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Das Deutschtum in Nordamerika

Friedrich Wilhelm v. Steuben und die deutschen Mietstruppen in Amerika

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Die Geschichte des deutschen Elements in den Vereinigten Staaten wäre nicht vollständig, ohne daß man der Deutschen gedächte, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf beiden Seiten gefochten haben, nicht als in Amerika Geborene oder als Einwanderer im gewöhnlichen Sinn, sondern weil sie durch ihren eignen Willen oder schimpflichen Verkauf durch ihre Fürsten auf jenen Kriegsschauplatz gerieten. Auf der einen Seite finden wir nur die Namen einiger Militärs von hohem Rang, wie Steuben, Kalb und noch einige andere Offiziere; auf der anderen dafür viele Tausende von Braunschweigischen, Hessischen, Waldeckschen, Ansbacher, Bayreuther und Anhaltiner Landeskindern. Es waren ihrer im ganzen fast 30 000, für die England an ihre Landesherren nicht weniger als 35 Millionen Mark nach heutigem Gelde, bezahlte, um sie als Mietstruppen gegen die amerikanischen Aufständischen zu verwenden.

Steuben war der Sohn eines preußischen Ingenieurhauptmanns und wurde am 17. November 1730 in Magdeburg geboren. Er trat 1747 in die Armee ein, diente bis zur Beendigung des siebenjährigen Krieges gegen Franzosen, Russen und Österreicher und war viel im Verpflegungsdienst beschäftigt. Er brachte es in preußischen Diensten bis zum Hauptmann, wurde dann Hofmarschall des Fürsten von Hohenzollern-Hechingen, 1775 Oberst bei den badischen Truppen und ging 1777 nach Nord-Amerika, um den Kolonien seine Dienste gegen England anzubieten. Veranlassung dazu war ein Zusammentreffen in Paris mit Benjamin Franklin, der nach Europa geschickt war, um tüchtige Offiziere nach Amerika zu engagieren, sich aber gerade Steuben gegenüber zurückhaltend verhielt. Man suchte Offiziere, weil sich gezeigt hatte, daß die kolonialen Freiwilligen und Milizen, so tüchtig sie mitunter im Kleinkrieg waren, gegen die regulären Truppen der Engländer versagten. Kein Wunder, da ihnen jede militärische Ausbildung fehlte. Wollte man eine Feldschlacht gegen die Engländer wagen, so mußte man halbwegs ausgebildete Truppen haben. Steuben richtete, im Dezember 1777 gelandet, an den Kongreß einen Brief mit folgendem, sehr geschickt gewählten Wortlaut:

"... Der einzige Beweggrund, der mich diesem Weltteil zuführt, ist der Wunsch, einem Volke zu dienen, welches einen so edlen Kampf für seine Rechte und Freiheit kämpft: Ich verlange weder Titel noch Geld. Mein einziger Ehrgeiz besteht darin, bei Ihnen als Freiwilliger einzutreten, mir das Vertrauen Ihres Oberbefehlshabers zu erwerben und denselben in allen Feldzügen ebenso zu begleiten, wie ich während des siebenjährigen Krieges dem Könige von Preußen folgte. Ich möchte gern mit meinem Blute die Ehre erkaufen, daß mein Name eines Tages unter den Verteidigern Ihrer Freiheit genannt wird."

Die militärische Lage im Winter 1777/78 war trotz der im Oktober, also unmittelbar vorher, erfolgten Kapitulation Burgoynes bei Saratoga sehr wenig günstig, weil die amerikanischen Milizen aus Mangel an Verpflegung, Gold und Kleidung für den Winter meist nach Hause gegangen waren und kaum noch 5 000 Mann in sehr schlechter Verfassung ein Winterlager in Valley Forge bezogen hatten. Ohne die oben schon erwähnten Hilfe der Herrnhuter, die ihnen Lebensmittel brachten, wären sie dort zugrunde gegangen oder gänzlich auseinandergelaufen. Steuben kam also sowohl für die Amerikaner als auch für sich selbst im richtigen Moment, denn die Aussichten für den Wiederbeginn des Feldzuges im nächsten Frühjahr waren für die Amerikaner, wenn die Zustände bei ihren kaum noch Armee zu nennenden Truppen sich nicht besserten, so schlecht wie möglich. Steuben wurde vom Kongreß bald zum Generalinspektor des Heeres ernannt.

