zurück

Schutzgebiete

Deutsche Kolonien 1900

I. Lage. Grösse und Bevölkerung

Togoland im westl. Afrika. 82 330 qkm, 2½ Millionen Einwohner darunter 110 ansässige Deutsche und Fremde, sonst Einheimische.

Kamerun im westlichem Afrika, 495 000 qkm. 2 500 T.E. darunter 253 ansässige Deutsche und Fremde, sonst Bantu und Dualla Einheimische.

Deutsch-Südwestafrika. 835 100 qkm., 200-250 T.E. darunter 2630 ansässige Deutsche und Fremde, sonst Herero.

Deutsch-Ostafrika. 995 000 qkm, 6 Millionen Einwohner, darunter 922 ansässige Deutsche und Fremde, sonst Bantu.

Kaiser Wilhelms Land in der Südsee, 181 600 qkm, 110 T.E., Papua.

Bismarck-Archipel in der Südsee, 52 000 qkm, 200 T.E., Papua.

Nördliche Salomonsinseln in der Südsee, 22 250 qkm, 100 T.E., darunter 200 ansässige Deutsche und Fremde.

Marschall-Inseln und Navodo in der Südsee, 415 qkm, 16 T.E., darunter 74 Deutsche und Fremde, sonst Mikronesier (Mischung von Papua und Polynesier).

Kiautschu im östlichen Asien, 920 qkm, 200 T.E., Chinesen

Mariannen (Ladronen) in der Südsee, 1140 qkm, 200 T.E.

Karolinen und Palauinseln in der Südsee, 1450 qkm, 36 T.E., von denen 35 T. Einwohner (Mikronesier) sind.

Samoa, Schifferinseln, Inselgruppe im Stillen Ozean, unter 172° w. L. u. 14° s. Br., besteht in der Hauptsache aus den 4 Inseln Savai, Upolu, Tutuilau, u. Tau; die letztere wird gew. mit ihren Nebeninseln als Gruppe der Manuainseln zus. gefaßt. Die Größe entspricht dieser Anordnung, Savai hat 1707, Upolu 881, Tutuilau 139, die ganze Samoagruppe 2787 qkm. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, gebirgig und reich an Wald. Die fruchtbarste, am besten ausgebaute Insel, ist Upolu mit der Hafenstadt Apia. Samoa wurde 1722 entdeckt, seit 1830 wirken Missionen mit guten Erfolg, später begannen europäischer, bes. deutsche Pflanzer und Kaufleute sich niederzulassen.

Die beständigen Kriege der Eingeborenen führten wiederholt zum Eingreifen der Deutschen, Engländer und Amerikaner, ohne daß jedoch bei der Eifersucht der Mächte durch Besetzung Ruhe hergestellt werden konnten. Zuletzt wurden die Inseln von den 3 beteiligten Mächten gemeinsam verwaltet, was abermals zu Reibungen führte. Nachdem nochmals englische und amerikanische Kriegsschiffe in die Wirren eingegriffen hatten, gab England endlich 1899 gegen gewisse Entschädigungen seine Rechte auf Samoa auf, worauf Deutschland Savai und Upolu, Amerika Tutuila mit dem ausgezeichneten Hafen Pago-Pago und die Manuainseln erhielt

 

II. Berghöhen

Kamerungebirge
3960 m
Westafrika
Omatakoberg
2300 m
Südwestafrika
Kilima-Ndjaro
5860 m
Ostafrika

III. Flüsse

Volta 600 km schiffbar bei Hochwasser
Togo
Sanaga, Benue.
Kamerun
Kunene, Swakop, Oranje.
Südwestafrika
Rovuma, Ruaha und Pangani
Ostafrika

IV. Seen

Viktoriasee
83 000 qkm.
Tanganjikasee
35 000 qkm.
Njassasee
27 000 qkm.

V. Städte

Klein-Popo (Anekho) in Togoland.
10 T.E.
Togo
8 T.E.
Lome
2 T.E.
In Kamerun: Kamerun, Gross - und Klein-Battanga, Bimbia, Viktoria.
 
In Südwestafrika: Swakopmund, Grosswindhoek, Keetmanshoop, Bethanien, Warmbad, Rehoboth.
 
In Ostafrika
 
Dar-es-Salaam
10 T.E.
Bagamojo
10 T.E.
Pangani
10 T.E.
Saadani
4 T.E.
Tanga
4 T.E.
In Kaiser Wilhelms-Land: Friedrich Wilhelmshafen und Konstantinhafen.
 
