegenen Ufern der Flüsse hinauf, zeigt mehr den Charakter eines Buschwaldes, da er auffallend arm an Bäumen ist. Nur hie und da erhebt sich einer der Riesen von Baumwollbäumen mit ihren großartigen Formen, ihren eigentümlichen, strebepfeilartig an den untersten Teil sich anlehnenden Brettwurzeln, welche dem ganzen Stamm den Stürmen gegenüber besondere Festigkeit verleihen. Dann kommt der tropische Urwald mit allen möglichen Arten hoch aufstrebender Stämme, mit dichtem Unterholz und jenen den Tropen eigentümlichen Lianengeflechte, das, von Baum zu Baum sich schlingend, die Wanderung ohne Anwendung von Beil und Messer schier unmöglich macht. Die Lianen sind so zähe und fest, daß sie sich wie Drahtseile verwenden lassen und den Eingeborenen sogar ein vorzügliches Material zur Errichtung von Hängebrücken über kleine Flüsse gewähren. Solche Lianenbrücken erfordern zu ihrem Überschreiten zwar eine gewisse Gewandtheit, sind aber sehr haltbar. Im südlichen Kamerun schließt sich an den Urwald dann die Savanne an, jenes herrliche Weideland mit seiner an Nahrung für allerhand Wild und Vieh unversiegbaren Grassteppe. Auf dem Kamerungebirge trägt der Hochwald einen etwas anderen Charakter als im Urwalde. Hier fehlen namentlich die Lianen, dafür ist der Pflanzenwuchs reicher an Farnen und Moosen wie an Schmarotzerpflanzen, die auf den Bäumen wuchern und sie in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Absterben bringen.

Die Tierwelt zeigt vor allem den Elefanten, der in dem eigentlichen Urwalde noch recht häufig zu finden ist und dessen Jagd und Fang von den Eingeborenen gern geübt wird. Allerdings geschehen beide nur auf höchst einfältige Art. Man treibt den Elefanten teils in Gruben, teils in Umzäunungen, ist er aber erst mal darin, so versteht er nicht mehr, sich herauszuhelfen. Selbst eine ganz schwache Umzäunung von Strauchwerk hält ihn zurück, als ob er nie im stande wäre, von seiner Riesenkraft Gebrauch zu machen. Dann muß er einen sehr langwierigen Tod erleiden. Mit ihren schwachen Waffen quälen die schwarzen Jäger ihr Wild langsam zu Tode, bis es endlich den Geschossen erliegt, was unter Umständen über eine Woche dauert. Natürlich wird der Elefant besonders des Elfenbeins wegen gejagt, das einen geschätzten Handelsartikel darstellt. — Ein gefährlicher Gegner ist dem kamerunischen Jäger der Gorilla, doch ist er in den letzten Zeiten nur in wenigen Exemplaren erlegt worden, so daß er als ständiger Bewohner der Kamerunwälder nicht wohl mehr zu achten ist. Die Eingeborenen fürchten ihn und weben eine Kranz von allerhand Sagen um diesen menschenartigen Affen, namentlich reden ihm die Weiber allerhand bösartige Absichten gegen ihr Geschlecht nach. In den Küstengebieten ist er natürlich nicht mehr gefunden worden. — Dagegen ist das Hinterland von Kamerun noch reich an Raubtieren aller Arten, wie sie das innere Afrika zahlreich besitzt, und Löwen, Leoparden, Hyänen finden sich dort noch genug. Schlangen gibt es an der Küste so gut wie gar nicht, doch wird eine höchstens 3/4 Meter lange schwarze Natterart wegen ihres tödlichen Bisses von den Negern sehr gefürchtet. Die Flüsse sind leider noch sehr von den Krokodilen bevölkert, so daß das Baden im Freien wohl seine sehr bedenkliche Seiten hat, während die Flußpferde dem Badenden nicht hinderlich sind, namentlich da man sich stets rechtzeitig vor ihnen zurückziehen kann. Von den zahlreichen Antilopenarten, die Afrikas besonderer Besitz sind, kommt nur eine Zwergantilopenart an den Küsten vor, dagegen ist das Innere, namentlich die Savanne, reicht belebt von Herden dieser Tiergattung, ebenso von Gnus und Büffeln, und der Jäger findet hier noch eine wertvolle Beute. Die Wälder sind stark bevölkert von eine Menge von Affen-und Papageienarten, auch an sonstigen gefiederten Bewohnern der Luft ist kein Mangel. Noch weniger freilich an Insektengetier, unter diesen Moskitos und Fliegen und eine recht gefährliche Art von Ameisen, die nicht nur bei Tage, sondern auch des Nachts ihre Wanderzüge unternimmt, sich einen besonderen Namen machen.

