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Die telegraphischen Verbindungen Deutschlands mit seinen Kolonien

von Ober Postpraktikant H. Thurn Koblenz.

Die Frage des deutschen Seekabelwesens dürfte heute um so mehr von allgemeinem Interesse sein, als sich gerade in den letzten Jahren das Verständnis von weiten Kreisen des deutschen Volkes für die Entwicklung der deutschen Seemacht und des Kolonialbesitzes merklich gehoben hat. Die Seekabeltelegraphie, deren handelswirtschaftlicher und verkehrspolitischer Wert unbestritten ist, ist als eines der idealsten Verkehrsmittel ein wichtiger Eckstein des modernen Kulturgebäudes geworden. Ein ausgedehntes Seekabelnetz ist heute nicht nur ein unentbehrliches Verkehrsmittel für die Zeiten des Friedens, sondern kann auch für die Operationen im Kriege von ausschlagender Bedeutung werden. Die große militärische Bedeutung der Unterseekabel, deren strategischer Wert besonders bei Beginn der Feindseligkeiten offen zutage tritt, ist heute allgemein anerkannt; dank dem deutschen Unternehmungsgeiste, der sich auf eine verständnisvolle Förderung und Unterstützung von seiten der deutschen Regierung stützen konnte, ist es Deutschland in den letzten Jahren gelungen, in die Reihe der Weltkabelmächte einzutreten. Während Deutschland 1876 nur 36 Kilometer von den 108 000 Kilometer des Weltkabelnetzes besaß, war der Kabelbesitz Deutschlands im Jahre 1911 auf rund 40 390 Kilometer angewachsen; er betrug dem ungefähren Werte nach etwa 100 Millionen Mark. Besonders das Bestreben anderer Staaten, die Kabellinien für die konkurrierenden Mächte zu sperren, hatte Deutschland, das den zweitstärksten Außenhandel besitzt und heute mit seinen 7 % Anteil am Weltkabelnetz unter den Kabelmächten an vierter Stelle steht, veranlaßt, sich eigene Wege für den Welttelegraphenverkehr zu schaffen, um seine Handels- und politischen Interessen von fremden Einflüssen zu befreien und verhältnismäßig hohe Summen in Kabelunternehmungen anzulegen.

Eine ausgedehnte Kabelpolitik war erst nach der am 27. Mai 1899 erfolgten Gründung der "Norddeutschen Seekabelwerke" in Nordenham möglich, die sich in kurzer Zeit gänzlich von englischem Einfluß frei gemacht haben und heute in die Reihe der ersten Kabelfirmen eingetreten sind; sie verfügen über einen unter den schwierigsten Verhältnissen erprobten Stab von Ingenieuren und Mannschaften und vermögen auch den höchsten Anforderungen gerecht zu werden. Sie haben wiederholt glänzende Proben von der Leistungsfähigkeit der jungen deutschen Seekabelindustrie abgelegt; sämtliche seit 1900 verlegten deutschen Seekabel sind von diesen Werken hergestellt und von deutschem Personal auf eigenen Kabelschiffen verlegt worden.

Für den guten Verlauf der Kabelauslegung sind zweckmäßig gebaute und mit den erforderlichen Hilfsmitteln ausgerüstete Kabeldampfer unbedingt erforderlich. Die deutsche Kabelflotte besteht zurzeit aus den beiden in Deutschland gebauten Schiffen "Stephan", dem hauptsächlich das Verlegen der Seekabel zufällt, und dem "Großherzog von Oldenburg", der in erster Linie für Kabelinstandsetzungen bestimmt ist. Beide Kabeldampfer sind mit Stationen für drahtlose Telegraphie ausgerüstet. So hat auch auf diesem Gebiete unsere heimische Industrie und Schiffahrt mit Erfolg Arbeiten übernommen, für deren Bewältigung wir bisher ausschließlich auf das Ausland angewiesen waren, so daß heute dieser Besitz eigener Kabeldampfer in nationaler Hinsicht sehr zu begrüßen ist, gleichgültig, ob wir hierbei an die friedliche Weiterentwicklung unserer Volkswirtschaft oder an die Zeiten kriegerischer Verwicklungen denken, in denen wir auf eigenen Füßen stehen müssen. Die beiden deutschen Kabeldampfer, die den Norddeutschen Seekabelwerken gehören, können hinsichtlich ihrer Eigenschaft als Spezialschiffe, als auch bezüglich ihrer Seetüchtigkeit als erstklassig bezeichnet werden.