Im Bismarck-Archipel: Herbertshöhe.
 
In Kiautschu: Kiautschu
 

VI. Landesprodukte

In Togo: Kautschuk, Vieh, Salz.
In Kamerun: Palmöl, Kopra, Kautschuk, Eben- und Mahagoniholz, Kolanüsse, Elfenbein, Kakao, Tabak, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel.
In Südwestafrika: Viehzucht, Straussenfedern, Guano, Häute, Felle, Hörner, Elfenbein, Gummi.
In Ostafrika: Elfenbein, Kautschuk, Kopal, Reis, Sesam, Zucker, Tabak, Kokosnüsse, Kopra.
In Kaiser Wilhelmsland und Bismarck-Archipel: Baumwolle, Kokospalmen, Tabak, Bananen, Kopra.
Auf den Marianen und Karolinen: Zuckerrohr, Reis, Kokos und Arekapalmen.

VII. Handel, Ausfuhr und Einfuhr.

Der Handel ist meist Tauschhandel bes. in Afrika

1. Togo

1896
Einfuhr
1 886 840 Mark
1897
Einfuhr
1 975 942 Mark
1896
Ausfuhr
1 651 416 Mark
1897
Ausfuhr
   771 025 Mark
Hauptausfuhrartikel 1897 (in Tausenden Mark): Palmkerne 428, Gummi 245, Palmöl 85.

2. Kamerun 1896

Einfuhr
5 377 943 Mk.
Ausfuhr
4 323 686 Mk.
Ausfuhrartikel (in Tausenden Mark): Palmkerne 428, Gummi elasticum 1 074, Palmöl 988, Elfenbein 562, Kakao 159.

3. Deutsch-Ostafrika (In Rupien = 1,5 M.)

1896
Einfuhr
7 008 287 Mark
1897
Einfuhr
6 840 731 Mark
1896
Ausfuhr
3 329 941 Mark
1897
Ausfuhr
 3 736 197 Mark
Verkehrsländer 1897 (In Tausenden Rupien).
Einfuhren
Ausfuhren
Deutschland
1 841
831
England
572
56
Sansibar
105
2 671
Arabien und Persien
272
65
Indien
2 813
30
Andere Länder
1 238
83
Summe
6 841
3 736

Hauptausfuhrartikel 1897. (In Taus. Rup.)

Elfenbein
1 107
Kautschuk
851
Sesam
186
Kopra
152
Tierische Fette
150
Kopal
138
Hörner und Flusspferdzähne
82
Tabak
80
Bauholz
75
Zucker
65
Gemüse und Obst
54
Arbeiten aus Flechtgras
53

Südwestafrika, 1897

Einfuhr
4 887 335 Mk.
Ausfuhr
1 246 749 Mk.
davon Guano 1 104 600, Straussenfedern 60 814, Felle und häute 37 106.

Kaiser Wilhelms-Land und Bismarck- Archipel.1895

Ausfuhr
617 990 Mk.
davon Tabak 224 000, Kopra 166 760, Baumwolle 151 900.

Marschall-Inseln 1895

Ausfuhr
277 900 Mk.
davon Kopra 270 000 Mk.

 

VIII. Verkehrsverhältnisse.

Togo
2
Post-Stationen
Kamerun
4
Post-Stationen
Südwestafrika
12
Post-Stationen
Ostafrika
18
Post-Stationen
Marschall-Inseln
1
Post-Stationen
Kiautschu
1
Post-Stationen

 

Die Kaiserliche Schutztruppe in Ostafrika zählte am 31. Juli 1898:

1 Kommandeur,
12 Hauptleute,
13 Ober-Leutn,
15 Leutn,
1 O.- Stabsarzt 1. Kl.,
9 Stabs-Aerzte,
15 Zahlmeister,
1 O.- Feuerwerker,
37 Feldwebel,
26 Unteroffiziere,
21 Lazareth-Gehilfen,
4 Schreiber,
3 Büchsenmacher,
2 Dolmetscher,
1725 farbige Soldaten;
43 Geschütze.

IX. Finanzen.

Einnahmen.

Ostafrika
Kamerun
Direkte Steuern
100 000
28 000
Zölle, Abgaben und Gebühren
1 625 000
460 000
Verschiedene Verwaltungseinnahmen.
  435 000
 92 000
Reichszuschüsse
3 805 200
 814 100
Summa
5 965 200
1 394 100

 

 
Togo
Südwestafrika
Direkte Steuern
27 000
10 000
Zölle, Abgaben und Gebühren
500 000
350 000
Verschiedene Verwaltungseinnahmen.
23 000
   40 000
Reichszuschüsse
4 600 000
Summa
550 000
5 000 000

 

Ausgaben.