Die Bevölkerung wird auf etwa vier Millionen Einwohner geschätzt, die in verschiedene Stämme zerfällt, deren Sprache und Stellung unter den afrikanischen Völkern erst wenig erforscht sind. Am Kamerunbecken wohnen die Dualla. Es sind derbgebaute und gutgenährte Gestalten, ganz der Art des westafrikanischen Negerstammes entsprechend. Ihr Charakter ist allerdings durch langen Umgang mit Europäern, von denen sie in den Vertretern des Handelsstandes nicht gerade die besten Elemente kennen lernten, nicht auf das vorteilhafteste beeinflußt. So haben sie sich allerlei betrügerische Sitten angewöhnt und dadurch nicht wenig in Verruf gebracht. Andererseits sind sie dadurch auch zu einem gewissen Wohlstand gekommen. Ihre Häuser sind Giebelhäuser von bis zu hundert Schritt Länge und durchschnittlich acht Schritt Tiefe. Sie sind der Länge nach in Kammern geteilt, von denen mehrere einen besonderen Eigang haben. Das mittelste Gemach ist das des Mannes, die zahlreichen Weiber verteilen sich mit ihren Kindern in die verschiedenen Kammern. Die Wände sind von einem Gitterwerk aus gespaltenen Palmrippen aufgebaut, deren Zwischenräume mit Rindenplatten verdeckt sind, und werden von einer aus festgestampften Lehm gebildeten Plattform von 2-3 Fuß Höhe gestützt. Zur Bedeckung des Daches dienen mehrere Lagen Palmblätter. Ihre Religion ist ein ganz roher Fetischismus. Ihre Häuptlinge sind einfache Dorfschulzen, und nichts hat die Engländer dazu berechtigt, ihnen den Titel eines Königs, King, anzuheften, mit dem in der ersten Zeit der Unterwerfung unter Deutschlands Regiment auch in Deutschland selbst so viel Unfug getrieben worden ist. Als Bootsbauer haben es die Dualla zu einer entschiedenen Fertigkeit gebracht. Sie bauen die kleinen und großen Boote, welche wegen der zahlreichen Wasseradern des Küstenlandes für den Verkehr von der größten Bedeutung sind. Die größten Kähne fassen bis zu 100 Mann und sind bis zu 25 m lang und bis zu 1,70 m breit. Andere Völkerschaften sind die Bakwiri und Bamboko an den Abhängen des Kamerungebirges, die Batange an der Küste, weiter im Innern die Bakoko und die Fan oder Mpongwe. Im Hinterlande, namentlich in der grasreichen Savanne, wohnen andere, vielfach kriegerische Stämme, worunter besonders die Jaunde den Ruf eines rein idyllischen Naturvolkes bei verschiedenen Reisenden gewonnen haben, weil sie sich durch mancherlei Vorzüge vor den anderen hervorheben. Dabei ist aber nicht alles Gold, was glänzt, denn des Greuel des Menschenopfers ist erst durch die deutsche Jaundestation, welche hier eingerichtet worden ist, beseitigt worden. Doch ist man immer noch nicht sicher, hier auf Menschenfresser zu stoßen.