Die Hauptmängel der amerikanischen Truppen waren mangelnde Ausbildung, Fehlen der Disziplin, ungeordnetes Verpflegungswesen. Steuben hat selbst eine Aufzeichnung über die Zustände gemacht, die er vorstand; sie befindet sich im Archiv der " New York Historical Society". Danach waren die Leute allesamt nur auf sechs oder neun Monate angeworben, die Truppenteile schwankten in ihrer Stärke, das Urlaubswesen war so in Mißbrauch, daß bei Kompanien nur einen Bruchteil ihres Nominalbestandes zur Stelle hatten,jeder Oberst ließ nach seinem eignen System exerzieren, die Offiziere hatte allesamt keinen Begriff davon, daß es noch andere Pflichten im Dienst für sie gab, als im Kampf ihre Soldaten anzuführen, Uniformierung existierte nur den Namen nach, Rechnung über Lieferungen an Waffen, Munition, Ausrüstung, Verpflegung wurde nicht geführt. Steuben bildete zunächst eine Lehrabteilung mit ordentlichen Uniformen und Waffen und exerzierte diese nach dem preußischen Reglement grünlich durch. Für die zuschauenden Offiziere und Mannschaften waren diese Übungen eine Quelle des Staunens. Man begriff jetzt, daß es im Kriege darauf ankommt, überhaupt geschulte militärische Bewegungen machen zu können. Als die Lehrabteilung durch und durch geschult war, wurden ihre Angehörigen an die verschiedenen Truppenteile als Exerziermeister verteilt. Im Mai 1778 kam das Bündnis zwischen Amerika und Frankreich zustande. Washington ließ es durch ein großes Truppenmanöver feiern, und diese verlief so erfolgreich, daß Steuben seine Ernennung zum Generalmajor - der höchsten Charge nächst dem Oberbefehlshaber - erhielt. In kaum fünf Monaten hatte er erstaunlich viel zustande gebracht.

Anfangs konnte Steuben nur gebrochen englisch sprechen. Wollte eine Übung nicht klappen, so ging er im Ärger auf Englisch, Deutsch und Französisch durcheinander zu fluchen an, und da seine Leute ihn natürlich nicht verstanden, so rief er seinen Adjutanten Walker zur Hilfe, er solle für ihn auf Englisch weiter fluchen: "Viens, mon ami Walker, come and swear for me in English - je ne puis plus - I can curse them no more - dese fellows will not do what I bid them!" Bei alledem kam Steuben darum so rasch vorwärts, weil er seine Aufgabe von Grund auf verstand, und, trotz seines schlechten Englisch, den Leuten imponierte. Sein Adjutant William North schrieb nach seinem Tode:

"Ich war eines Tages Zeuge, wie Steuben und seine Assistenten eine drei Regimenter umfassende Brigade sieben volle Stunden lang inspizierten. Über jeden abwesenden Mann wurde Auskunft verlangt. Jede Muskete wurde nachgesehen, jede Patronentasche geöffnet und sogar die Patronen und Feuersteine gezählt. Dann mußten die Tornister abgelegt und ihr Inhalt auf eine Decke ausgebreitet und mit dem Verzeichnis des Notizbuches verglichen werden, um zu sehen, ob das von den Vereinigten Staaten Gelieferte noch vorhanden sei, und wenn nicht, wohin es gekommen. Hospitalvorräte, Laboratorien, kurz alles, mußte der Inspektion offenstehen. Da wurde manchem Offizier bange, wenn er über Verluste oder Ausgaben nicht genaue Rechenschaft ablegen konnte. Diese monatlich wiederkehrenden Inspektionen hatten eine wunderbare Wirkung, nicht allein auf die Ökonomie, sondern auch auf den Wetteifer, den sie unter den verschiedenen Korps anfachten."

Die erste bedeutende Probe auf das neue können legte die amerikanische Armee am 18. Juni 1778 in der Schlacht bei Monmouth am Delaware ab, die durch den Verrat eines Generals namens Lee fast zu einer Niederlage geführt hätte, aber durch Washingtons uns Steubens eingreifen noch soweit gerettet wurde, daß die Truppen das Gefühl bekamen, den Engländern auch in der Schlacht gleichwertig zu sein. Steubens größter Triumph war , daß er bei der Verlagerung von Yorktown in Virginien den Oberbefehl erhielt, und daß der in Yorktown kommandierende englische General ihm, dem Deutschen, seine Kapitulation einhändigte. Seine Truppen waren daher auch die ersten, die in die gefallene Festung einzogen.

