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Das Deutschtum in Nordamerika

I. Bis zum Jahre 1783

Die Anfänge am Hudson und Delaware


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Es ist üblich, die Geschichte des Deutschtums in Nordamerika mit Peter Minnewit oder Minuit aus Wesel zu beginnen. Dieser war zuerst Vorsteher der holländischen Niederlassung in Neu-Amsterdam, dem späteren New York. Danach trat er in schwedische Dienste, richtete die Niederlassung Neu-Schweden am Delawarefluß ein und brachte sie zu einer gewissen Blüte. Im Jahre 1638 kam er auf einer Handelsfahrt nach Westindien im Sturme um.

Minnewit war ohne Zweifel eine bedeutende Persönlichkeit. Es lag auch in der Absicht der schwedischen Regierung, deutsche Auswanderer an den Delaware zu ziehen; 1633 wurde in Frankfurt a/Main eine dazu einladende ausführliche Flugschrift in deutscher Sprache gedruckt. In den Wirren des 30 jährigen Krieges fand sie aber wenig Beachtung.

Auch der nächste Gouverneur von Neu-Schweden, Johann Prinz von Buchau, war ein Deutscher, der als Offizier schwedische Dienste genommen hatte. Im Mai 1654 führte Johann Rising, Handelskammersekretär aus Elbing, hundert deutsche Familien nach Neu-Schweden.
Diese also können als die erste wirkliche deutsche Einwanderung nach Nordamerika angesehen werden. Wenige Jahre später nahmen aber die Holländer von Neu-Amsterdam aus die schwedische Kolonie mit Waffengehalt ein, und schon im Jahre 1664 gingen sowohl Neu-Amsterdam als auch Neu-Schweden in englischen Besitz über. Es ist sicher anzunehmen, daß die deutschen Kolonisten in Neu-Schweden eine reichliche Nachkommenschaft gehabt haben, aber diese verschwand in den späteren, weit zahlreicheren englischen Einwanderung. Wir erfahren nichts weiter von ihr.

Auch in New York gab es schon am Ende des 17. Jahrhunderts Deutsche. Einer von ihnen, Jakob Leisler, hat dort in den Parteikämpfen, die nach der englischen Revolution von 1688 ausbrachen, eine bedeutende und höchst ehrenvolle Rolle gespielt, wenn auch sein Ende unglücklich war. Alle diese Namen seien aber nur dazu erwähnt, um zu zeigen, daß bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts von einer deutschen Einwanderung nach Nordamerika, die sichtbaren Spuren hinterlassen hätte, nicht eigentlich gesprochen werden kann. Auch auf die Erwähnung einzelner Deutscher, die als Forschungsreisende, Kartographen und dergleichen zur Kenntnis des damals noch im ersten Entwicklungsstadium begriffenen englischen Kolonialgebiets zwischen dem Meere und dem Alleghanygebirge beigetragen haben, sei hier verzichtet.

Die beiden grundlegenden Bücher über das Deutschtum in den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika sind verfaßt von Albert B. Faust, Professor an der amerikanischen Cornell - Universität (" Das Deutschtum in den Vereinigten Staaten in seiner geschichtlichen Entwicklung", 1. Band; " in seiner Bedeutung für die amerikanische Kultur", 2. Band; in deutscher Übersetzung 1912 erschienen ) und von Rudolf Cronau ( "Drei Jahrhunderte deutschen Lebens in Amerika", zweite neu bearbeitete Auflage, 1924, mit vielen Illustrationen ).

Außer Faust und Cronau sind als Gewährsleute vor allen Dingen zu nennen Friedrich Kapp (" Geschichte der deutschen Einwanderung in Amerika" Band 1. 1868, und "Die Deutschen im Staate New York während des 18. Jahrhunderts", 1884 ) und Anton Eickhoff (" In der Neuen Heimat. Geschichtliche Mitteilung über die deutschen Einwanderer in allen Teilen der Union", New York 1884. ).

 

Pastorius und die Gründung von Germantown.

