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(von Ivone Alder)
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Tief
im Amazonasdschungel,
unter einem mit Millionen von Sternen besetzten Himmel, die wie Diamanten
die Nacht für den silbernen Mond schmückten, erzählt der
alte Häuptling Raoni
der Kinderschar des Stammes die phantastischen Heldentaten seiner Krieger.
Raoni war sehr weise und wußte alles über die Mysterien der
Natur und auch so
manche Geheimnisse. Einer der kleinen Indianer wollte wissen, woher denn
die glitzernden Sterne am Himmel kommen.
Der
Häuptling zündete seine Pfeife an und erzählte nach einigen
deftigen Zügen:
Ah,
ich kenne sie alle! Jeder Stern ist eine schöne Indianerin. Wußtet
ihr das nicht?
Der Mond, der ja ein starker, tapferer junger Krieger ist, kommt, immer
wenn er am hellsten ist, auf Erden und heiratet eine Indianerin. Seht
ihr den großen Stern dort
oben rechts? Das ist die hübsche Nacaíra vom Maué-Stamm.
Und der gleich
daneben, der so besonders strahlt, ist Janã, das kostbarste Mädchen
der Arauaques.
Aber, ich sag' Euch:
das Eindrucksvollste ist vor vielen, vielen Jahren hier,
in unserem eigenen Stamm geschehen.
Es
lebte unter uns eine wunderschöne, zarte Indianerin namens Naiá.
Sie verliebte sich in den Mond denn sie wußte, daß er in Wirklichkeit
ein mutiger,
junger Krieger ist. Viele unserer jungen Männer warben um Naiá's
Hand,
aber ihr Herz gehörte dem Mond.
Abend
für Abend ging sie in den Wald und ließ sich von den silbernen
Strahlen
ihres Liebsten streicheln. So manches mal ist sie auf die höchsten
Bäume gestiegen,
in der Hoffnung, von dort den Mond zu erreichen. Sie sang für ihn,
sie weinte um ihn.
Er, der Mond, blieb jedoch weiterhin fern und gleichgültig.
Eines
nachts gelang Naiá an die Ufer des Amazonas und sah darin,
zu ihrer Überraschung und Freude, den Mond.
Ihr Herz schlug glücklich und wild.
War doch ihr Krieger endlich zu ihr gekommen!
Naiá stürzte sich ins Wasser, in die Arme des Mondes.
Seither hat sie keiner je wieder gesehen...
Der
Mond, nun selber traurig, daß er Naiá nicht als glitzernden
Stern am Himmel
haben wollte, beschloß ihr zu Ehren, aus ihrem Körper einen
herrlichen Stern
des Wassers zu machen. Er verwandelte sie in eine wunderschöne, große,
sternförmige Blüte, die "Vitória-Régia",
die sich nur nachts öffnet,
um so den Mond sanft aufzunehmen.

"Meditação"
(von Tom Jobim & Newton Mendonça)

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