 
Ostafrika
Kamerun
Persönliche Ausgaben
3 385 633
906 226
Sachliche Ausgaben
2 244 400
367 050
Einm. Ausg. f. öff. Arbeiten
   322 000
100 000
Reservefonds
    13 167
  20 824
Summa
5 965 200
1 394 100

 

 
Togo
Südwestafrika
Persönliche Ausgaben
257 175
1 417 247
Sachliche Ausgaben
183 220
1 822 570
Einm. Ausg. f. öff. Arbeiten
 95 000
1 116 000
Reservefonds
 14 605
     44 783
Summa
550 000
5 000 600

 


Kolonialwaren: Erzeugnisse überseeischer Länder (der Kolonien), z. B. Zucker, Kaffee, viele Gewürze.

Kolonien, lat, dauernde Niederlassungen eines fremden Volkes in überseeischen, bes. unzivilisierten Ländern. Völker, welche einen gr. Bevölkerungszuwachs zeigen u. nicht ausreichend Nahrungsmittel im eigenen Lande finden, werden ganz naturgemäß zur Bildung v. K. getrieben. Auch andere Nöte, z. B. rel. Verfolgungen, können dazu zwingen. Die K. bleiben in mehr od. weniger engem Zus. hamg mit dem Mutterland, u. die Kolonisten behalten jedenfalls die Eigenart ihres Volkscharakters..-
Kolonisieren. K. gründen. -
Kolonisation, Gründung v. K.; auch im eigenen Land kann solche stattfinden, nämlich da, wo der Boden noch unbebaut ist.: sog. innere Kolonisation.

Die deutschen Kolonien sind mit wenigen Ausnahmen Handels - und Pflanzer Kolonien; nur Südwest-Afrika zeigt geringe Ansätze zum Ackerbaubetrieb bez. Viehzucht durch deutsche Ansiedler, während Kiautschu bes. Ausgangspunkt für die Erschließung der chinesischen Provinz Schantung, zugleich Handelsniederlassung u. Flotten - (Kohlen-) Station ist. Die deutsche Kolonie der Südsee haben neben ihrer Eigenschaft als Handels - und Pflanzer Kolonien Bedeutung als Ausgangspunkte für den deutschen Südseehandel, als Flottenstationen und als Häfen für den Durchgangsverkehr zwischen Amerika einerseits, Asien und Australien andererseits; diese Bedeutung wird wachsen, sobald der Mittelamerikanische durchquerende Kanal ausgeführt sein wird. —

Die ursprüngliche Absicht des Fürsten Bismarck (1884), die eig. Kolonisation Erwerbsgesellschaften zu überlassen und ihnen nur im allg. den Schutz des Reiches zu gewähren, ist im Laufe der folgenden Jahre bald aufgeben. Nachdem auch die Neuguinea.Kompagnie 1899 ihre Hoheitsrechte an das Reich zurückgegeben hat, sind sämtliche deutsche Kolonien Kronkolonien, d.h. ihre Gouverneure sind bez. der Verwaltung, Geldwirtschaft, Leitung der Schutztruppe usw. unmittelbar u. ohne irgend welchen Anteil der Ansiedler usw. dem Reichskanzler bez. der v. diesem abhängenden Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts unterstellt, der Gouverneur des Pachtgebiets Kiautschu steht unter dem reichsmarineamt.

Die Ausgaben der Kolonien werden aus ihren Einnahmen (Zölle, Steuern, Landverkäufe usw.) und falls diese nicht ausreichen, aus Zuschüssen des Reichs bestritten. Zur Selbstverwaltung, etwa nach dem Muster einzelner brit. Kolonien, sind die deutschen noch nicht gelangt; sie wird vielleicht zuerst in Kiautschu, Samoa und Deutsch Südwestafrika eingerichtet werden, sobald die Zahl und Bedeutung der dortigen deutschen Kaufleute und Ansiedler in erwünschter Weise wächst. Die Übertragung gesetzgeberischer Tätigkeit (wie z. B. im Kaplande) an die Ansiedler wird aber voraussichtlich auch in den gen. deutschen Kolonien noch für lange hinaus nicht möglich sein.

China

mehr Bilder

Quelle: Volks- Universal Lexikon, von Dr. Phil. E. Dennert, Verlag von Ullrich Meyer, 1898, by rado jadu 2003