Berühmt ist Washingtons Brief an Steuben vom 23. Dezember 1783 aus Anapolis, in dem er ihm den Dank für seine Leistungen im Unabhängigskeitskrieg ausspricht. Steuben blieb zunächst auch nach der Beendigung des Krieges im amerikanischen Dienst und arbeitete den Plan für die Errichtung der stehenden Armee der Vereinigten Staaten, sowie für eine Militärakademie, die aber erst nach seinem Tode eingerichtet wurde, aus. Bald danach nahm er seinen Abschied, weil er bei der Neubesetzung des Kriegsministeriums als "Ausländer" übergangen wurde. Er fühlte sich so sehr als Amerikaner, daß er diese Zurücksetzung übelnahm. Auch sonst hatte er gegen Ende seines Lebens Verdrießlichkeiten, weil ihm die Auslagen, die er aus eigenen Mitteln während des Krieges bestritten hatte, nicht ersetzt werden sollten. Man zweifelte sogar die Gültigkeit des Vertrages an, der bei seiner Ernennung zum Generalinspektor der Armee mit ihm geschlossen war! Schließlich verstand sich der Kongreß dazu, ihm eine Pension von 2500 Dollars jährlich zu bewilligen, die Steuben aber nur wenige Jahre genoß. Er starb im November 1794 in seinem einfachem Landhaus in Oneida im Staat New York, wo ihm ein Denkmal errichtet wurde. Die junge amerikanische Republik war diesem Deutschen viel Dank schuldig, aber sie hat ihn auf zögernde Art und nur sehr unvollständig abgetragen.

Unter den französischen Truppen - es waren 8000 Mann - die auf Grund des Bündnisvetrages von 1778 den Amerikanern zu Hilfe geschickt wurden, befanden sich auch viele Deutsche. Das Regiment "Zweibrücken", das bei den Franzosen den Namen führte "Regiment Royal Allemand des deux Ponts", bestand ganz aus geworbenen Pfälzern und wurde von zwei Prinzen von Zweibrücken-Birkenfeld kommandiert. Auch andere Truppenkörper hatten deutsche Abteilungen, und außerdem hatten sich einzelne deutsche Offiziere auf eigene Hand der Expedition angeschlossen. Die bedeutendste Persönlichkeit unter diesen war Johannes v. Kalb, der schon vor dem Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges im Auftrag der französischen Regierung in Amerika gewesen war, um die Lage dort zu sondieren. Kalb war 1721 in der Nähe von Erlangen geboren, war, noch jung, in französische Dienste getreten, hatte es bis zum Obersten gebracht, nannte sich Baron und war durch Heirat wohlhabend. Als er sich dem Oberbefehlshaber Lafayette anschloß, um, mit dem Titel eines Brigadegenerals, nach Amerika zu gehen, war er kein junger Mann mehr und hätte ebensogut sein Vermögen zu Hause genießen können. Auch dieser bald französisch gewordene Deutsche wurden von dem Gefühl über den Ozean getrieben, er müsse mithelfen, der Freiheit eine Gasse zu machen. Das Schicksal aber, das den tapferen Mann drüben erwartete, war anders, als das Steubens. Er erhielt zwar ein Kommando, kam aber nicht zum Schlagen. Dann übernahm er es, in Süd-Carolina die dortigen Milizen auszubilden, aber da ihm die notwendige Autorität fehlte, vielleicht auch etwas die bis ins einzelne gehende persönliche Schulung und Erfahrung Steubens, wurde er mit der Aufgabe nicht fertig. Schließlich nahm er Teil an einem kopflosen Zuge des im Süden kommandierenden amerikanischen Generals Gates gegen den von einer starken englischen Macht besetzten Platz Camden, der mit einer Totalniederlage endete. Kalb wurde schwer verwundet und starb wenige Tage darauf, im August 1780. Er hat ein Denkmal in den Anlagen der nach Steubens Entwurf ins Leben gerufene Militärakademie in Anapolis erhalten und hinterließ den Ruf eines klugen, tapferen und liebenswürdigen Mannes.

Kalb war Deutscher, wenn auch stark französiert. Beim Schlußakt des Unabhängigkeitskrieges, der Verlagerung und Kapitulation von Yorktown, 1785, waren auf beiden Seiten soviel Deutsche unter den Waffen, daß man die Kämpfe um Yorktown "die deutsche Schlacht" genannt hat. Von den eingeschlossenen englischen Truppen waren 2500 Mann, fast der vierte Teil,Hessen und Ansbacher. Ungefähr ebenso groß war die Zahl der Deutschen, die unter französischem Befehl standen. In der verbündeten amerikanischen Armee bestand die von Steuben und seinen Unterführern ( Mühlenberg und zwei Amerikanern ) befehligte 3200 Mann starke Division aus deutschen Farmerssöhnen, Pennsylvaniern und Virginiern. Auch unter den übrigen amerikanischen Regimentern waren viele Deutsche. Als am 14. Oktober 400 deutsche Grenadiere und Jäger im französischen Dienst unter dem Befehl des Prinzen Wilhelm von Zweibrücken zum Sturm auf eine englische Redoute angesetzt wurden, wurde auf beiden Seiten deutsch kommandiert.