Auf die besonders für unsere kolonialen Besitzungen wichtigen Kabel sei etwas näher eingegangen.

Deutschland ist erst sehr spät mit einer eigenen Kabelpolitik hervorgetreten. Der 1889 gefaßte Plan der Herstellung einer überseeischen Kabelverbindung nach Nordamerika bedurfte 10 Jahre, bis nach Überwindung unglaublicher Schwierigkeiten 1899 die Deutsch Atlantische Tel. Ges. in Köln zu dem Zwecke gegründet werden konnte, ein Kabel von Emden über die Azoren nach New York zu legen, das am 1. September 1900 dem Verkehr übergeben wurde. Ein zweites, von der inzwischen gegründeten deutschen Seekabelfabrik, den "Norddeutschen Seekabelwerken" hergestelltes Kabel wurde 1903/04 von derselben Gesellschaft verlegt, so daß wir in dieser wichtigen Verkehrsbeziehung heute vom Auslande unabhängig sind. Die Kabel haben den großen Vorteil, daß sie unmittelbar in New York landen, was bei den übrigen 14 nordatlantischen Kabeln, die sich auf eine englische Gesellschaftsgruppe, eine amerikanische und eine französische Gesellschaft verteilen, nicht der Fall ist. Wir werden später sehen, wie diese Kabel für unsere ostasiatischen Besitzungen und Südseekolonien ausgenutzt werden können.

Regla Teneriffa

Die Vorteile der 1904/05 von der Deutsch Niederländischen Tel. Ges. in Köln durch die Norddeutschen Seekabelwerke verlegten Kabel Manado - Jap - Guam und Schanghai - Jap für die Verbesserung unserer telegraphischen Verbindungen mit der ostasiatischen Station sind in die Augen springend. Da sich in Schanghai, am Endpunkt der Linie, die deutsche Strecke Schanghai-Liautschou-Tschifu anschließt, so haben wir mit Ostasien und unseren dortigen Besitzungen eine von England unabhängige direkte Linie über Schanghai-Jap-Guam und das amerikanische Pazifik-Kabel Manila-Guam-Honolulu. San Franzisko und dann weiter über amerikanische Landlinien nach New York, wo die deutschen Kabel über Azoren-Emden anschließen. In Schanghai hat dieses Netz ferner Anschluß an die Telegraphenlinien der chinesischen Telegraphenverwaltung sowie an das Telegraphennetz der Großen Nordischen Tel Ges. so daß wir somit einen weiteren Weg von unseren deutschen Besitzungen im Stillen Ozean über Sibirien mit Europa geschaffen haben. Durch dieses neue Kabelnetz ist ein bedeutsamer Schritt vorwärts getan zu dem Ziele, Deutschland in seinem überseeischen Telegrammverkehr von fremden Linien möglichst unabhängig zu machen.