Die Nahrungsmittel, welche im Lande erzeugt werden, bestehen hauptsächlich aus einer Reihe von Knollenfrüchten, namentlich Yams- und Maniokwurzel, verschiedene Getreidearten, wie Hirse und Mais, Hülsenfrüchten, besonders auch aus Bananen, die hier gekocht wie geröstet ein Hauptnahrungsmittel bilden. An Handelsgewächsen ist bei der Üppigkeit des Klimas ebenfalls kein Mangel. Ebenholz und Mahagoni, letzteres allerdings im Unterschiede von dem Amerikas, sind wertvolle Produkte der Waldungen, denen verschiedene Farbhölzer zur Seite treten. Die Raphiapalme liefert den für den Handel sehr wichtigen Piassava, die Rotangpalme mit ihren dünnen Stämmchen das bekannte Stuhlrohr, der Baumwollenbaum eine Art Baumwolle, die sich zwar nicht verspinnen läßt, die aber zur Polsterung von Möbeln und Matratzen wenigstens in den Tropen Verwendung findet. Auch Indigo wird, wenigstens im Hinterlande, in Adamana, gebaut, wenn auch noch nicht in größerem Umfange. Kautschuk bildet natürlich auch hier einen hervorragenden Ausfuhrartikel, hauptsächlich liefern ihn wie in Togo die verschiedenen Lianen der Wälder, unter denen die Landolphia besonderen Wert hat. Auch hier kommt es noch darauf an, die Eingeborenen zu der Einsicht zu bringen, daß sie den Raubbau, den sie zu treiben gewohnt sind, endlich aufgeben und eine verständige Ausnutzung der Pflanzen, nicht aber ihre Vertilgung betreiben. Einen hohen Platz nimmt unter den Handelsgegenständen von Kamerun das Palmöl ein, das namentlich von der Ölpalme stammt und in Mengen ausgeführt wird. Hier in Kamerun ist die Ölpalme die wesentlichste Lieferin des Öls, das in den Handel kommt, da Erdnüsse zwar massenweise, aber nur zum eigenen Genusse gebaut werden: die Bereitung von Erdnußöl ist in Kamerun nicht üblich. Von Gewürzen wird Ingwer gebaut und ausgeführt. Auch Kopal, jenes halbfossile Harz, das den Kopallack liefert, wird in Kamerun gefunden und in den Handel gebracht. Zum Anbau eignet sich besonders Tabak, Kaffee, Zuckerrohr, Vanille, Zimt, und Kakao. Namentlich der letztere hat hier eine Zukunft. Die Aussaat der Kakaobohnen erfolgt zu Anfang oder zum Schlusse der Regenzeit, also im Oktober oder im April. Gewöhnlich werden die Bohnen etwa 2 cm tief in ein Loch gelegt. Später läßt man nur die stärkste Pflanze weiter wachsen. Da die jungen Pflanzen sehr empfindlich gegen Sonnenbrand sind, gibt man ihnen eine Deckfrucht und erzieht sie unter Bananen. Fleißig muß alles Unkraut um sie herum entfernt werden. An den Trieben des vergangenen Jahres bringt die Pflanze dann die Blüten, aus denen die gurkenförmigen Früchte sich entwickeln, in deren Mark die wertvollen Bohnen liegen, von denen jede Pflanze etwa 6-800 trägt.