Die erste von Deutschen begründete und erhalten gebliebene Niederlassung auf amerikanischem Boden, die den Anfang einer langen, jahrhundertlang fortdauernden Einwanderungskette aus Deutschland nach Nordamerika machte, ist verbunden mit den beiden Namen des Engländers William Penn und des Deutschen Franz Daniel Pastorius. Penn war Quäker und hatte von der englischen Regierung zum Ausgleich einer großen Schuldforderung seines Vaters ein großes Gebiet westlich vom Delawarefluß erhalten. Er nannte es Pennsylvanien und bestimmte es zu einem Zufluchtsort für alle diejenigen, die in Europa um ihres Glaubens willen Verfolgung erlitten. Nicht zufrieden mit seinem Besitztitel von der Regierung schloß er auch noch mit den Indianern einen Vertrag, worin sie ihm das Eigentumsrecht an dem Lande bestätigten. Danach ließ er in englischer, deutscher und holländischer Sprache eine Beschreibung von Pennsylvanien erscheinen:" Eine Nachricht wegen der Landschaft Pennsylvanien in Amerika: welche jungstens unter dem Großen Siegel in Enggelland an William Penn Gambt den Freiheiten und der Macht so zu gehörigen guten Regierung derselben nötig, übergeben worden." Diese Schrift enthielt eine Einladung an alle von Religions wegen Verfolgten, in die neue Freistätte jenseits des Ozeans auszuwandern.

Penn verstand deutsch, konnte sogar deutsch predigen und war in den siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts auch wiederholt in Deutschland gewesen. Dort hatte er Fühlung mit den Mennonitengemeinden am Niederrhein und in Frankfurt gewonnen. Die Mennoniten hatten damals wegen ihrer religiösen Anschauungen - sie verwarfen z. B. die Kindertaufe, den Eid und den Kriegsdienst - starke Bedrückung zu erleiden.
In der Frankfurter und der Krefelder Gemeinde fanden sich Auswanderungslustige. Ein Kaufvertrag mit Penn über ein bedeutendes Stück Land wurde geschlossen. Rechtsbeistand der Frankfurter war ein junger Jurist, Pastorius. Dieser entschloß sich, die Auswanderer zu begleiten. Am 20 August 1683 landete Pastorius in Philadelphia, das damals erst aus einigen hölzernen Blockhäusern bestand. Im Herbst folgte ihm eine Anzahl deutscher Mennonitenfamilien. Die Überfahrt auf dem Schiffe "Concord" von dem englischen Hafen Gravesend nach Pennsylvanien dauert siebenzig Tage. Am 24. Oktober 1683 wurden den Ankömmlingen ihre Landlose an einem Platz zwei Stunden von Philadelphia zugemessen. Der Ort bekam den Namen Germantown; er existiert noch heute als ein Vorort von Philadelphia. "Etliche", heißt es in einer aus jenen Tagen stammenden deutschen Aufzeichnung, "gaben ihm den Beynamen Armentown, sindemahl viele der vorgedachten Beginner sich nicht auf etliche Wochen, zugeschweigen Monaten, provisioniren kunnten. Und mag weder genug beschrieben, noch von denen vermöglicheren Nachkömmlingen geglaubt werden, in was Mangel und Armuth, anbey mit welch einer Christlichen Vergnüglichkeit und unermüdetem Fleiß, diese Germantownship begunnen sey."

Dies also war der erste wirkliche Anfang des Deutschtums in Nordamerika. Von der Gründung von Germantown an hat die deutsche Einwanderung nach Nordamerika, bald hoch anschwellend bis auf hunderttausende von Seelen in einem einzigen Jahr, bald wieder tief abebbend, fortgedauert bis auf den heutigen Tag, und wenn einer feststellen könnte, wie viele von der heutigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten deutsches Blut in ihren Adern haben - weitaus die meisten, ohne noch etwas von ihren deutschen Vorfahren zu ahnen -, so würden es Millionen und Abermillionen sein. Wir werden an einem späteren Ort von der Berechnungen, die man hierüber zu machen versucht hat, noch genauer zu reden haben.