Während bisher unsere deutschen Kolonien in Afrika ausschließlich auf englische Kabel angewiesen waren, haben wir in letzter Zeit hier einen großen Fortschritt zu verzeichnen. Seitens der 1908 in Köln gegründeten Deutsch Südamerikanischen Tel. Ges. ist nämlich am 29. März 1911 das erste deutsch südamerikanische Kabel Emden-Teneriffa-Monrovia-Pernambuco in Betrieb genommen worden. Es ist beabsichtigt, das Kabel nach Buenos Aires fortzusetzen, was sehr zu begrüßen wäre, da wir in Argentinien zahlreiche deutsche Ansiedlungen besitzen, mit denen Deutschland einen regen Handelsaustausch unterhält. Die erste unmittelbare deutsche Kabelverbindung zwischen Deutschland und Südamerika bildet einen wichtigen Markstein in der Entwicklung des deutschen Seekabelnetzes, da die deutschen Interessen in Südamerika im Laufe der Zeit eine große Bedeutung erlangt haben. Das neue Kabel wird zweifellos dazu beitragen, die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien enger zu gestalten, den deutschen Handels- und Schiffahrtsverkehr, der schon heute an zahlreichen Hafenplätzen Brasiliens den ersten Rang erobert hat, noch weiter zu fördern und das Deutschtum in Brasilien zu kräftigen und ihm seine Daseinsbedingung zu erleichtern. Die Führung des 10 740 Kilometer langen Kabels über Monrovia - diese Hauptstadt der Republik Liberia war bisher noch nicht an das Weltentelegraphennetz angeschlossen - ist insofern vorteilhaft, als bei einer direkten Führung nach Südamerika ein schwereres und wesentlich teureres Seekabel hätte genommen werden müssen, und weil hierdurch der so lange entbehrte und hoffentlich bald erfolgende Anschluß deutscher Kabel nach unseren westafrikanischen Kolonien sehr erleichtert wird. Die Gesellschaft muß nämlich auf Verlangen des Reichs das Kabel von Monrovia aus über Togo und Kamerun bis nach Deutsch Südwestafrika (Swakopmund) weiterführen, und zwar nach Kamerun spätestens bis 1. Februar 1913 und nach Swakopmund spätestens bis 1. April 1919.

Muansa
Muansa

 

Die näheren Bedingungen werden zwischen dem Reich und der Gesellschaft noch vereinbart werden. Erwähnt sei noch, daß das Reich für die Benutzung des Kabels eine feste Vergütung von jährlich a) 1 289 000 Mark für die Strecke Borkum-Teneriffa, b) 882 650 Mark für die Strecke Teneriffa-Monrovia und c) 840 000 Mark für die Strecke Monrovia-Brasilien zahlt, und zwar für jede Strecke gerechnet vom Tage der Betriebseröffnung auf derselben bis zum Ablaufe des 40. Jahres. Hierfür bezieht das Reich für die über das Kabel beförderten, aus Deutschland und seinen Hinterländern herrührenden oder dahin gehenden Telegramme die reglementsmäßigen End- und Durchgangsgebühren. Außerdem erhält das Reich von sämtlichen Einnahmen aus den auf das Kabel entfallenden Kabelraten einen Anteil von 75 Prozent, jedoch nicht mehr, als die Jahresvergütung des Reichs für das gesamte Unternehmen betragen. Eine solche Gewährung einer bestimmten jährlichen Garantieleistung unter Beteiligung des Staates an der Einnahme ist auch bei den anderen deutschen Telegraphengesellschaft angewendet worden und hat sich gut bewährt. Bei günstigen Verkehrsverhältnissen fällt hierdurch dem Reiche ein erheblicher Anteil am Gewinne zu, während die Gesellschaft in ungünstigen Zeiten die Subvention erhält, ohne daß das Interesse der Gesellschaft an größter Verkehrssteigerung schwindet.

Außerdem sind folgende für die Verbindung mit den Kolonien wichtigen unterseeischen Kabel in Anstalten der Reichs Telegraphenverwaltung eingeführt und werden dort von dieser betrieben: Zanzibar-Bagamojo-Daressalam, im Besitz der Eastern and South African Telegraph Company und Bonny-Duala, im Besitz der African Direct Telegraph Company. Für das erstere Kabel zahlt das Deutsche Reich eine Miete von 5000 Pfund Sterling, während für das zweite Kabel jährlich 6700 Pfund gezahlt werden. Für das Zweigkabel nach Swakopmund zum Anschluß an das Kabel Capstadt-Mossamedes zahlt das Reich der Besitzerin, der Eastern and South African Tel. Co., die auch das Kabel betreibt, eine Pacht von 4500 Pfund Sterling jährlich.

Unsere ostafrikanischen Kolonien sind vorläufig lediglich auf englische Kabel angewiesen. Die Legung eines eigenen Kabels durch das Rote Meer ist nicht angängig, da dieser Weg durch das englische Monopol verschlossen ist. Der Weg um die Südspitze von Afrika würde ein großer Umweg und daher kostspielig sein. Ein Überlandtelegraph von Ostafrika nach Westafrika ist wegen der vielen technischen und örtlichen Schwierigkeiten, die sich dem Bau einer oberirdischen Telegraphenlinie durch ungangbares, tropisches Gebiet entgegenstellen, kaum möglich. Wir besitzen in Ostafrika nur wenige Landlinien; einen wichtigen Faktor in der Nachrichtenübermittlung bilden in Ostafrika die optische Telegraphie und neuerdings die Funkentelegraphie.

