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Blätter und Blüten

Eine Riesenorchidee.

Wer in der Kongoniederung während der Monate Oktober bis Februar eine Fahrt stromaufwärts unternimmt, der wird eine Erdorchidee in voller Blüte bewundern können, welche an mächtiger Entwicklung wohl an keiner ihrer Schwestern erreicht, an Schönheit von keiner übertroffen wird. Diese Orchidee (Lissochilus giganteus Hook.) ist ein Prachtgewächs ersten Ranges, eine Königin selbst in ihrer Familie, deren Glieder doch überhaupt die wunderbarsten Blumen hervorbringen, die wir kennen.

In ihrem Habitus, selbst in Form und Farbe der Blüten, ähnelt sie einigen unserer bescheidenen heimischen Orchideen, den bekannteren, manche Wiesen zierenden Knabenkräutern; nur muß man sich die letzteren in's Riesenhafte gewachsen denken, denn Lissochilus mit zwei Meter hohen Schäften sind keineswegs selten, einzelne treiben sogar noch höhere Blütenstände. Die vorwiegend mild kaminrot, bisweilen aber auch leuchtend rot gefärbten Blüten sind bedeutender Größe. In der Regel umgeben sie nicht sehr zahlreich und darum nur locker verteilt den entsprechend dicken Schaft; bei besonders kräftigen Pflanzen entwickeln sie sich jedoch in größerer Menge und stehen so dicht gedrängt, wie die Abbildung zeigt.

Es gibt gewissermaßen arm - und reichblütige Exemplare dieses Lissochilus, ebenso wie es stark - und schwachriechende gibt. Die meisten besitzen einen zarten, bei weitem nicht so auffallenden Duft wie andere Orchideen; doch wird diese Eigenschaft wohl durch den Standort beeinflußt, denn ich bin auch auf einzelne Blütenstände gestoßen, welche einen betäubenden Wohlgeruch aushauchten.

Die Verbreitung dieser Prachtgewächse scheint eine sehr beschränkte zu sein. Hat man, am Nordufer des Kongo entlang fahrend, die Bullen - und Kalbinsel passiert, so erblickt man in der Gegend von Malela und am Südufer um Tschissanga die ersten Exemplare, welche, von fern an unsere stattlichen Malven erinnernd, sich auf feuchten und morastigen Blößen deutlich vom dunklen Hintergrunde des Buschwerkes abheben. Bis in die Umgebung von Ponta da Lehna finden sie sich in Menge und an diesem Punkte besonders zahlreich auf dem vom Gebüsch gesäuberten schlammigen Grunde rings um die englische und holländische Faktorei. Dort mögen gegenwärtig einige hundert vorkommen. Als ich im Jahre 1875 schon einmal diese Gegend besuchte, gab es daselbst erst wenige Exemplare.

Zwei Jahre früher hatte Monteiro einige Pflanzen von dieser Stelle nach England gesandt, welche in Kew Gardens mit erfolg kultiviert wurden. Sie sind wohl die einzigen, welche bisher in Europa Beachtung gefunden, denn von denen, die ich zu jener Zeit für unsere botanischen Gärten sammelte und nach Deutschland schickte, ist nichts weiter gehört worden.

Außerhalb des beschriebenen Uferstriches werden diese Orchideen sogleich seltener und verschwinden endlich gänzlich. Nur in dem Inselhaufen oberhalb Ponta da Lehna lugen noch ganz vereinzelt die schönen Blütenpyramiden aus dem hohen Grase am Ufer. Auch habe ich sie nirgends weiter weder an der Küste noch im Inneren von Westafrika beobachtet, außer an einem zweiten Standorte, und zwar am Gabun auf einem sumpfigen Terrain unsern der Hauptfaktorei des Hamburger Hauses Woermann. Doch erreichen dort die Exemplare nicht die Größe der am Kongo vorkommenden.

Zwei andere riesige Erdorchideen, wahrscheinlich ebenfalls Lissochilus, die eine mit tief purpurroten, die andere mit geblichen, violett gefleckten Blüten, fand ich vor neun Jahren sehr selten auf feuchten Stellen der Savanne von Pontanegra an der Loangaküste, halbwegs zwischen dieser Niederlassung und dem südlicher gelegenen Massabe.

Quelle: Dr. Peschuel-Löschel, Die Gartenlaube 1884, von rado by jadu 2003.

Lissochilus giganteus von Vintage Maps.com



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