Germantown erhielt bald Stadtrecht, und Pastorius wurde zum Bürgermeister gewählt. Berühmt ist sein - im Original lateinischer geschriebener - "Gruß an die Nachkommen", mit dem er das Grundbuch der Ansiedlung eröffnete. In den Übertragung Seidenstickers, eines Deutsch-Pennsylvaniers, der die "Gründung von Germantown" beschrieben hat, lautet er deutsch:

"Sei gegrüßt, Nachkommenschaft! Nachkommenschaft in Germanopolis! Und erfahre zuvörderst aus dem Inhalt der folgenden Seite, daß deine Eltern und Vorfahren Deutschland, das holde Land, das sie geboren und genährt, in freiwilliger Verbannung verlassen haben - o, ihr heimlichen Herde! -, um in diesem waldreichen Pennsylvanien, in der wilden Einsamkeit minder sorgenvoll den Rest ihres Lebens in deutscher Weise, d.h. wie Brüder, zu verbringen. Erfahre auch ferner, wie mühselig es war, nach Überschiffung des Atlantischen Meeres in diesem Striche Nordamerikas den deutschen Stamm zu gründen. Und du, geliebte Reihe der Enkel, wo wir ein Muster des Rechten waren, ahme unser Beispiel nach; wo wir aber von dem so schwierigen Pfade abwichen, was reumütig anerkannt wird, vergib uns; mögen die Gefahren, die andre liefen, dich vorsichtig machen. Heil dir, Nachkommenschaft! Heil dir, deutsches Brudervolk! Heil dir, auf immer!"

 

 

 

 

Pastorius lebte bis 1719. Er hat also 36 Jahre lang die deutsche Niederlassung in Germantown geleitet. Aus ihrer Geschichte in diesen Jahren ist nichts weiter zu berichten als daß es ein Dasein von der Art war, wie William Penn seinen Freund Pastorius selber charakterisierte: "Nüchtern, rechtschaffen, weise und fromm, von allgemein geachtetem und unbescholtenem Namen." In den Gerichtsakten von Germantown, die Pastorius selbst geführt hat, finden sich nur belanglose Eintragungen, wozu Seidensticker die Bemerkung macht: "Glücklich die Gemeinde, deren Gerichtsannalen langweilig sind!" Es liegt darin schon eine Art von Vorausverkündigung für das Deutsch-Amerikanertum im ganzen, auch für die Folgezeit. Es war ein redlicher Schlag Menschen, der hinüberging, ohne Ehrgeiz, ohne große Beweglichkeit des Geistes, keineswegs ohne Tapferkeit, wie sich später in den Kämpfen mit den Indianern zeigen sollte, in die auch die deutschen Ansiedler hineingezogen wurden - aber an politischem Interesse und an politischer Willensbildung mit dem angelsächsischen Element, unter dem sie saßen, nicht vergleichbar. Ein großes Ehrenmal aber haben sich die Deutschen von Germantown schon gleich in den ersten Jahren nach ihrer Niederlassung aufgerichtet, und das ist ihr im Jahre 1688 abgefaßter Protest gegen die Sklaverei, und zwar nicht nur gegen das Halten von Sklaven im allgemeinen, sondern gegen ihre Verwendung in Pennsylvanien.

Während des ganzen Mittelalters und noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts galten Menschenraub, Menschenhandel und Sklaverei, wenn es sich nicht um getaufte Christen handelte, als etwas sittlich nicht Bedenkliches. Sogar Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg, gab Sklavenhandelspatente für die brandenburgischen Besitzungen an der Guineaküste. Die englischen Puritaner in Nordamerika und ihre holländischen Nachbarn fanden nichts dabei, Besitzer von Sklaven zu sein. Die Menscheneinfuhr aus Afrika wurde nach dem spanischen und englischen Westindien schon seit dem 16. Jahrhundert in großem Maßstabe betrieben; nach den nordamerikanischen Kolonien seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Nicht einmal die Quäker, die noch wirklich Menschenfreunde waren, empfanden die Negersklaverei als etwas Unmenschliches. William Penn wollte zwar keinen direkten Sklavenimport nach Pennsylvanien haben, und er wollte, wenn Familien, die im Besitz von Sklaven waren, einwanderten, diese nach acht Jahren frei werden lassen, aber die Quäker-Handelsgesellschaft, zu der auch Penn gehörte, verlangte dafür schon vierzehn Jahre, und auch nach erfolgter Freilassung Ablieferung von zwei Dritteln aller von den früheren Sklaven erzeugten Produkte.