Bei den großen Erfolgen, die dieses neueste Verkehrsmittel gerade in letzter Zeit errungen hat, liegt es nahe, die Funkentelegraphie überhaupt zur Verbesserung der Verbindung mit unseren Kolonien heranzuziehen. Wenn auch ein Wettbewerb mit unseren leistungsfähigen Kabellinien für absehbare Zeit ausgeschlossen ist, so hat sich die drahtlose Telegraphie doch als ein wichtiges und wertvolles Mittel zur Ergänzung des Kabelnetzes voll bewährt. Insbesondere können solche Verbindungen über Meer als Ersatz wenig belasteter und daher unrentabler Unterseekabel unter günstigen Bedingungen hergestellt werden, bei denen sich die teuren Unterseekabel nicht bezahlt machen würden, oder wo sonstige Schwierigkeiten örtlicher oder politischer Natur ihrer Auslegung entgegenstehen. Schon eine Ergänzung der Kabeltelegraphie ist ein gewaltiger Fortschritt auf dem Gebiete des Nachrichtendienstes.

Die meisten Kabelgesellschaften sehen heute in der Funkentelegraphie eine hochwillkommene Ergänzung der andern Verkehrsmittel und vertreten den Standpunkt, daß sie die Verkehrsfragen der Zukunft nicht gegen die drahtlose Telegraphie, sondern im Verein mit ihr zu lösen haben werden. So weist z. B. die Deutsch Atlantische Tel. Ges. in ihrem Geschäftsbericht vom 3. Mai 1911 darauf hin, daß "seit der Eröffnung des transatlantischen Dienstes durch die Marconi Gesellschaft der Verkehr der atlantischen Kabel weiter gestiegen ist und irgendeine Beeinträchtigung dieses Verkehrs von keiner Seite empfunden worden ist. Im Gegenteil hat die Ausbreitung der drahtlosen Telegraphie auf Schiffen und unzugänglichen Inseln eine neue Art von Telegrammverkehr entstehen lassen, der zur weiteren Beförderung den Kabeln und Landlinien übergeben werden muß, so daß die drahtlose Telegraphie in großem Umfange als Zubringer den Kabeln gedient hat."

Die deutsche Reichsregierung hat bereits vor einigen Jahren von dem neuen Nachrichtenmittel in unsern Kolonien praktischen Gebrauch gemacht. Am 25. November 1909 ist nämlich auf den Inseln Jap und Angaur die erste Telegraphenanlage zur drahtlosen Vermittlung von Nachrichten zwischen Orten der deutschen Schutzgebiete in Betrieb genommen worden. Durch diese Anlage werden die zu den Karolinen bzw. zur Palaugruppe gehörenden, 500 Kilometer voneinander entfernten Inseln, auf denen sich reiche Phosphatlager befinden, mit dem Kabelnetz der Deutsch Niederländischen Tel. Ges. verbunden. Die Stationen sind mit Genehmigung des Reiches durch die Telefunken Gesellschaft von der Deutschen Südsee Phosphat AG errichtet worden, der auch der Betrieb der Anlage auf die Dauer von 40 Jahren konzessioniert worden ist. Ihre eigenen Betriebstelegramme kann die Gesellschaft gebührenfrei auf der Anlage befördern; sie ist außerdem aber verpflichtet, gegen Gebühren alle Telegramme zu befördern, die den Stationen von Reichs Verkehrsanstalten, von Schiffen in See oder von den vom Reiche besonders namhaft gemachten Küstenstationen zugehen.