Das Klima von Kamerun zeigt für den Europäer all die Schädlichkeiten, welche die Tropenzone mit sich bringt. So hat es seine Fieberstriche wie seine gesunden Landstriche, letztere sind erklärlicherweise vornehmlich auf dem Gebirge und in den Hochebenen zu suchen. Die verschiedenen Malariafieber haben schon manchen hoffnungsvollen Mann dahingerafft und werden auch wohl zu leicht nicht nachlassen, ihre Opfer zu fordern. — Unter die ersten Opfer ist der berühmte Afrikareisende Gustav Nachtigal zu rechnen, der am 8. April 1885 Kamerun verließ, um nach Deutschland zurückzukehren, aber bereits am 20. April an Bord des Kriegsschiffes "Möve" an einem Tropenfieber starb. Seine Reste wurden tags darauf auf Kap Palma beerdigt und später nach Kamerun zurückgebracht. Später wurde ihm hier ein würdiges Denkmal errichtet. — Ein anderes kostbares Opfer, das uns Kamerun gekostet hat, hat der Hauptmann Karl Freiherr von Gravenreuth mit seinem Leben gebracht, das er am 5. November 1891 im Kampfe mit den aufständischen Aboleuten dicht vor den Palisaden des Dorfes Buca verlor, als er beim Sturme darauf den Seinigen heldenhaft voranging. Freiherr von Gravenreuth hatte sich bei der Verteidigung gegen die empörten Araber schon derart ausgezeichnet, daß er sich bei ihnen den ehrenden Beinamen Simba mrima, Löwe der Küste, erworben hatte. Dicht am Strande in Kamerun ist ihm ein imposantes Denkmal errichtet worden, gleichsam die Verkörperung dieses Namens: ein Löwe mit den Vordertatzen auf eine Fahne sich stützend, die mir lorbeergezierter Spitze vor ihm liegt, sitzt auf einem viereckigen, sich aus breitem Sockel aufbauenden Postament, dessen Vorderseite das wohlgetroffene Reliefporträt des Freiherrn trägt. — Auch die deutsche Marine hat ihre Opfer in Kamerun gebracht. Beim Sturme auf Bellstadt am 20. Dezember 1884 fiel der Matrose Rudolph Bugge aus Detmold als der erste deutsche Seemann, der sein Leben für Deutschlands Kolonien dahingab. Am selben Tage hauchte ein junger deutscher Kaufmann, Joh. Karl Pantesius, Vorstand der Wörmannschen Faktorei aus Lübeck, unter den Speeren der aufrührerischen Joßleute sein Leben aus. Leicht könnten wir diesen Namen noch eine Reihe anderer hinzufügen, wir nennen als neuestes Opfer Kameruns aber nur den Dr. Rud. Plehn, der am 24. November 1899 bei der Errichtung einer neuen Station in Südkamerun durch einen vergifteten Pfeil sein Leben endete, und den Leutnant von Queis von der Schutztruppe Schutztruppe, der im September 1899 im Kampfe mit den räuberischen Eingeborenen im Innern des Schutzgebietes gefallen ist. An der Spitze der Verwaltung der Kolonie steht ein kaiserlicher Gouverneur, unter ihm vier Bezirksamtmänner für die vier Bezirksämter Kamerun, Viktoria, Kribi und Edea, unter denen die einzelnen Stationen stehen, die je nach den Verhältnissen, Militär-, Kultur-, Zoll- oder Handelsstationen sind. Für die Bildung und Erziehung der Eingeborenen tut die Mission das Ihrige.

Die Baseler Mission arbeitet mit einem europäischen Personale von über 30 Köpfen und etwa 100 Nationalgehilfen. Ihre Gemeinden zählen bereits an 2000 Seelen aus den Eingeborenen. Auch die Baptistenmission, die Nachfolgerin der englischen Mission, unter den Dualla ist mit vielem Erfolge tätig. Am meisten tritt dies auf dem Gebiete des Schulwesens hervor. Die Baseler Mission unterrichtet allein an 2000 Kinder. Auch gibt es zwei Regierungsschulen in Kamerun und in Viktoria, auf denen die Regierung sich ihre Unterbeamten als Zollbeamte, Schreiber, Dolmetscher und dergleichen heranbildet.

Quelle: Sonntags Zeitung 1899/1900, von rado jadu 2002

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