Die Deutschen dachten anders. Am 18. Februar 1688 hielten sie in Germantown eine Versammlung und setzten einen Protest gegen die Sklaverei als solche auf. Es ist ein denkwürdiger Akt, denn es ist der erste im Namen der christlichen Religion und der Menschlichkeit erhobene Einspruch gegen das Sklavereisystem auf amerikanischem Boden - fast zweihundert Jahre vor dem großen Sezessionskrieg, der 
die Vereinigten Staaten über der Sklavenfrage in zwei feindliche Lager spaltete. Das Dokument ist, wahrscheinlich von Pastorius, in englischer Sprache niedergeschrieben und an die Monatsversammlung der Quäker in Philadelphia adressiert. Es hat 155 Jahre verschollen bei den Akten der Quäker gelegen und wurde nach seiner Wiederentdeckung am 13. Januar 1844 in der Quäkerwochenschrift, dem "Friend", publiziert. Unterschrieben ist es von Pastorius und drei Ansiedlern, vermutlich den Gemeindeältesten. Es beginnt damit, daß es an die allgemeine Furcht vor dem Schicksal erinnert, von türkischen Seeräubern gekapert und in die Sklaverei verkauft zu werden. Ist euer Verfahren, fragt Pastorius mit seinen Ältesten, besser, als daß der Türken? Ist es nicht Ehebruch, Frauen von ihren Männern zu trennen und andern zu überliefern und obendrein noch ihre Kinder an andere Leute zu verkaufen?

"Oh, die ihr solche Dinge tut, überlegt, ob ihr in der gleichen Weise behandelt werden möchtet, und ob es sich mit wahrem Christentum verträgt. Ihr überflutet Holland und Deutschland in solchen Dingen. Es bringt euch in allen europäischen Ländern in Verruf, wenn sie dort hören, daß die Quäker hier Menschen in der gleichen Weise wie das Vieh verkaufen ... Wir sollten dagegen helfen, daß dieser Raub und Diebstahl unterdrückt werden. Die Sklaven aber sollen aus den Händen ihrer Räuber erlöst und in gleicher Weise freigegeben werden, wie in Europa. Dann wird Pennsylvanien einen guten Ruf erlangen, wohingegen es jetzt dieser Ursache wegen in anderen Ländern berüchtigt ist... 

"Nun erwägt diese Angelegenheit wohl, ob sie gut oder böse ist. Falls ihr (Quäker) es für Recht befindet, die Schwarzen in solcher Weise zu behandeln, so bitten und ersuchen wir euch hiermit liebevoll, uns darin zu belehren, was sie heute nie zuvor getan wurde, nämlich daß es Christen ziemt, so zu verfahren."

 

 

 

 

 

 

Es ist bezeichnend, wie mit dieser Eingabe verfahren wurde. Die Monatsversammlung der Quäker überwies sie an die Vierteljahresversammlung, und diese an die Jahresversammlung. Am 5. Juli 1688 faßte diese eine Resolution, der man alles Andre eher nachsagen konnte, als Ehrlichkeit und Mut. Sie lautet:

"Es wurde hier eine von mehreren deutschen Freunden verfaßte Schrift eingereicht, welche die Frage der Gesetzlichkeit oder Angelegenheit des Kaufs und Haltens von Negern betrifft. Man kam dahin überein, daß es dieser Versammlung nicht zustehe, ein positives Urteil über diese, so viele andere Dinge berührende Frage abzugeben. Aus diesem Grunde unterließ man es, auf die Angelegenheit einzugehen." 

Die Deutschen von Germantown haben gar nicht daran gedacht, von der Gesetzlichkeit oder Ungesetzlichkeit des Haltens von Sklaven zu sprechen, sondern sie haben ihre Meinung klar genug dahin ausgedrückt, daß sie die Sklaverei für unmenschlich und für unchristlich hielten. Das ist ganz etwas anderes, als die von der Quäkerversammlung dafür untergeschobene Frage der Gesetzlichkeit. Dies war aber die bequemste Art, um die peinliche deutsche Aufforderung, Christentum und Humanität über den materiellen Vorteil zu stellen, unschädlich zu machen. Das deutsche Dokument aber ist für alle Zeiten denkwürdig, und man sieht daraus, wie hoch in moralischer Beziehung diese ersten deutschen Kolonisten in Nordamerika standen, und was für ein Mann ihr Führer Pastorius war. Dreißig Jahre später waren endlich auch die pennsylvanischen Quäker so weit, sich grundsätzlich gegen den Sklavenhandel auszusprechen.