Auch in Deutsch Ostafrika sind am 20. März 1911 am Viktoria Nyanza zwei Funkentelegraphenstationen: Bukoba am Westufer und Muansa an der südlichen Bucht, eröffnet worden. Die Station Bukoba hat eine Reichweite von nur 200 Kilometer, da sie im wesentlichen nur die Verbindung dieser Station und seines volkreichen Hinterlandes mit der in der Luftlinie etwa 170 Kilometer entfernten Station Muansa herstellen soll, wo die Landtelegraphenlinie Daressalam-Tabor-Muansa endigt. Da Muansa den Anschluß an eine voraussichtlich 1912 in Tabora zu errichtende Großstation mit 4000 Kilometer Reichweite herstellen soll, so besitzt diese Station eine Reichweite von 600 Kilometer. Beide Stationen sind von der "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie" nach dem System der "tönenden Funken" unter besonderer Berücksichtigung der tropischen Verhältnisse gebaut. Das Luftleitergebilde besteht bei beiden Stationen aus einer Schirmantenne, die in Muansa von einem 85 Meter hohen und in Bukoba von einem 60 Meter hohen eisernen Gittermast getragen wird. Als Kraftquelle dient ein Petroleummotor. Die Stationshäuser wurden durch das Gouvernement für Rechnung der Reichs Telegraphenverwaltung ausgeführt; es sind massive, einstöckige Steinbauten, in denen gleichzeitig die Postagenturen untergebracht sind. Diese Funkenverbindung ist als eine erhebliche Beschleunigung der Nachrichtenübermittlung nicht nur aus kommerziellen Gründen, sondern auch aus politischen und militärischen Rücksichten - Bukoba ist der Sitz einer wichtigen Residentur - sehr zu begrüßen. Die für Tabora in Aussicht genommene Station würde Deutsch Ostafrika mit der Kameruner Großstation und hierdurch mit dem Mutterlande verbinden, uns also von den englischen Kabeln unabhängig machen und zweifellos eine erhebliche Herabsetzung der zur Zeit hohen Kabeltelegrammgebühren herbeiführen.

Die Bemühungen der Reichsregierung um Verbesserung der telegraphischen Verbindungen mit unsern afrikanischen Kolonie beweist der Umstand, daß im Etat der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung für 1911 für Versuche zur drahtlosen Übermittlung von Nachrichten von der großen Versuchsstation in Nauen bei Berlin nach einer in Kamerun zu errichtenden transportablen Empfangsstation 200 000 Mark und ferner zur Errichtung je einer Funkentelegraphenstation in Duala (Kamerun), Swakopmund und Lüderitzbucht 420 000 Mark angefordert und bewilligt wurden. Zunächst wird also mit Hilfe einer transportablen Funkenstation der günstigste Platz zur Errichtung einer Großstation in Kamerun ermittelt. Vorbedingung ist, daß der Platz für die Kameruner Station so gewählt wird, daß sich keine hohen bewaldeten Berge in unmittelbarer Nähe der Station befinden, die die elektrischen Wellen abschirmen und die Bildung luftelektrischer und atmosphärischer Störungserscheinungen begünstigen. Ferner muß man sich damit begnügen, den Funkentelegraphenverkehr mit dem Mutterlande auf bestimmte, durch Versuche zu ermittelnde Tages- und Nachtstunden zu beschränken, in denen erfahrungsgemäß die luftelektrischen Schwingungen am schwächsten sind und die Absorption der elektrischen Wellen durch Sonnenstrahlung und Ionisierung der Luft am geringsten ist. Aber selbst bei Annahme dieser Einschränkung, die in der Natur des übermittelnden Weltäthers begründet liegt, dürfte auch ein stärkerer Telegrammverkehr, als er vorläufig auf der geplanten Linie zu erwarten steht, in diesen Betriebsstunden wohl zu bewältigen sein. Gegenüber den großen ökonomischen und politisch-militärischen Vorteilen, die eine solche Verbindung bietet, fallen diese Beschränkungen kaum ins Gewicht.

Nauen

Da die in der Zeit von Oktober bis Dezember 1909 angestellten Vorversuche bereits die Möglichkeit einer Überbrückung der 5500 Kilometer weiten Strecke Nauen-Kamerun ergeben hatte, so ist anzunehmen, daß eine unmittelbare Verbindung der afrikanischen Kolonien mit dem Mutterlande bald zustande kommen wird. Die südwestafrikanischen Funkenstationen werden ihre für Europa bestimmten Telegramme an die Kameruner Großstation absetzen, die die Telegramme weiter nach Nauen übermittelt. Auch könnte Kamerun, ebenso wie die in Togo geplante Funkenstation, die Telegramme an die in der Deutsch Südamerikanischen Tel. Ges. gehörige Funkenstation in Monrovia geben, worauf dann die Telegramme mittels Kabels weiter nach Emden befördert werden könnten.