Es ist traurig, sich die Zahlen der von den Engländern gemieteten deutschen Truppen im einzelnen zu vergegenwärtigen. Kurhessen lieferte 16 992 Mann, Braunschweig 5723, Hanau 2422, Ansbach-Bayreuth 2353, Waldeck 1225, Anhalt-Zerbst 1152. Für den Umfang der genannten Länder und für den Prozentsatz waffenfähiger jüngerer Männer in ihnen sind diese Zahlen entsetzlich hoch. Die Bedingungen waren meist so, daß für jeden Soldaten, der im Kriege fiel oder an Krankheit starb, noch eine besondere Entschädigung in die Tasche der Fürsten gezahlt werden mußte. Der Braunschweiger Herzog z.B. ließ sich dabei drei Verwundete gleich einem Toten rechnen. Unter den von hessischen Werbern Gepreßten und nach Amerika Verschacherten war auch ein später berühmt gewordener Mann, Johann Gottfried Seume. Der Soldatenhandel wurde von der öffentlichen Meinung in Deutschland stark gemißbilligt. Kant, Herder, Klopstock und Lessing eiferten dagegen; auch Schiller in seinem Drama "Kabale und Liebe". Wirklich etwas dagegen tun konnte nur ein Fürst wie Friedrich der Große. "Wäre der hessische Landgraf", so schrieb er, "aus meiner Schule hervorgegangen, so würde er seine Untertanen nicht wie Vieh, das an die Schlachtbank geführt wird, an die Engländer verkauft haben. Das ist ein unwürdiger Zug in dem Charakter eines Fürsten. Solches Vertragen ist durch nichts als schmutzige Selbstsucht hervorgerufen."

Friedrich protestierte nicht mit bloßen Worten, sondern verbot den Durchzug der verkauften Leute durch preußisches Gebiet. Das hatte für den Gang des Krieges in Amerika sehr wichtige Folgen. Die Engländer wollten die deutschen Hilfskräfte noch im Winter von 1777 auf 1778 in Amerika haben, um die im Hungerlager von Valley Forge liegenden Amerikaner anzugreifen und zu vernichten. Das preußische Durchmarschverbot verzögerte den Transport so sehr, daß es drüben erst ankam, als die Amerikaner sich etwas erholt hatten und die Tätigkeiten Steubens schon wirksam geworden war. Es ist nicht unmöglich, daß wenn die zerrüttete Streitmacht der Amerikaner in Valley Forge zur Übergabe gezwungen worden wäre, die ganze Rebellion damit ihr vorläufiges Ende erreicht hätte.

Von den beinahe 30 000 deutschen Mietstruppen, die hinübergegangen waren, sahen nur etwa 17 000 ihr Vaterland wieder. Etwa 1200 fielen in der Schlacht. Mehr als die fünffache Anzahl starben an Wunden und Krankheiten ( dies Verhältnis ist bezeichnend für die sanitären Zustände in früheren Kriegen ); etwa 5000 desertierten zu den Amerikanern oder wurden von den Amerikanern gefangen genommen. Als einmal hundert Hessen in Gefangenschaft gerieten, ließ Washington sie in Philadelphia einquartieren und gut behandeln, damit sie "während ihrer Gefangenschaft Erfahrungen machen, welche ihren noch im Dienst des Königs von Großbritannien stehende Landsleuten die Augen öffnen." Er nannte sie "arme Geschöpfe", die durch despotische deutschen Fürsten ihrem Vaterlande entrissen und an einen fremden Monarchen verkauft seien, ohne selbst irgendwelche Feinschaft gegen die Amerikaner zu hegen; daher sei es sein ernster Wunsch, daß sie gut behandelt würden. Auch die amerikanischen Deutschen versuchten allerlei Mittel, um die Landsleute im englischen Dienst aufzuklären. Sie schmuggelten ihnen deutsch geschriebene Zettel zu, das Verlassen des Sklavendienstes und das Überlaufen zu den Freiheitskämpfern sei keine Sünde. Ein deutscher Bäcker namens Ludwig schlich sich als angeblicher Überläufer in das Lager der Hessen auf Staaten Island und schilderte ihnen das Leben in Pennsylvanien so eindringlich, daß mehrere Hundert desertierten. Dann schrieb er an den Kongreß in Philadelphia: "Zeigt ihnen unsere schönen deutschen Kirchen, laßt sie unsern Rindsbraten kosten und unsern Hausrat sehen, dann schickt sie wieder fort zu den Ihrigen, und ihr sollt sehen, wieviele uns zulaufen werden!" Der Vorschlag wurde von dem Kongreß angenommen, und in einer Proklamation vom April 1778 wurden jedem zu den Amerikanern übergehenden Soldaten 50 Acker Land versprochen, jedem Hauptmann aber, der 40 Mann mit sich brächte, 800 Acker Land, 4 Ochsen, 1 Bulle, 2 Kühe und 4 Schweine. Danach nahm, wie die deutsche "Philadelphische Zeitung" berichten konnte, das Ausreißen unter den britischen Truppen überhand, zumeist natürlich unter den Deutschen, und die Überläufer bezeugten, "Daß die ganze deutsche Hilfsarmee herüberkommen würde, wenn sie nur Gelegenheit dazu hätte!"