Pastorius war ehrlich. Es gibt noch eine alte Zeichnung von dem Hause - vermutlich war es das seinige -in Germantown, in dem die Anklage der Deutschen gegen Sklavenhandel und Sklavenwirtschaft verfaßt und niedergeschrieben wurde, ein bescheidenes Gebäude von der Bauart, wie sie damals am Niederrhein und in Holland üblich war. Man sieht, wie die Ansiedler noch genau ihre heimischen Wohnstätten kopierten; später paßte sich die Bauweise, namentlich im Innern, mehr den Bedürfnissen der großen Waldregion und des Grenzerlebens an.

Das Gedenkens wert sind auch die Worte, die Pastorius, nachdem Germantown Stadtrechte erhalten hatte ( 1691 ) und er selbst zum ersten Bürgermeister erwählt war, über das von ihm beschaffte Ratsbuch setzte, in deutscher Sprache:

"Lasset die Forcht des Herrn bey euch seyn, und nehmet nicht Geschenke. Beleidigt keine Wittib noch Waisen. Schaffet den Armen recht und helffet dem Elenden und Dörftigen. Richtet recht zwischen Jedermann; sehet keine Person an, sondern höret den Kleinen wie den Großen. In Euren Wahltägen setzet zu Häuptern übers Volk redliche, weise, erfahrene und verständige Leute, die wahrhafftig und dem Geitze feind sind."

 

 

 

Man soll aber nicht denken, daß Pastorius und die Deutschen von Germantown bei ihrer Frömmigkeit Mucker und Kopfhänger waren. Als Rheinländer führten sie die Weinrebe mit sich und pflanzten Weinberge. In Krefeld am Niederrhein, wo verschiedene Kolonisten ihre Heimat hatten, wurde stark Weberei getrieben. Daher standen neben den Reben die Flachsfelder. In eigentümlicher Weise drückt sich diese Verbindung im Siegel von Germantown aus, das auch von Pastorius stammt. Es ist ein Kleeblatt mit der rundlaufenden Umschrift. Vinum linum et textrinum Germantown. Rudolf Cronau, dessen Darstellung über die deutschen Anfänge in Amerika wir in diesem ganzen Abschnitt benutzen, bemerkt zu der deutschen Übersetzung des Spruches ( "Wein, Lein und Weberschrein"): " Dadurch wurde zugleich die Mission der Deutschen in Amerika, die Förderung des Ackerbaus, des Gewerbes und des heiteren Lebensgenusses, in treffender Weise angedeutet."

Das Verhältnis zu den Eingeborenen, den Indianern, mit denen ja auch William Penn seinen berühmten, ehrlichen und friedlichen Vertrag geschlossen hatte, war gut. Pastorius sagt von ihnen, sie seien " starke, hurtige und gelenkige Leute"; er lobt ihre Redlichkeit. Ihre Handelswaren brachten sie zu den Ansiedlern: Fische, Vögel, Hirschhäute und allerlei Pelzwerk von Bibern, Ottern und Füchsen. Bisweilen vertauschten sie es "gegen Getränk", bisweilen gegen das damals bei den östlichen Stämmen gebräuchliche, aus Meermuscheln geschliffene Geld, die sogenannten Wampunperlen. Mit dem Getränk ist sehr wahrscheinlich Branntwein gemeint, nach dem den Indianern der Sinn nur zu leidenschaftlich stand. In Germantown wird man bei diesen gefährlichen Tauschhandel wohl besonnene Grenzen innegehalten haben. Später hat sich aus der Schnapsüberschwemmung, die gewissenlose Händler in den Indianergebieten anrichteten, Raub, Mord und alles mögliche Elend entwickelt.

Schon nach einigen Jahren konnte der Überfluß an Getreide und Vieh von den Deutschen in Germantown nach Westindien verschickt und dort "umb Brandwein, Syrup, Zucker und Salz" verkauft werden. Der "Brandwein" war aus Zuckerrohr destillierten Rum, ein gefährliches Getränk. Branntwein galt aber in damaliger Zeit als der Gesundheit förderlich; sein regelmäßiger täglicher Genuß wurde keineswegs als Unmäßigkeit betrachtet war ein Beweis von bürgerlicher Wohlhabenheit.