Eine telegraphische Verbindung fehlt (bis auf die Insel Jap) vollständig nach den deutschen Besitzungen in der Südsee. Telegramme dorthin müssen von den nächsten Telegraphenstationen mit Dampfern befördert werden, so z. B. solche nach den Karolinen, z. B. Ponape, telegraphisch nach Jap oder Sydney, und von dort mit Schiffspost weiter. Hierauf ist es zurückzuführen, daß die Nachricht von dem Aufstande auf Ponape nahezu 4 Wochen unterwegs war. Diese Unruhen haben wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die noch mangelhafte Verbindung unseres Kolonialbesitzes in der Südsee mit dem Weltkabelnetz gelenkt und den zuständigen Reichsbehörden zu neuen Erwägungen Anlaß gegeben, wie diesem Übelstande am zweckmäßigsten abzuhelfen wäre. Da in Anbetracht der hohen Herstellungs- und Unterhaltungskosten die Auslegung von Seekabeln bei dem nur geringen Handelsverkehr nicht in Frage kommen kann, so dürfte auch hier die Funkentelegraphie sich als wohlfeiles und brauchbares Aushilfsmittel erweisen.

Eine unmittelbare funkentelegraphische Verbindung Deutschlands mit der Südsee würde die Errichtung von Großstationen auf fremdem Territorialbesitz voraussetzen, was sich aus verschiedenen Gründen verbietet. Es erscheint am zweckmäßigsten, an das vorhandene Deutsch Niederländische Kabel in Jap Anschluß zu suchen durch Errichtung von Funkenstationen im Bismarck Archipel, auf Samoa und Jap. Nach Vergrößerung der Reichweite der bereits in Tsingtau (Signalberg) vorhandenen Funkenstation könnte diese u.U. in direkte Verbindung mit Jap gebracht werden, so daß man dem Südsee Funkentelegraphennetz den unmittelbaren Anschluß an die chinesischen und sibirischen Landtelegraphen gesichert hätte. Es ist nicht zu verkennen, daß das Gefühl, durch eine solche Funkenverbindung ständig mit der Außenwelt in Verbindung zu stehen und e. F. schleunigst das ostasiatische Kreuzergeschwader zur Hilfe herbeirufen zu können, besonders bei den Eingeborenen auf Samoa eine große Rolle spielen würde. Erfreulicherweise hat der Staatssekretär des Reichspostamts in der Reichstagssitzung vom 10. März 1911 die Erklärung abgegeben, daß Verhandlungen wegen Errichtung von Funkenstationen auf Samoa, Neu Guinea und Nauru (Marschallinseln) bereits eingeleitet sind, so daß wir eine baldige erhebliche Verbesserung in den telegraphischen Verbindungen mit unsern Südseebesitzungen erhoffen dürfen.

Telegraphierraum
Senderaum

 

Das von der deutschen Regierung geplante, vorstehend kurz skizzierte Netz großer Funkenstationen würde besonders bei Wetterkatastrophen von unschätzbarem Wert sein. Kriegs- und Handelsschiffe würden, ob sie im Atlantischen, im Indischen oder im Großen Ozean kreuzen, durch diese Großstationen unserer Schutzgebiete und mit Hilfe unserer Kabel stets mit dem Mutterlande in Verbindung sein.

Quelle: Süsserotts Illustrierter Kolonial Kalender, 1912, von rado jadu 2001

1899: Gründung der „Norddeutschen Seekabelwerke" AG (NSW), Sitz Nordenham, unter Führung der Fa. Felten & Guilleaume in Köln am 27.05. nach Ankauf von 13 ha Land an der Weser nördlich vom Fischereihafen am 28.09.1898 durch die seit Mitte 1898 bestehende Land- und Seekabelwerke AG, Köln.

 

 

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