Jedesmal, wenn wieder deutsche herübergekommen waren, stellten sich die deutschen pennsylvanischen und virginischen Bauern ein, und redeten ihnen zu: "Bleibt hier, wir nehmen euch als Ackerknechte, und wenn ihr ein paar Jahre fleißig seid, habt ihr Land, Vieh und Häuser, wie wir. Und dann schaut euch unsre Mädels an! Sind es nicht wackere deutsche Dirnen? Heiratet sie und gründet mit ihnen den eignen Herd!"

Diesen Argumenten wurde nicht oft widerstanden. Die meisten deutschen Gefangenen und Überläufer sind tatsächlich in Amerika geblieben und haben dort, für einige Zeit, zur Stärkung des Deutschtums beigetragen. Als dann die Truppen nach Beendigung des Krieges in die Heimat zurückkehrten, schilderte dieser und jener Offizier, Feldarzt und Feldprediger seine Erlebnisse drüben, die Größe und Hilfsquellen des Landes, die Menge der Deutschen und die Wohlhabenheit ihrer Niederlassungen, in Farben und Tönen, die bei Vielen die Lust zur Auswanderung in die Neue Welt erweckte. Besonders das Buch eines ansbach-bayreuthischen Militärarztes, Dr. Schöpf, wurde viel gelesen und fand weite Verbreitung - wie denn überhaupt der Unabhängigkeitskrieg der Kolonien die öffentliche Meinung in Deutschland stark bewegte. Durchweg nahm die deutsche öffentliche Meinung Partei gegen die Engländer und für die Amerikaner, und damit indirekt auch gegen den deutschen Fürstenabsolutismus. Auch Friedrich der Große bekräftigte seine Abneigung gegen England, indem er als erster unter den europäischen Regenten die Selbständigkeit der Vereinigten Staaten anerkannte, mit ihnen jenen berühmten Vertrag schloß, daß im Kriegsfall kein Angriff auf das Eigentum friedlicher Bürger erfolgen sollte, und Washington einen Ehrendegen schickte!

(Quelle: Rohrbach, Paul: Das Deutschtum über See. Wilhelm Schille & Co./ Verlagsbuchhandlung, Karlsruhe in Baden o.J. Copyright by Wilhelm Andermann Verlag, Berlin - Jadu-Berlin April 2000)

 

Links über Deutsche in Amerika und über die Deutschen, zum Teil in Englisch.

Steuben County
Baron von Steuben
General Friedrich Wilhelm von Steuben
German-American Steuben Parade
German-American Steuben Parade Committee of New York
Fredericus Rex: Prussia's King Frederick the Great
The Steuben Society of America
The Declaration of Independance
More about the Declaration of Independance

Unabhängigkeitserklärung von 1776 wurde zuerst in Deutsch gedruckt

On July 5 the Declaration was announed in the Pennsylvanischer Staatsbote in German and the full text was published either July 5 or 6 as a one page broadside by Steiner and Cist and appeared prior to the "Evening Post." (The Post was an evening paper).

 

Valley Forge, Pa.
German Americans in the 1990 Census
Mediaeval Germany and the Causes of German Emigration
Germans Predecessors of the Puritans
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We Have Something To Be Proud Of: Flaggen der Vereinigten Staaten

 

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