Nach Pastorius' Tode wurde ein Westfale, Saur aus Laasphe, der 1717 einwanderte, dadurch von Bedeutung für die Kolonie, daß er eine deutsche Druckerei einrichtete. Er macht mit dieser nicht nur sehr gute Geschäfte, sondern nützte auch außerordentlich der Entwicklung des geistigen Lebens. Zuerst brachte er einen deutschen Kalender heraus; danach, seit 1739, eine deutsche Zeitung. Sie erschien seit 1748 zweimal im Monat; die Auflage betrug drei Jahre später 4000 Exemplare - ein Beweis dafür, welch eine Ausbreitung das Deutschtum im östlichen Pennsylvanien während eines halben Jahrhunderts gewonnen hatte. Zuletzt konnte die "Germantown Zeitung" sogar wöchentlich erscheinen, für die damalige Zeit und für das damalige Amerika alles Mögliche! 1743 konnte Saur sogar eine vollständige deutsche Bibel auf seiner Presse drucken - vierzig Jahre, bevor eine Druckerei in Amerika es wagte, eine Bibel in englischer Sprache herauszubringen!

Die Niederlassung der deutschen Mennoniten in Pennsylvanien hatte zur Folge, daß auch noch andere religiöse Sekten in Deutschland ihre Zuflucht auf amerikanischen Boden suchten. Es waren manche ungesund schwärmerischen Elemente dabei, z. B. solche, die die Ehe verwarfen, und bald zugrunde gingen. Von andern haben sich Reste bis auf die Gegenwart erhalten. Ein Seitenstück zu der Niederlassung in Germantown war die Ansiedlung einer Anzahl vertriebener Salzburger Protestanten, die sich im Herbst 1733 in Berchtesgaden sammelten und im März 1734 in Savannah in Georgien eintrafen. Sie nannten ihre Kolonie Ebenezer. 1741 zählten sie bereits 1200 Seelen. Was Pastorius den Deutschen in Germantown war, das war der vom Halleschen Waisenhaus entsandte Pastor Bolzius den Salzburgern. Er hat ihnen über dreißig Jahre gedient und die Kolonie geleitet. Bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts konnte sie sich deutsch erhalten. Dann blieb weiterer Zuzug aus, wie dann überhaupt die Deutschen nicht große Neigung hatten, sich in den späteren Südstaaten der Union anzusiedeln, und diese deutsche Gruppe verlor sich, nach einer Blütezeit von 60-70 Jahren, im Anglo-Amerikanertum schon zu einer Zeit, wo in den nördlichen Gegenden, namentlich in Pennsylvanien, das Deutschtum noch in voller Kraft stand.

Eine besondere Rolle spielten um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Pennsylvanien die deutschen Herrnhuter. Zinzendorf kam 1741 selbst nach Amerika, um die Indianermission einzuweihen. Bethlehem im Tal des Lehigh, mit Kirche und großem Missionshaus, war die Hauptniederlassung der pennsylvanischen Herrnhuter. Sie drangen bis über das Gebirge ins Tal des oberen Ohio vor, und hatten wirklich Erfolge unter den Indianern. Bei den englischen Kolonialbehörden erregte aber ihre hingebende Tätigkeit öfters Eifersucht und Mißtrauen. Man argwöhnte törichter Weise, die Herrnhuter wollten einen Indianeraufstand organisieren und das Land den Franzosen in die Hände spielen. Als in späterer Zeit die weiße Bevölkerung stark wuchs, und die Indianer immer weiter zurückgedrängt, schließlich dort fast ganz ausgerottet wurden, verlor die Herrnhuter Mission ihre Bedeutung, obwohl die Missionare den zurückweichenden Rothäuten nach Westen, bis an den Michigan-See, zu folgen versuchten.

(Quelle: Rohrbach, Paul: Das Deutschtum über See. Wilhelm Schille & Co./ Verlagsbuchhandlung, Karlsruhe in Baden o.J. Copyright by Wilhelm Andermann Verlag, Berlin - Jadu-Berlin April 2000)
 
 

 

 

Germantown in Philadelphia
Colonial Germans; Francis Daniel Pastorius.
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Pastorius, Franz Daniel

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